Nach der großen Militärparade in Zagreb sind am Mittwoch in Kroatien die Feierlichkeiten zum 20. Jahrestages der Militäroperation "Sturm" (kroatisch "Oluja"), bei der 1995 der Großteil des von Serben besetzten kroatischen Territoriums zurückerobert wurde, fortgesetzt worden. In der Stadt Knin wurde der "Tag des Sieges und der heimatlichen Dankbarkeit" mit einer ganztägigen Feier zelebriert.

Wie bereits am Vorabend bei der Militärparade mangelte es nicht an nationaler Symbolik. Als Zeichen des Sieges gegen die aufständische serbische Minderheit vor 20 Jahren wurde an der alten Festung in Knin die kroatische Nationalflagge gehisst. Bei der Zeremonie wurden die Namen der im Laufe der Offensive gefallenen Soldaten vorgelesen, in der Luft demonstrierte die Kunstflugstaffel der kroatischen Luftstreitkräfte ihre Flugkünste. Schon in der Früh waren tausende Tauben aufgestiegen.

Denkmal für Tudjman

Auf der Festung wurde eine überlebensgroße Statue des ersten kroatischen Präsidenten Franjo Tudjman durch die aktuelle Staatspräsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic enthüllt. Die Präsidentin eröffnete außerdem ein Museum, das der entscheidenden Offensive, die zum Ende des Kroatienkrieges (1991-1995) führte, gewidmet ist. Der Gottesdienst in der neuen Kirche, einer der größten im Land, endete mit der kroatischen Nationalhymne, die an diesem Tag mehrmals zu hören war.

An den Feierlichkeiten nahm die gesamte kroatische Staatsspitze teil. Laut Medienberichten kamen zehntausende Besucher, nach anderen Schätzungen waren über 100.000 Menschen bei der Veranstaltung. Die gesamten Feierlichkeiten wurden live im Fernsehen übertragen.

Innenpolitische Spannungen begleitet auch die diesjährige Feier. Regierungschef Zoran Milanovic und Parlamentspräsident Josip Leko legten bereits in der Früh Kränze am Denkmal des kroatischen Sieges nieder, die Präsidentin tat dasselbe alleine am Nachmittag. Das getrennte Protokoll wird als Zeichnen eines angespannten Verhältnisses gedeutet.

Während die Staatspräsidentin vom Publikum begeistert begrüßt wurde, gab es für den Premier laut Medienberichten wieder Pfiffe. Milanovic, der in Knin bereits in den vergangenen Jahren ausgepfiffen wurde, verzichtete dieses Jahr darauf, bei der Feier eine Rede abzuhalten.

Die Spannungen zwischen den kroatischen Politikern, die jedes Jahr den Nationalfeiertag begleiten, hielten sich heuer dennoch im Hintergrund. Wie der Internetportal tportal.hr bemerkte, waren die Präsidentin und der Premier, die bei der Militärparade auf der Ehrentribüne nebeneinander standen, "ungewöhnlich freundlich" zu einander. Ganz ohne Zwist ging es aber nicht. Schon bei den Vorbereitungen gab es Streitigkeiten darüber, wie, wann und wo das Jubiläum zelebriert wird. Schließlich wurde ein Kompromiss über die zweitägige Feier erreicht.

Vorwahlkampf

Das pompöse Gedenken des "glorreichen Sieges", wie die Militäroperation "Oluja" von allen Politikern des Landes bezeichnet wird, findet nur wenige Monate vor den kroatischen Parlamentswahlen statt. Die konservative Oppositionspartei HDZ hat bereits in der Vergangenheit die traditionelle Feier in ihrer Hochburg Knin für politische Zwecke instrumentalisiert. Nun scheint es aber, dass auch der aktuelle sozialdemokratische Regierungschef, der den militärischen Aufmarsch in Zagreb forcierte, patriotische Gefühle der Wähler anzusprechen versucht.

Beendet werden die Feierlichkeiten am Mittwochabend mit einem Konzert des umstrittenen Sängers Marko Perkovic "Thompson". Regelmäßig sind auf seinen Konzerten Symbole des faschistischen Ustascha-Regimes zu sehen, distanziert hat sich Thompson von diesem Publikum nicht. Seit Jahren organisiert Thompson unweit von Knin eine Parallelveranstaltung, im Jubiläumsjahr bekam sein "Konzert der heimatliebenden Musik" einen Platz im offiziellen Protokoll. Mit diesem Konzert werde die Gemeinschaft und Einigkeit des kroatischen Volkes demonstriert, sagte die konservative Bürgermeisterin von Knin, Josipa Rimac, laut Medienberichten.

Die norddalmatische Stadt Knin, die während des Kroatienkrieges als Hauptstadt der selbstproklamierten Serbenrepublik Krajina fungierte, hat eine besondere Bedeutung in der kroatischen Geschichte. Ihre Befreiung am 5. August 1995 im Laufe der Operation "Oluja" (4.-7. August 1995) gilt als Symbol für den Sieg über die aufständische serbische Minderheit und wird als kroatischer Nationalfeiertag gefeiert.

(Schluss) nr/jeg/sm

 

Kroatien zelebriert 20. Jahrestag des Sieges im Bürgerkrieg in Knin
Ein Tag nach der Militärparade in Zagreb - Auch Feier im einstigen Serben-Hochburg von nationalen Gefühlen geprägt
Zagreb (APA) - Nach der großen Militärparade in Zagreb sind am
Mittwoch in Kroatien die Feierlichkeiten zum 20. Jahrestages der
Militäroperation "Sturm" (kroatisch "Oluja"), bei der 1995 der
Großteil des von Serben besetzten kroatischen Territoriums
zurückerobert wurde, fortgesetzt worden. In der Stadt Knin wurde der
"Tag des Sieges und der heimatlichen Dankbarkeit" mit einer
ganztägigen Feier zelebriert.

Wie bereits am Vorabend bei der Militärparade mangelte es nicht
an nationaler Symbolik. Als Zeichen des Sieges gegen die
aufständische serbische Minderheit vor 20 Jahren wurde an der alten
Festung in Knin die kroatische Nationalflagge gehisst. Bei der
Zeremonie wurden die Namen der im Laufe der Offensive gefallenen
Soldaten vorgelesen, in der Luft demonstrierte die Kunstflugstaffel
der kroatischen Luftstreitkräfte ihre Flugkünste. Schon in der Früh
waren tausende Tauben aufgestiegen.

Auf der Festung wurde eine überlebensgroße Statue des ersten
kroatischen Präsidenten Franjo Tudjman durch die aktuelle
Staatspräsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic enthüllt. Die Präsidentin
eröffnete außerdem ein Museum, das der entscheidenden Offensive, die
zum Ende des Kroatienkrieges (1991-1995) führte, gewidmet ist. Der
Gottesdienst in der neuen Kirche, einer der größten im Land, endete
mit der kroatischen Nationalhymne, die an diesem Tag mehrmals zu
hören war.

An den Feierlichkeiten nahm die gesamte kroatische Staatsspitze
teil. Laut Medienberichten kamen zehntausende Besucher, nach anderen
Schätzungen waren über 100.000 Menschen bei der Veranstaltung. Die
gesamten Feierlichkeiten wurden live im Fernsehen übertragen.

Innenpolitische Spannungen begleitet auch die diesjährige Feier.
Regierungschef Zoran Milanovic und Parlamentspräsident Josip Leko
legten bereits in der Früh Kränze am Denkmal des kroatischen Sieges
nieder, die Präsidentin tat dasselbe alleine am Nachmittag. Das
getrennte Protokoll wird als Zeichnen eines angespannten
Verhältnisses gedeutet.

Während die Staatspräsidentin vom Publikum begeistert begrüßt
wurde, gab es für den Premier laut Medienberichten wieder Pfiffe.
Milanovic, der in Knin bereits in den vergangenen Jahren
ausgepfiffen wurde, verzichtete dieses Jahr darauf, bei der Feier
eine Rede abzuhalten.

Die Spannungen zwischen den kroatischen Politikern, die jedes
Jahr den Nationalfeiertag begleiten, hielten sich heuer dennoch im
Hintergrund. Wie der Internetportal tportal.hr bemerkte, waren die
Präsidentin und der Premier, die bei der Militärparade auf der
Ehrentribüne nebeneinander standen, "ungewöhnlich freundlich" zu
einander. Ganz ohne Zwist ging es aber nicht. Schon bei den
Vorbereitungen gab es Streitigkeiten darüber, wie, wann und wo das
Jubiläum zelebriert wird. Schließlich wurde ein Kompromiss über die
zweitägige Feier erreicht.

Das pompöse Gedenken des "glorreichen Sieges", wie die
Militäroperation "Oluja" von allen Politikern des Landes bezeichnet
wird, findet nur wenige Monate vor den kroatischen Parlamentswahlen
statt. Die konservative Oppositionspartei HDZ hat bereits in der
Vergangenheit die traditionelle Feier in ihrer Hochburg Knin für
politische Zwecke instrumentalisiert. Nun scheint es aber, dass auch
der aktuelle sozialdemokratische Regierungschef, der den
militärischen Aufmarsch in Zagreb forcierte, patriotische Gefühle
der Wähler anzusprechen versucht.

Beendet werden die Feierlichkeiten am Mittwochabend mit einem
Konzert des umstrittenen Sängers Marko Perkovic "Thompson".
Regelmäßig sind auf seinen Konzerten Symbole des faschistischen
Ustascha-Regimes zu sehen, distanziert hat sich Thompson von diesem
Publikum nicht. Seit Jahren organisiert Thompson unweit von Knin
eine Parallelveranstaltung, im Jubiläumsjahr bekam sein "Konzert der
heimatliebenden Musik" einen Platz im offiziellen Protokoll. Mit
diesem Konzert werde die Gemeinschaft und Einigkeit des kroatischen
Volkes demonstriert, sagte die konservative Bürgermeisterin von
Knin, Josipa Rimac, laut Medienberichten.

Die norddalmatische Stadt Knin, die während des Kroatienkrieges
als Hauptstadt der selbstproklamierten Serbenrepublik Krajina
fungierte, hat eine besondere Bedeutung in der kroatischen
Geschichte. Ihre Befreiung am 5. August 1995 im Laufe der Operation
"Oluja" (4.-7. August 1995) gilt als Symbol für den Sieg über die
aufständische serbische Minderheit und wird als kroatischer
Nationalfeiertag gefeiert.

(Schluss) nr/jeg/sm