Bei dem Absturz eines Hubschraubers in der Nähe der ukrainischen Hauptstadt Kiew sind mindestens 15 Menschen ums Leben gekommen. Zu den Toten zählen auch Innenminister Denys Monastyrskyj, sein erster Stellvertreter und der Staatssekretär des Ministeriums. An Bord der Maschine des französischen Typs "Super Puma" befanden sich laut offiziellen Angaben neun Menschen, am Boden wurden weitere sechs Personen getötet, darunter drei Kinder. Die Absturzursache ist unklar.

Absturz nahe eines Kindergartens

Der Hubschrauber stürzte den Angaben zufolge in der Früh in der Stadt Browary wenige Kilometer nordöstlich von Kiew nahe eines Kindergartens und eines Wohnhauses ab. "Bei dem Absturz in Browary kam die Führung des Innenministeriums der Ukraine ums Leben. Sie befanden sich im Hubschrauber des staatlichen Rettungsdienstes", sagte Polizeichef Ihor Klymenko. 29 Menschen wurden verletzt, darunter 15 Kinder.

Denys Monastyrskyj, Innenminister der Ukraine
Denys Monastyrskyj, Innenminister der Ukraine © (c) IMAGO/Ukrinform (IMAGO/Pavlo_Bagmut)

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnet den Absturz als eine "schreckliche Tragödie", die "unaussprechlichen Schmerz" auslöse. Die genaue Zahl der Opfer werde ermittelt. "Ich habe den Sicherheitsdienst der Ukraine angewiesen, in Zusammenarbeit mit der Nationalen Polizei der Ukraine und anderen autorisierten Stellen alle Umstände des Geschehens herauszufinden", erklärt Selenskyj. Den Freunden und Familien der Opfer spricht er sein Beileid aus. "In dieser Minute sind drei Kinder gestorben. Der Schmerz ist unbeschreiblich."

Regionalgouverneur Olexij Kuleba schrieb auf Telegram, zum Zeitpunkt der Tragödie hätten sich Kinder und Personal in der Kindertagesstätte befunden. Mehrere verhüllte Leichen lagen in einem Hof in der Nähe der beschädigten Kita. Trümmer lagen über einen Spielplatz verstreut. Rettungskräfte waren vor Ort. Auf Videos in Internet-Plattformen war zuvor ein brennendes Gebäude zu sehen, und man konnte Menschen schreien hören. Von ukrainischer Seite gab es keine Angaben, ob es zu dem Zeitpunkt des Absturzes russische Angriffe in dem Gebiet gab. Russland äußerte sich zunächst nicht zu dem Absturz.

© (c) APA/AFP/SERGEI SUPINSKY (SERGEI SUPINSKY)

Monastyrskyj war von Präsident Selenskyj 2021 zum Innenminister ernannt worden. Er war in diesem Amt für die Polizei und die Innere Sicherheit zuständig und ist der ranghöchste ukrainische Staatsvertreter, der seit Beginn des Krieges ums Leben gekommen ist.

Aus Brüssel kamen umgehend erste Kondolenzen: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach den Familien der Opfer, Selenskyj sowie der gesamten Ukraine ihr tiefes Beileid aus. "Wir trauern mit Ihnen", schrieb die Deutsche auf Twitter. Ähnlich äußerte sich EU-Ratschef Charles Michel. Monastyrskyj sei ein guter Freund der Europäischen Union gewesen. EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola zeigte sich "untröstlich". Ihre Gedanken seien bei den Familien und Angehörigen Monastyrskyjs sowie der anderen Opfer.

Kondolenzen aus Österreich

Das offizielle Österreich kondolierte ebenfalls. "Unser Gedanken und unser tiefes Mitgefühl sind in diesen schweren Stunden bei den Familien der Opfer", twitterte Bundeskanzler Karl Nehammer. Außenminister Alexander Schallenberg (beide ÖVP) zeigte sich auf Twitter "tief betrübt über die Opfer des tragischen Hubschrauberabsturzes in der Nähe eines Kindergartens". "Zutiefst erschüttert von dieser traurigen Nachricht" zeigte sich auch Ewa Ernst-Dziedzic, Außenpolitik-Sprecherin der Grünen.

Laut dem Sprecher der ukrainischen Luftwaffe, Jurij Ihnat, handelte es sich um einen Hubschrauber des Typs Airbus H225, auch genannt "Super Puma". Eine Kommission werde die Ursachen untersuchen. "Das wird nicht nur ein bis zwei Tage dauern, denn die Untersuchung einer Flugkatastrophe braucht eine gewisse Zeit", sagte Ihnat. Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) hatte 2016 gegen den H225 wegen Sicherheitsbedenken ein vorläufiges Flugverbot verhängt. Schon das Vorgänger-Modell AS332 war in mehrere Flugunfälle verwickelt.