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SP-Urgestein Josef Cap wird 60

Pepi, wos is aus dir wordn?

Dieses Schmählied, "Pepi", widmete Sigi Maron Josef Cap 1986. Am Mittwoch wird der SPÖ-Klubobmann 60 Jahre alt. Die Linken taten ihm immer Unrecht: Cap verkörperte stets perfekt die SPÖ der jeweiligen Zeit.

© ORF / Pressestunde
 

Reden war immer sein größtes Talent. "Stimmt es, Genosse, dass dein Einkommen um so vieles größer ist als das des Bundeskanzlers? Stimmt es, dass du trotzdem verbilligten Strom beziehst? Stimmt es, dass du gerne mit Pistolen schießt? Diese drei Fragen stellte Josef Cap 1982, damals 30 Jahre alt und Vorsitzender der Sozialistischen Jugend, vor den versammelten roten Funktionären dem burgenländischen Landeshauptmann Theodor Kery.

Ein Jahr später wählten André Heller, Peter Turrini, Georg Danzer und mehr als 62.000 weitere Linke Cap mit ihrer Vorzugsstimme in den Nationalrat.

Wieder drei Jahre später schrieben die linken Liedermacher Sigi Maron und Fritz Nussböck ein Schmählied über ihn:
"Pepi, kaunst du di heut no in Spiagl schaun? /
Dein Gsicht host du längst schon verlorn,/
wos bliebn is kaunst a boid in Kübl haun. /
Pepi, wos is aus dir wordn?"

Was ist da passiert? Wie konnte sich Cap in so kurzer Zeit so stark verändern? Hat er gar nicht, erzählen Weggefährten. "Er war nie ein Revoluzzer", sagt Peter Pilz. Der grüne Abgeordnete kennt Cap aus ihrer Zeit bei den sozialistischen Studenten, "verschwendete" 1983 noch seine Vorzugsstimme an diesen. Sich als Links zu deklarieren, das war in den Siebzigern auf der Uni nichts Besonderes, auch nicht für einen ehemaligen Klosterschüler aus Wien-Hernals wie Cap. "Er hat sich damals schon mehr für die Mittel und Wege, ein politisches Ziel zu erreichen, interessiert als für die Ziele selbst", erzählt Pilz: "Sein Anliegen war und ist die Politik an sich."

Vor vier Jahren schrieb das "Profil" über den SPÖ-Klubobmann Cap: "Nach 25 Jahren im Hohen Haus ist noch immer unklar, wofür der geschickte Taktiker eigentlich steht."

Am 4. Jänner begeht der homo politicus seinen 60. Geburtstag.

Die Häme der Linken war ebenso unverdient wie deren Verehrung zuvor: Cap verkörperte stets nur die österreichische Sozialdemokratie seiner Zeit. Alfred Gusenbauer, erst Caps Nachfolger bei den Jusos, später dessen Parteichef, sagt: "Er hat die intellektuellen und psychischen Voraussetzungen dafür, sich den Gegebenheiten anzupassen. Damit ist er einer der letzten Vertreter jener Spezies, die es schaffen konnten, von der Uni bis zur Pension Politiker zu bleiben." Pilz drückt es so aus: "Cap war immer alles andere als ein solcher. Aber ging es um die Ochsentour, hätte er sich sogar als Ochs verkleidet."

Scheinbar revoltierend

In den Siebzigern protestiert Cap wie alle Jusos gegen Atomkraft und damit auch gegen den roten Bundeskanzler und allmächtigen Sonnenkönig Bruno Kreisky - der die innerparteiliche Opposition freilich zu nutzen weiß. Bis heute hält sich hartnäckig das Gerücht, Kreisky persönlich habe Cap damals dazu angestiftet, seinen Widersacher Kery der Korruption zu bezichtigen.

Nachdem er es ins Parlament geschafft hat, hört man von Cap abgesehen von wirklich ausgezeichnten Reden lange nichts. Die Grünen interessieren ihn zwar als politisches Projekt, auf die Idee, sich ihnen anzuschließen, kommt er nicht - besser man ist eine kleine Nummer in einer großen Partei als eine große in einer kleinen.

Ende der Achtziger sitzt der Pragmatiker Franz Vranitzky der SPÖ vor und bestellt Cap zum Zentralsekretär. Sieben Jahre lang verteidigt der Mascherlträger wortreich und findig die bereits müde, festgefahrene Große Koalition. Bis er eines Tages aus der Zeitung erfährt, dass er die längste Zeit Bundesgeschäftsführer gewesen ist, wie sein Job nun, Mitte der Neunziger, heißt.

Ehrlich resigniert

Die ehemalige Zukunftshoffnung leitet die "Zukunftswerkstätte", einen Keller in Wien, in dem die SPÖ diskutieren lässt. Zu Zeiten eines SPÖ-Chefs namens Viktor Klima lockt das nur Wenige an. Cap frequentiert den Nobelitaliener am Ende der Gasse und kultiviert seinen Zynismus.

4. Februar 2000, die Wende zu Schwarz-Blau. Die SPÖ, plötzlich in Opposition, braucht einen Angreifer. Der amtierende Parteichef Alfred Gusenbauer macht seinen alten Freund Cap zum Klubobmann. 2007 wird Gusenbauer Kanzler, Cap bleibt im Parlament. 2008 übernimmt Werner Faymann, Cap bleibt. Er hat sich als guter Verhandler erwiesen; die Grünen schätzen seine Pakttreue; sogar zur FPÖ konnte er eine Gesprächsbasis aufbauen; die roten Abgeordneten fühlen sich von ihm gut betreut. Und Außerdem, ätzt ein Parteifreund, habe Cap seinem geheimen Vorbild Heinz Fischer nachgeeifert: "Immer dabei, aber nie nah am Geschehen und nur ja keine Meinung vertreten."

Dementsprechend sei Caps Traumjob der des Nationalratspräsidenten. Vielleicht wird der Marathonläufer ja auch noch dieses Ziel erreichen.

Längst angekommen

Kommt was Besseres nach? Die jungen Roten von heute sind bereits vor ihrem 30. Geburtstag im Establishment angekommen, oder, wie die Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek zornig schreibt, "Omas und Opas noch bevor sie erwachsen sind".

Niki Kowall ist anders. Vergangenen Frühling brachte er mit einer leidenschaftlichen Rede einen Parteitag der Wiener SPÖ zum kippen. Gegen den Willen von Bürgermeister Michael Häupl setzte der 29-Jährige das Verbot von Glücksspielautomaten in der Bundeshauptstadt durch.

Wird Kowall die SPÖ verändern? Oder ist er der neue Cap, wie manche in der Partei meinen? Diesen Vergleich will Kowall nicht einmal kommentieren. "Wir wollen keine Funktionen", sagt er über sich und seine Freunde von der "Sektion 8": "Wir wollen genug Gewicht erreichen, um die SPÖ von unten zu verändern. Es geht nicht um Personen, es geht um Inhalte."

Ähnliches soll Josef Cap seinerzeit auch gesagt haben.

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