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May-NachfolgeJohnson behauptet Führung bei neuer Wahlrunde

Zweite Abstimmung über Parteichef.

BRITAIN-POLITICS-EU-BREXIT
© APA/AFP/BEN STANSALL
 

Auch nach der zweiten Abstimmungsrunde hat der Favorit Boris Johnson die Führung unter den Kandidaten zur Nachfolge der britischen Premierministerin Theresa May behauptet. Der frühere Außenminister erhielt Dienstagabend 126 der 313 Stimmen aus der Tory-Fraktion.

Ebenfalls eine Runde weiter sind Außenminister Jeremy Hunt, Umweltminister Michael Gove, Innenminister Sajid Javid sowie Überraschungskandidat Rory Stewart. Ex-Brexit-Minister Dominic Raab verfehlte dagegen die Hürde von 33 Stimmen.

TV-Debatte am Abend

Johnson muss sich nun am Abend in einer TV-Debatte im BBC-Fernsehen den anderen Kandidaten stellen. Bisher hatte sich der für seine verbalen Fehltritte berüchtigte Johnson auffällig zurückgehalten. Er gilt jedoch als kaum noch zu schlagen. Gefährlich werden könnte ihm Spekulationen zufolge allenfalls noch Stewart, der sich als Stimme der Vernunft und Kandidat der Mitte positioniert hat.

Die Kandidaten im Rennen um das Amt des britischen Premiers

  • Boris Johnson: Der Ex-Außenminister ist der haushohe Favorit. In der konservativen Fraktion galt er zwar lange als wenig populär, doch inzwischen liegt er mit 126 von 313 Stimmen aus der zweiten Wahlrunde mit erheblichem Abstand vor allen seinen Widersachern. In der Gunst der Parteibasis, die am Ende bei einer Stichwahl über den nächsten Parteichef und Premierminister entscheiden soll, ist Johnson ohnehin mit großem Abstand Spitzenreiter.
  • Jeremy Hunt: Der amtierende Außenminister (46 Stimmen) hatte beim Brexit-Referendum vor drei Jahren gegen den EU-Austritt gestimmt, kurze Zeit später aber eine Wandlung zum Brexit-Befürworter vollzogen. Viele glauben, dass er sich damit schon in Position bringen wollte für die May-Nachfolge. Als Außenminister gelang es ihm, die europäischen Verbündeten mit ähnlich provokativen Äußerungen gegen sich aufzubringen wie sein Vorgänger Boris Johnson. Bei einer Parteitagsrede verglich er die EU mit der Sowjetunion. Vor allem aus den osteuropäischen Mitgliedsstaaten handelte er sich damit wütende Reaktionen ein. Insgesamt gilt er aber als moderat und möglicher Kompromisskandidat - doch das ist auch seine größte Schwäche: Ähnliche Voraussetzungen hatte nämlich die gescheiterte Theresa May. Hunt wird daher zuweilen als "Theresa in Hosen" verspottet.

  • Michael Gove: Der Umweltminister (41 Stimmen) gilt als bestens vernetzt, nicht nur im britischen Parlament, sondern auch bei den Mächtigen in der Welt der Medien. Als er nach einem gescheiterten Versuch, Premierminister zu werden, kurzzeitig auf den hinteren Bänken im Parlament Platz nehmen musste, verdingte er sich nebenberuflich als Journalist. Im Auftrag des Rupert-Murdoch-Blatts "Times" interviewte er den damals designierten US-Präsidenten Donald Trump - der sich später aber nicht mehr an ihn erinnern wollte. Neben Johnson gehörte er zu den Gesichtern der Brexit-Kampagne. Trotzdem gilt er als moderat. Er schließt eine weitere Brexit-Verschiebung nicht aus. Gove ist zwar ein begnadeter Redner, aber er hat den Ruf, sein Fähnchen nach dem Wind zu hängen.

  • Rory Stewart: Der erst vor wenigen Wochen ins Kabinett berufene Entwicklungshilfeminister (37 Stimmen) ist der Überraschungskandidat im Rennen um die May-Nachfolge. Schon als er die erste Runde überstand, galt das als kleines Wunder. Stewart will als einziger der Bewerber das Brexit-Abkommen nicht noch einmal nachverhandeln. Auch einen Brexit ohne Abkommen lehnt er als einziger entschieden ab. Stattdessen plädiert er dafür, eine Bürgerversammlung mit der Ausarbeitung von Kompromissvorschlägen zu beauftragen, um den drei Mal gescheiterten Deal doch noch durchs Parlament zu bekommen.

  • Sajid Javid: Auch der Innenminister (33 Stimmen) wechselte erst nach dem Referendum über den EU-Austritt auf die Seite der Brexit-Anhänger. Als Sohn eines pakistanischstämmigen Busfahrers verkörpert er den Traum vom sozialen Aufstieg in einer weiterhin stark durch Klassendenken geprägten Gesellschaft. In der Debatte um die Rückkehr einer in Großbritannien aufgewachsenen IS-Frau, die mit ihrem Neugeborenen in einem syrischen Flüchtlingslager feststeckte, zeigte er sich hart und entzog ihr die Staatsbürgerschaft. Als das Baby starb, wurde Javid teils scharf kritisiert.

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