Experten-Diskussion"Ein Hartz IV für Österreich wäre ein großer Fehler"

Claudia Gigler diskutierte live mit ihren Gästen Karl-Heinz Snobe (AMS), Rolf Gleißner (Wirtschaftskammer) und betroffenen Arbeitslosen über die Auswirkungen der Regierungspläne.

Screenshot der Live-Diskussion bei kleine.tv
Screenshot der Live-Diskussion bei kleine.tv © Screenshot
 

Wie gehen Betroffene mit ihrer Langzeitarbeitslosigkeit um? Wieso kam die Notstandshilfe in Misskredit? Was bedeutet Hartz IV und wer muss sich davor fürchten? Was hätte die Aktion 20.000 gebracht und was sind die Alternativen?

Claudia Gigler diskutierte live auf www.kleinezeitung.at mit ihren Gästen über die Auswirkungen der Regierungspläne.

Zu Gast waren der Leiter des steirischen AMS, Karl-Heinz Snobe, Rolf Gleißner von der Abteilung Sozialpolitik in der Wirtschaftskammer Österreich und betroffene Arbeitslose.

Hier gibt's die Diskiussion zum Nachsehen:

 

Diskutiert wurde unter anderem darüber, wie viele Arbeitssuchende bewusst nicht eine Vermittlung durch das AMS anstreben um Sozialleistungen zu bekommen. "Wenn sich jemand mit dem System arrangiert hat, ist das nicht schwer", behauptet Gleißner. Er wolle niemand Böswilligkeit vorwerfen, doch "solche Fälle gibt es". Das AMS in der Steiermark sei in dieser Hinsicht besonders milde.

"Konsequent vorgehen"

Karl-Heinz Snobe entgegnete: Erste Intention des AMS sei, einem Betrieb die idealen Personen zu vermitteln und nicht die falschen. Das führe zu dem Eindruck, dass "wir zu milde gegenüber Arbeitslosen sind". Es gebe jedoch Menschen, die lieber von den Transferleistungen leben wollen, weil sie in einem Beschäftigungsverhältnis Teile des Lohns abgeben müssen - etwa für Pfändungen. "Da muss man konsequent vorgehen", so Snobe.

Herr Hiebaum, ein 55-jähriger Langzeitarbeitsloser, erzählte im Studio, dass es ihm nicht nur um finanzielle Unterstützung geht. "Die eigene Wertschätzung geht in den Boden, das ist ein Prozess, der einen nach unten zieht. Und das spürt auch das Gegenüber beim Bewerbungsgespräch." Der Arbeitslose müsse wieder seine Wertigkeit bekommen, dass sei mehr Hilfe als alle soziale Förderungen.

Snobe warnte davor, die Fehler des deutschen Modells ("Hartz IV") nach Österreich zu bringen. Schon gar nicht dürfe es getrennte Systeme geben, in dem Arbeitslose von einer Einrichtung in die andere übergeben werden. Mit einem degressiven Arbeitslosengeld hat der AMS-Steiermark-Chef jedoch "kein Problem".

 

Kommentare (22)

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Bertl1970
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Arbeitslose

Gerade das AMS kann maximal Büroberufe und Arbeiter vermitteln,bei Menschen mit abgeschlossenem Studium gibt es a)kaum Personal beim AMS und b) natürlich ist auch das Stellenangebot nicht bis fast nicht vorhanden. Es wird dann über Stiftungen mit teilweise schlecht ausgebildetem Personal der Eindruck erweckt,man tut ohnehin etwas für Akademiker. Man bekommt dann zusätzlich zum Akademikertitel eine Urkunde über die Ausbildungszeit,hat aber damit noch immer keinen Job.Traurig....

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wjs13
7
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Wenn sich ein Akademiker beim AMS um einen Job anstellt,

dann muss er sich zuerst einmal fragen ob er nicht doch was falsches, am Markt vorbei, studiert hat. Nach 100.000 Soziologen wird es für den 100.001. vielleicht keinen Job mehr geben. Mein Mitleid hält sich in Grenzen.

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AktiveArbeitsloseKtn
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Weltfremd ist Ihre Sichtweise

Es ist leider so, dass es schon viele Akademiker gibt, die nicht am Markt vorbeistudiert haben. Nicht alle sind Soziologen, Psychologen. Es gibt auch Absolventen aus der BWL, aus philologischen Studienrichtungen (diverse Sprachen) und auch aus den Kommunikations- und Medienwissenschaften, die keinen Job mehr finden. Die Digitalisierung macht diesen Absolventen vor allem zu schaffen.
Und selbst Techniker sind nicht mehr vor Arbeitslosigkeit gefeit. So gibt es auch Personen, die HTL-Maschinenbau-Ingenieure sind, mit 50 vom Unternehmen gekündigt wurden und seit der Kündigung vor mehr als sechs Jahren nichts mehr finden bzw. gefunden haben. Auch (HTL-)Absolventen der Grafik- und Mediendesign finden nicht mehr so schnell oder gar keinen Job mehr.
Ihr Mitleid mag sich in Grenzen halten, ich bemitleide Sie ob Ihrer weltfremden Sichtweise und Ignoranz.

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wjs13
7
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Tatsache ist

dass seit Hartz IV die deutschen Langzeitarbeitslosen ständig weniger wurden und dass 2017 erstmals deren Prozentsatz an Gesamtarbeitslosen in Österreich höher als in Deutschland war.

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sg70
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Das stimmt sogar,dass in Deutschland noch nie so viele Leute Arbeit hatten wie jetzt.

Was aber auch stimmt ist, dass noch nie so viele Leute von der Arbeit die sie haben nicht leben können.
2,53 Millionen sind offiziell als arbeitslos gemeldet. 1 Million Menschen werden nicht als arbeitslos gezählt, weil sie in Umschulungen geparkt sind, früher mal wurden die mitgezählt in der Arbeitslosenstatistik, heute sind sie outgesourced. Wenn einer arbeitslos ist und krank wird, fällt der raus aus der Arbeitslosenstatistik, weil er dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung steht, das schönt also auch noch mal die Arbeitslosenzahlen.

1 Million Deutsche arbeiten mittlerweile als Leiharbeiter für 2/3 dessen, was ihnen eigentlich als Lohn zustehen würde, dann gibts noch die sogenannten Aufstocker, d.h. wer 2 Stunden am Tag Arbeit hat gilt auch nicht als arbeitslos, der erhält ein wenig Taschengeld, das dann auf HartzIV-Niveau aufgestockt wird. Das sind in etwa 1,5 Millionen Menschen.
Und dann gibts noch ca. 6 Millionen Menschen mit normalen Jobs, die aber brutto weniger als 10.000 Euro verdienen, davon zahlen die noch Sozialversicherung und Pensionsbeiträge, kommen also auch nicht höher rauf als auf HartzIV Niveau.

Alles in allem leben also 25% der erwerbsfähigen Menschen in Deutschland ein Leben ohne Perspektive und in Armut. Und seit Einführung von HartzIV verschlimmert sich das zusehends, weil der Niedriglohnsektor enorm gepusht wird. Im Endeffekt gehts also zwar der Wirtschaft gut, aber den Menschen nicht, weil immer mehr davon verarmen.

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aktivearbeitslose
2
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Und wo sind die Unternehmer zum anschauen

die irgendwelche aus den Fingern gesogene Schauergeschichten verbreiten. Das sind ja meist sehr seltsame Kleinunternehmer die grundlegende Prinzipien der Personalsuche und Personalführung nicht kennen ...

Dieses Setting ist so was von EINSEITIG

Die Wirtschaftskammer ist ja auch der größte Inserent bei der Kleinen Zeitung aus dem öffentlichen Bereich. Die AK inseriert gar nicht ...

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DaKritker
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Hier die Gretchenfrage an Alle?

400.000 Arbeitslose
6.000 offene Jobs
Eine Diskussion für die Fisch!

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DaKritker
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Fragen sie hern Snobe?

Wie viele Großfirmen in Graz nur mehr mit geringfügigen Mitarbeiter arbeiten. Mit mehr als 50 MA?

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aktivearbeitslose
4
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Unglaublich

was für sozialrassistische Stereotypen der gut bezahlte Wirtschaftskammerfunktionär von sich gibt! Hat der jemals selbst in der Privatwirtschaft gearbeitet? Von Mitarbeiterführung hat der sicher keine Ahnung. Seriöse Unternehmer begeben sich nicht auf so ein niedriges Niveau!

Was ist mit der ALTERSDISKRIMINIERUNG? Wo bleiben da die EXISTENZ bedrohenden Sanktionen für UNTERNEHMEN?

Diese Täter-Opfer-Umkehr ist einfach unglaublich!

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aktivearbeitslose
4
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In Bezug auf ALTERSDISKRIMINIERUNG

ist eindeutig der Staat viel zu Milde!

Für Unternehmer gibt es nur Förderungen auf Kosten von uns ArbeitnehmerInnen und keinerlei Verpflichtungen für uns Menschen gibt es nur die Sanktionenpeitsche und KEINE Rechte!

Wo bleibt da die FREIE MARKTWIRTSCHAFT wo sich Angebot und Nachfrage auf GLEICHER EBENE treffen?

Wenn auf eine offene Stelle trotz angeblicher Konjunktur immer noch 8 Lohnarbeit Suchende kommen, wie soll das funktionieren? Was soll einseitiger Druck auf Arbeit Suchende bewirken? Die zitierte wifo-Studie sagt klar, dass die Existenz Bedrohung durch Sanktionen zu keiner schnelleren Vermittlung in Jobs führt!

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aktivearbeitslose
8
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Demokratiepolitische Nachhilfe

Das MENSCHENRECHT auf FREI gewählte Arbeit ist eine Grundlage der Demokratie und soll auch sicher stellen, dass Unternehmen die passenden, motivierten Mitarbeiter finden und jeder Mensch seine Fähigkeit gut einsetzen kann!

Der Druck auf Erwerbsarbeitslose ist ein Angriff auf ALLE ArbeitnehmerInnen, die so immer schlechtere Arbeitsbedingungen hinnehmen sollen!

* UN Allgemeine Menschenrechtserklärung 1948, Artikel 23 [BGBl 1956/120]

* Internationaler Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte („WSK-Pakt“), Artikel 6 [BGBl 590/1978]

* Europäische Sozialcharta [BGBl 1969/460]

* Europäische Grundrechtecharta, Artikel 14
[Amtsblatt der EU Nr. C 130]

* ILO Konvention 122 [BGBl 1972/355], ILO 39, ILO 105

* Internationaler Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte („WSK-Pakt“), Artikel 6 [BGBl 590/1978]

* Europäische Sozialcharta [BGBl 1969/460]

* Europäische Grundrechtecharta, Artikel 14
[Amtsblatt der EU Nr. C 130]

* ILO Konvention 122 [BGBl 1972/355]

Wo bleiben die Sanktionen für die REGIERUNG für ihre Arbeitsunwilligkeit?

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aktivearbeitslose
3
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Wir ArbeiterInnen sind die Mehrheit

und sollten unsere Rechte nicht von selbstgefälligen Unternehmervertretern absprechen lassen! Es geht letztlich um die Rechte ALLER Menschen, die laut Allgemeiner Menschenrechtserklärung "gleich an Rechten und Würde" geboren sind. Nur im gleichberechtigten Miteinander ALLER ist echte Demokratie möglich und kann die Zerstörung unseres einzigen Planeten durch eine "entfesselte Wirtschaft" noch verhindert werden!

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DaKritker
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Hey Alter? Wo waren die Schwarzen die letzten 40 Jahren?

Die haben an diesem gesamten Sozialmist eifrig mitgewirkt!

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lustamtag
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notstand?

jetzt macht sich die spö sorgen um diese "notstandsfälle"?
zeit hätte sie genug gehabt (jahrzentelang den Bundeskanzler gestellt) sich um diese zu kümmern, in dieser zeit ist es erst zu den vielen Armen gekommen...dank Sozialpolitik der roten.....

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Aurelia22
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Die Notstandshilfe kam..

erst unter der neuen Regierung in Mißkredit. Sie hetzen so schon lange genug. Arbeitslos zu sein bedeutet Ausgrenzung von der Gesellschaft. Arm zu sein, sich wertlos fühlen, kein Selbstwertgefühl. Sich schämen unter Menschen zu gehen. Dank der neuen Regierung sind Arbeitslose ja Durchschummler und faule Hunde.

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mr0zl7fqkf08xn0uyeldmydao1vw74o2
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Sollen die doch hetzen!

Arbeitslos zu sein bedeutet keine Ausgrenzung aus der Gesellschaft – warum auch? Arme habe ich zwei, wertlos fühle ich mich auch nicht, immerhin habe ich schon etliches gleistet in meinem Leben, und mein Selbstwertgefühl lasse ich mir auch nicht durch irgendwelche, spätpubertären Möchtegerne nehmen. Und für was soll ich mich schämen, habe doch nichts verbrochen.

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aktivearbeitslose
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Super!

Schön wäre es wenn alle Menschen so denken. Leider lassen sich noch viel zu viele von den Oberen knicken obwohl wir, die einfachen Menschen, die Mehrheit sind ...

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Zeitgenosse
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Dass das Wort

Notstand verschwindet ist gut, niemand sollte sich in diesem im Notstand befinden.

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AloisiaBassa
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Sie sprechen offensichtlich aus

Erfahrung. Daher haben sie - für sich gesehen recht.
Es gibt aber leider auch viele Arbeitslose in unserem Land, welche gar nicht arbeiten wollen.

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X22
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ca. 1,5% der Arbeitslosen, das hält sich in Grenzen denke ich,

das wären ca. 5000 in Österreich, das sind 0,001% aller Erwerbstätigen in Österreich

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aktivearbeitslose
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18 MILLIARDEN für die Hypo Alpe Adria

ist natürlich nicht so viel, auch die Arbeitsunwilligkeit beim Aufdecken solcher und anderer Skandal (Grasser!) führen seltsamerweise selten zu Sanktionen ....

Stockholm Synstorm? Identifikation mit dem Aggressor ...

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aktivearbeitslose
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Unter 500.000 Lohnarbeitslosen

sind natürlich auch schon furchtbar 1000 "viele" ???

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