Der organisierte Drogenhandel entzieht der Weltwirtschaft jährlich viele Millionen Dollar, die vor allem Entwicklungsländern fehlen, warnt der Internationale Suchtstoffkontrollrat (INCB) in seinem Jahresbericht 2021. Sorgen bereiten dem in Wien ansässigen Gremium zudem Hinweise auf einen Zusammenhang von Drogenkonsum und der Nutzung sozialer Medien, die neue Möglichkeiten für den Kauf verbotener Substanzen bieten. Mitunter werde dort Drogenkonsum geradezu glorifiziert.

Auf vielen dieser Internetplattformen gebe es vor allem Cannabis, verschreibungspflichtige Schmerzmittel und andere verbotene Substanzen zu kaufen. Gefährdet seien naturgemäß besonders junge Leute, die zum einen soziale Medien überdurchschnittlich nutzen und zum anderen die Altersgruppe mit besonders hohem Drogenkonsum sind. Regierungen sollten eine aktivere Rolle bei der Festlegung von Regeln für Social Media einnehmen, empfiehlt der Suchtstoffkontrollrat. Aber auch der private Sektor müsse seine Plattformen regulieren und die Absatzförderung der nicht-medizinischen Verwendung von Drogen einstellen.

Der INCB-Bericht hält zudem fest, dass beinahe der gesamte Konsum von Opioid-Analgetika zur Schmerzlinderung auf die entwickelten Länder Europas und Nordamerikas konzentriert ist. Die Verfügbarkeit in anderen Regionen sei dagegen oft unzureichend.

Die negativen Auswirkungen illegaler Finanzströme aus dem Suchtgiftschmuggel reichen von Korruption und Bestechung bis zum Anstieg der organisierten Kriminalität, Gewalt, Armut und sozialer Ungleichheit. Da sie Geld aus der Wirtschaft ableiten, verursachen sie soziale und politische Instabilität. Drogenbanden "sind auf illegale Finanzströme angewiesen, um ihre kriminellen Aktivitäten auszuweiten und zu erhalten", sagte INCB-Präsidentin Jagjit Pavadia. Regierungen seien daher aufgerufen, alle Ebenen des Drogenschmuggels, von der Herstellung über den Verkauf bis zur Geldwäsche, zu bekämpfen. Dabei müsse auf Zusammenarbeit gesetzt werden, "da illegale Finanzströme keine Grenzen oder Nationalitäten kennen".

Besonders betroffen seien Entwicklungsländer. Den Ländern Afrikas gehen laut dem Bericht schätzungsweise 88,6 Milliarden Dollar, das sind 3,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts des gesamten Kontinents, dadurch verloren. Dies entspricht fast der Summe der jährlichen Zuflüsse aus Entwicklungshilfe und ausländischen Direktinvestitionen.

Generell müsse den Drogengeschäften möglichst der Hahn zugedreht werden, um stattdessen ausreichend Mittel für die Bekämpfung der gesundheitlichen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie zur Verfügung zu haben. Neue Technologien wie digitale Währungen, mobile Bezahlsysteme und E-Wallet-Dienste ("elektronische Geldbörse", Anm.) befeuern illegale Geldtransfers zusätzlich, weil sie oft auch anonym funktionieren. Das organisierte Verbrechen sei längst auf diesen Zug aufgesprungen.

Weiters müssten die nationalen Regulierungsrahmen für Vorläufersubstanzen zur Drogenproduktion – Stichwort "Designerdrogen" – dringend verbessert werden. Kontrollmängel würden es noch immer möglich machen, bestimmte chemische Substanzen unerkannt auf dem legalen Markt zu erwerben.