Es geht ums Überleben. Ob man heute lieber genug essen, oder genug heizen soll, ob sich der Fahrschein für diese eine Fahrt ausgeht, oder wie am Ende die Miete bezahlt werden soll. "Es ist ein einziges Durchwurschteln", sagt Erich Fenninger, Geschäftsführer der Volkshilfe.

Armut hat in jedem Alter ähnliche Auswirkungen, Frauen über 65 tragen aber ein besonders großes Risiko, in die Armut abzurutschen. Jährlich zeigt das die Berechnung des "Equal Pension Days", der dieses Jahr auf den heutigen Mittwoch fällt. Er beschreibt jenen Tag, an dem Männer im Schnitt so viel Pension bekommen haben, wie Frauen am Ende des Jahres. Durchschnittlich beträgt die Pension von Männern rund 2.100 Euro brutto, jene von Frauen nur etwa 1.200 Euro.

Im europäischen Hintertreffen

Warum das so ist, liegt an den Jahrzehnten vor der Pension: "Zum Einen haben wir ein sehr erwerbszentriertes Alterssicherungssystem. Das möchte den Status, der auf dem Arbeitsmarkt erreicht wurde, im Alter erhalten. Gepaart mit der nicht vorhandenen Tradition, dass Frauen vollzeiterwerbstätig sind, führt das zu so großen Unterschieden", sagt Christine Mayrhuber, Ökonomin des Wirtschaftsforschungsinstituts WIFO. Andere europäische Länder seien da schon viel weiter. Tatsächlich ist der "Pension Gap" in kaum einem europäischen Land so hoch wie hierzulande.

In den letzten Jahren hat sich der "Equal Pension Day" in allen Ländern nach hinten verschoben.
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Auffällig sind auch die regionalen Unterschiede innerhalb Österreichs. Während in Wien der "Equal Pension Day" im September liegt, ist er in Oberösterreich und Vorarlberg schon in der ersten Julihälfte.
Um dem Problem entgegenzutreten, müsse man den Arbeitsmarkt verändern, sagt Mayrhuber: "Mittel- und langfristig ist das der einzige Ansatzpunkt. Alles was am Arbeitsmarkt schief läuft, zieht sich ins Pensionssystem hinein", sagt die Ökonomin. Das Pensionssystem könne nur teilweise ausgleichen.

Mehr Kinderbetreuung, bessere Anrechnung

Die Volkshilfe hat eine Reihe an Vorschlägen dafür: "In ländlichen Gebieten braucht es einen Ausbau der Kinderbetreuung, damit Frauen die länger in Erwerbsarbeit sind", sagt Fenninger. Daneben sollen beispielsweise Kinderbetreuungszeiten besser angerechnet und Elternteilzeit pensionsrechtlich berücksichtigt werden. Kurzfristig müsse laut Fenninger die Sozialhilfe und die Ausgleichszulage erhöht werden: "Auf Dauer geht sich das sonst nicht aus."

Auf lange Sicht sieht auch Mayrhuber wenig Besserung, was den "Pension Gap" betrifft: "Derzeit gehen geburtenstarke Jahrgänge in Pension, die gut in den Arbeitsmarkt integriert sind. Die Hälfte aller erwerbstätigen Frauen sind aber in Teilzeit. Jedes Jahr ohne Vollzeitbeschäftigung dämpft die Pensionshöhe."