Ein aufsehenerregender und ein dreiviertel Jahr andauernder Prozess mit mehr als 100 Zeugen ist am Samstag am Bozner Schwurgericht zu Ende gegangen. Ein 31-Jähriger wurde nicht rechtskräftig zu lebenslanger Haft verurteilt, weil er vor über einem Jahr seine beiden Eltern getötet und anschließend in einen Fluss geworfen haben soll. Das Gericht entschied zudem, dass der Mann ein Jahr in Einzelhaft verbringen soll.

Voll zurechnungsfähig

Zudem soll er bei beiden mutmaßlichen Morden - die kurz nacheinander stattgefunden haben sollen - voll zurechnungsfähig gewesen sein. Der Sohn der Getöteten hatte die Tat zwar gestanden, allerdings pochte die Verteidigung darauf, dass der Angeklagte aufgrund seines psychischen Zustandes nicht zurechnungsfähig gewesen sei und forderte die Mindeststrafe mit Sicherheitsverwahrung. Ihrer Meinung nach sollte der Angeklagte die Chance bekommen, geheilt zu werden. Die Staatsanwaltschaft plädierte dagegen aufgrund der Kaltblütigkeit der Tat für lebenslange Haft mit einem Jahr Einzelhaft.

Widersprüchliche Gutachten

Während des Prozesses waren mehrere Gutachten vorgelegt worden, die sich mit der Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten beschäftigten. Diese kamen zu völlig unterschiedlichen Schlüssen. Einig waren sich die Gutachter darin, dass der Angeklagte unter psychischen Störungen leidet und auch heute noch gefährlich sei. Dies würden auch Vorfälle im Gefängnis zeigen. Er habe in der Zelle versucht, einen Mithäftling zu strangulieren.

Hoher Schadenersatz

Die Staatsanwaltschaft sowie die beiden Nebenklägerinnen - Schwester und Tante des 31-Jährigen - zeigten sich nach dem Urteil zufrieden und umarmten sich nach der Verkündung im Gerichtssaal. Der Onkel des Angeklagten forderte indes, dass dieser die Wahrheit über die Tat sagen müsse. Den Nebenklägerinnen wurden vom Gericht zudem Schadenersatzzahlungen von insgesamt 280.000 Euro zugesprochen.

Am 4. Jänner 2021 soll der Angeklagte seine Eltern, beide Lehrer, in der Familienwohnung ermordet und die Leichen beseitigt haben. Die leblosen Körper waren erst Wochen später und nach einer aufwendigen Suche im Flussbett der Etsch gefunden worden.