Bitte warten - Ihr Zugang wird eingerichtet.

Polizist sah Mitschuld beim OpferAntisemitischer Übergriff auf Kärntner Studentin in Wiener U-Bahn

Kärntner Judaistik-Studentin wurde in Wiener U3 von Männern an Haaren gezogen und beschimpft. Als sich die Betroffene an Polizisten wendet, sollen diese in ihrer Buch-Lektüre eine Provokation gesehen haben.

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
In der Wiener U3 ereignete sich der Vorfall © Wiener Linien / Helmer (Manfred Helmer)
 

Polizisten sollen einen antisemitischen Vorfall in Wien ignoriert und dem Opfer die Mitschuld an dem Vorfall gegeben haben.

Eine Studentin aus Kärnten war nach eigenen Angaben in der U-Bahn-Linie U3 von Männern attackiert worden. Als sie nach dem Verlassen des Verkehrsmittel den Übergriff meldete, sollen die Beamten von einer "Provokation" gesprochen und gemeint haben, es handle sich gar nicht um Antisemitismus, da sie keine Jüdin sei. Das Innenministerium leitete Untersuchungen ein.

Ereignet hat sich der Fall vor knapp zwei Wochen. Die Studentin sei am Vormittag in der U-Bahn gesessen und habe das Buch "The Jews in the Modern World" gelesen, als drei Männer aufgestanden seien, schilderte sie gegenüber dem Ö1-"Morgenjournal". Einer habe sie bei den Haaren gezogen und sie als "Judenschlampe" und "Kindsmörderin" beschimpft. Nachdem sie sich befreien konnte, sei sie schließlich in der Station Stephansplatz ausgestiegen.

Polizist fragte, warum sie so ein Buch lesen muss

Hilfe erhoffte sich die junge Frau von Polizisten, die sie auf der Kärntner Straße ansprach. Es sei jedoch die Frage gekommen, "warum ich so ein Buch in dieser Konfliktsituation lesen muss", berichtete die Frau. Auch sei die Frage gestellt worden, ob die Studentin selbst Jüdin sei. Ansonsten könne man nicht wirklich von Antisemitismus sprechen. Auf einer Polizeiwache werde sie außerdem das selbe hören, habe man der Studentin gesagt. Sie solle den Vorfall also "am besten vergessen".

Die Frau hat auch wenige Tage nach dem Vorfall bei den Wiener Linien nach möglichen Aufzeichnungen des Vorfalls gefragt. Allerdings erfolglos, da das Videomaterial nur 72 Stunden gespeichert wird. Im Innenministerium und der Landespolizeidirektion Wien hieß es, dass man derartige Beschwerden sehr ernst nehme. Das Stadtpolizeikommando sei umgehend beauftragt worden, den Fall zu untersuchen. Alle in Frage kommenden Beamten seien kontaktiert worden.

Erst vor einer Woche hat Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) eine Initiative angekündigt, mit der Polizistinnen und Polizisten
verstärkt auf Antisemitismus sensibilisiert werden sollen. Dafür hat der Bildungsexperte Daniel Landau ein neues Ausbildungsmodul erarbeitet, das acht Stunden umfasst und ab Herbst starten soll. Es gehe um ein "Rüstzeug", um Antisemitismus rechtzeitig zu erkennen, meinte Nehammer.

Kommentare (7)
Kommentieren
Sam125
2
27
Lesenswert?

Polizei sah Mitschuld beim Opfer? Ja sind wir jetzt schon soweit,dass sich man

nichteinmal mehr Bücher ( Welche auch immer!) in der Öffentlichkeit lesen darf, weil sich antisemitisch,rassisistische Typen auf einen stürzen könnten? Und dann sollen uns einmal die jenigen Antworten und Rede stellen die gerade solche Typen bei uns im Land haben wollen,die nachweislich Juden,Christen und auch alle anderen Ungläubigen,am liebsten zu Teufel wünschen würden!? Ich verstehe diese Politiker und ihre Parteien einfach nicht mehr!Bitte diese Parteien NICHT mehr wählen!! Wenn Tolerante sich gegen Intolerante nicht zur Wehr setzen, so wird die tolerante Gesellschaft zerstört und mit ihr stirbt auch die TOLERANZ!Und noch was,da wurde auch von den Polizisten das Opfer zur Täterin gemacht! Es ist einfach unglaublich!

X22
2
3
Lesenswert?

Gut erkannt, dass es sich um zwei Fälle handelt

Unverständlich ist die Reaktion der Polizisten, nicht nur, dass sie die antisemitischen Beschimpfung nicht zur Kenntnis nehmen sondern auch die körperliche Attacke herunterspielen.
Was mich jedoch stört ist wie immer ihre pauschale Verallgemeinerung und die Schleimspur die sie hinterlassen.
Keiner bzw. keine Organisation die Menschen helfen, wollen damit Verbrecher, Antisemiten, Terroristen usw. fördern bzw. stellen Kriterien für Menschen auf, denen sie helfen (sie fordern ja eine Stellungsnahme), also warum werfen sie es den Leuten vor? Verurteilen nicht gerde diese Menschen genau diese Einstellungen, tretten diese Menschen als erste gegen diese Handlungen auf, egal ob diese Verbrecher Inländer oder Ausländer, Christen oder Muslime sind.
"Wenn Tolerante sich gegen Intolerante nicht zur Wehr setzen, so wird die tolerante Gesellschaft zerstört und mit ihr stirbt auch die TOLERANZ!"
verstehen sie den Inhalt dieser Aussage?

hbratschi
1
2
Lesenswert?

x22,...

...wenn ich dich richtig interpretiere, bist du dafür, die intoleraz zu tolerieren? in diesem speziellen fall führte die intoleranz sogar zu tätlichkeiten. was meiner meinung nach absolut tabu sein muss. aber möglicherweise siehst du das anders, was ich aber nicht glauben kann/ will, denn die meisten deiner (anderen) kommentare lassen eigentlich nicht darauf schließen...

X22
0
1
Lesenswert?

Nein mir gehts um die Unterstellung und die versteckte Botschaft die hier nieder geschrieben wurde, die nach meiner Auffassung eine klare Richtung zeigt, dies ist für mich genauso über der roten Linie, wie die Aktion in der U-Bahn

"Und dann sollen uns einmal die jenigen Antworten und Rede stellen die gerade solche Typen bei uns im Land haben wollen,die nachweislich Juden,Christen und auch alle anderen Ungläubigen,am liebsten zu Teufel wünschen würden!? Ich verstehe diese Politiker und ihre Parteien einfach nicht mehr!Bitte diese Parteien NICHT mehr wählen!!"

hbratschi
0
0
Lesenswert?

ich bin auch gegen alles...

...das braun ist. egal ob sich das jetzt blau, türkis oder wie auch immer einfärbt. aber das darf nicht soweit gehen, dass ich mir aus einem kommentar nur diesen teil rauspicke und dadurch (möglicherweise unbewusst und ungewollt) die radikalinskis verharmlose...

hbratschi
2
32
Lesenswert?

ich bin zufällig...

...am grazer hauptplatz in die "anti israel" demo geraten. die pro araber durften ungehindert den erzherzog johann brunnen "erklimmen", ihre fahnen schwenken und parolen brüllen. das war hetze pur und schon beeindruckend (aber im negativsten sinn), was bei uns möglich und erlaubt ist. demokratie ist okay, meinungsfreiheit und demonstrationsrecht auch. aber diese hasserfüllte aufwiegelei war dann doch ein bisschen heftig. auch waren auffallend viele junge bis sehr junge menschen (hauptsächlich buben) darunter. ich möchte mir gar nicht vorstellen, wenn ich lehrer wäre, diese in meiner klasse zu haben. diese jugendlichen werden dermaßen radikalisiert, dass ich der meinung bin, dass es ein fehler ist, sowas zuzulassen und dabei tatenlos zuzusehen. so "züchten" wir uns wirklich eine parallelgesellschaft, die zunehmend problematisch werden wird...

schandopr
4
31
Lesenswert?

Antisemitismus

Die Frage der Polizei, warum die Dame so ein Buch liest, ist wohl eindeutig antisemitisch und zusätzlich frauenfeindlich. Eindeutig ist erkennbar, dass nur die Politiker großartig dieses Thema hinausposaunt haben, eindeutig Populismus, denn mit den richtigen Adressaten wurde nicht geredet, bzw. die richtige Weisung erteilt. Oder kann man/frau von der Polizei keinen Menschenverstand erwarten, auch wenn das natürlich beleidigend klingt und ich mich deshalb prophylaktisch entschuldigen möchte. Dieses Thema ist anscheinend noch lange nicht abgehakt, und wird nicht nur an Stammtischen, Fußballplätzen problematisch. Auch auf der Straße, in den Öffentlichen und in den Sozial Medien und in den Köpfen der Österreicher spukt solches immer noch herum. Ich bin für Gegenbeweise sehr dankbar.