Nach dem vereitelten Protest beim Neujahrskonzert der Wiener Philarmhoniker kündigt die "Letzte Generation" nun weitere Störaktionen in Wien an. Die Klimaaktivistinnen und -aktivisten planen für kommende Woche eine ganze Welle  an Aktionen in Wien. Dabei setzen sie vor allem wieder auf das Festkleben auf viel befahrenen Straßen, um den Verkehr möglichst lahm zu legen, wie ein Sprecher der APA mitteilte. Die Proteste sollen jeden Tag stattfinden, auch Demonstranten von den Gruppen aus Graz, Linz und Innsbruck sollen anreisen.

Laut dem Sprecher umfasst die "Letzte Generation" in Wien inzwischen rund 30 Personen. Weitere 100 beteiligten sich an einzelnen Aktionen oder planen dies zu machen.

Die Aktivistinnen und Aktivisten kleben sich seit rund einem Jahr vor allem in Wien, aber auch in Graz, Linz und Innsbruck auf Fahrbahnen fest. Aktionen gab es etwa am Gürtel, am Ring und am Praterstern. Dabei kam es auch zu Zwischenfällen: Am 24. Oktober 2022 attackierte ein Mann aus den Reihen der blockierten Autos etwa eine Teilnehmerin, riss ihr ein Transparent aus der Hand und schlug ihr mit diesem ins Gesicht. Auch eine Attacke auf ein Kunstwerk gab es in Österreich bereits. Im November wurde das mit Glas geschützte berühmte Gemälde "Tod und Leben" von Gustav Klimt im Wiener Leopold Museum mit Öl beschüttet. Einer der Aktivisten klebte sich auch mit der Hand an das Schutzglas. Ein Störversuch beim Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker wurde indes von der Polizei verhindert.

Bezahlt von Spendern

Einen tieferen Einblick in die Organisationsstruktur der "Letzten Generation" in Deutschland liefern Recherchen der "Welt". Demnach handle es sich bei den Aktivisten nicht wie vielfach angenommen um einen bunten Haufen von Idealisten. "Das ist durchorganisiert und durchprofessionallisiert", sagt Alexander Dinger vom Investigativteam der "Welt". Die Gruppe verfüge durch einige Großspender und vielen kleineren Einzelspendern über hohe Summen, mit denen Demonstranten sogar mittels Verträgen angestellt werden. "Sie bieten den Aktivisten an, das Vollzeit zu tun und damit ihren Lebensunterhalt zu finanzieren", so Dinger. Auch eine Teilzeitbeschäftigung als "Klimakleber" sei möglich.

Was die Angelegenheit brisant macht: Mit den Spenden bzw. der Bezahlung der Aktivisten könnten auch Straftaten finanziert worden sein. Denn die Störung des Luftverkehrs durch das Eindringen auf das Flugfeld ist ein schwerwiegendes Vergehen.

Sachbeschädigung und mehr

Wiens Polizeipräsident Gerhard Pürstl warnte im Gespräch mit der APA vor zunehmenden extremistischen Tendenzen. "Es gibt deutliche Elemente von Extremismus bei manchen Aktivisten", konstatierte er. Das betreffe das Begehen von Straftaten, nicht nur das Festkleben an Gemälden und das Beschütten derselben, was "in den Bereich der Sachbeschädigung geht", sondern auch das Lockern von Radmuttern oder Luft aus den Reifen lassen bei SUVs.

Die Gruppe ist sich bewusst, dass ihre Aktionen auch auf Ablehnung stoßen, doch der Klimaprotest sei "kein Beliebtheitswettbewerb", es gäbe bei den Protesten aber immer wieder Zuspruch. Mitbegründerin Martha Krumpeck musste bereits eine Ersatzfreiheitsstrafe antreten, die ihr für wiederholte Verkehrsblockaden auferlegt wurde.