OmikronStillstand des Landes droht: Quarantäne-Lockerung gefordert

Durch die Omikron-Welle könnten viele Menschen in Österreich gleichzeitig an Covid erkranken – und in Quarantäne müssen. Um zu verhindern, dass das Land stillsteht, werden nun Rufe nach verkürzten Quarantäneregeln laut.

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Omikron könnte dazu führen, dass viele Mitarbeiter gleichzeitig ausfallen.
Omikron könnte dazu führen, dass viele Mitarbeiter gleichzeitig ausfallen. © APA/HERBERT NEUBAUER
 

Omikron breitet sich rasant in Österreich aus. Neben neuen Höchstzahlen an Neuinfektionen mit allen bekannten Folgen von Spitalsauslastung über Long Covid bis zu einem massiven Anstieg an Todesfällen befürchten Expertinnen und Experten auch, dass in essenziellen Bereichen das Personal ausfallen könnte.

Sind etwa zu viele Ärztinnen oder Pfleger gleichzeitig krank oder in Quarantäne, könnten Krankenhäuser deutlich weniger Patientinnen und Patienten betreuen – die Gefahr von Triagen wäre deutlich höher. Aber auch abseits des Gesundheitsbereichs könnte es zu Engpässen kommen. Wien Energie hat daher seit letzter Woche bereits 50 Mitarbeiter in Isolation geschickt, um "unter jedem Umstand die Energieversorgung von Wien sicherstellen zu können".

Quarantäne-Empfehlungen des Bundes

Kategorie 1 Kontaktpersonen (K1)

Wer engen Kontakt mit einer infizierten Person hatte:

  • 10 Tage in Quarantäne & Überwachung des Gesundheitszustandes
  • Wenn symptomfrei: nach Tag 5 freitesten
  • Geimpfte und Genesene werden auf K2 herabgestuft – außer bei Omikron

Kategorie 2 Kontaktpersonen (K2)

Wer mehr Abstand von einer infizierten Person hatte:

  • Überwachung des Gesundheitszustandes für 10 Tage

Geimpfte/Genesene, die auf K2 herabgestuft wurden:

  • FFP2-Maske bei Kontakt mit anderen Personen
  • PCR-Testung ab Tag 5
  • womöglich bis zu 10 Tage Fernhaltung von Gemeinschaftseinrichtungen, Versammlungen, etc. (Schule ist ausgenommen). Kann nach 5 Tagen durch PCR-Test aufgehoben werden

Land soll nicht "stillstehen"

Das ist aber nicht überall möglich. Aus den Bundesländern und der Wirtschaft werden nun vor dem Bund-Länder-Gipfel am Donnerstag Rufe nach gelockerten Quarantäneregeln laut – weit über den essenziellen Bereich hinaus. Es drohe die Gefahr, dass das ganze Land stillsteht, wenn ein großer Teil der Bevölkerung gleichzeitig infiziert oder in Quarantäne ist.

Die Wirtschaftskammer und der ÖVP-Wirtschaftsbund drängen darauf, dass Geimpfte und Genesene auch bei Omikron wieder als K2 eingestuft werden sollen. Es gelte alles daran zu setzen, "dass das wirtschaftliche Leben weitgehend am Laufen gehalten wird und versorgungsrelevante Produktionen und Infrastruktur nicht gefährdet werden", hieß es seitens der WKÖ.

"Es kann nicht sein, dass die Wirtschaft aufgrund überbordender Quarantänemaßnahmen und daraus resultierenden Personalausfällen zum Stillstand kommt", sagte der Wirtschaftsbund-Generalsekretär und ÖVP-Nationalratsabgeordnete Kurt Egger in einer Aussendung am Dienstag.

Auch Ärztekammer für kürzere Quarantäne

Auch die Ärztekammer fordert dringend Anpassungen bei den Quarantäneregeln. "Wie bereits gefordert, müssen dreifach geimpfte Menschen als K2-Kontaktpersonen gelten. Zudem sollte eine verhängte Quarantäne bei Symptomlosigkeit nach fünf Tagen enden", fordern die neun Präsidenten unisono. Viele Daten, die bei der Omikron-Variante einen guten Impfschutz für dreifach Geimpfte sowie ein allgemein leicht geringeres Risiko eines schweren Verlaufes zeigen, würden diese Anpassungen vertretbar machen.

Darüber hinaus müssten aber auch die üblichen Basisregeln strikt eingehalten werden, betonen die Landesärztekammer-Präsidenten: "Abstand halten, Händehygiene und vor allem das Tragen von FFP2-Masken in Innenräumen sind bei der infektiöseren Omikron-Variante von höchster Wichtigkeit."

Lockerungen zum Schulstart?

Eine Lockerung der Quarantäneregeln vor dem Schulstart am kommenden Montag verlangte wiederum der Wiener Bildungsstadtrat Christoph Wiederkehr (NEOS). Denn die momentan geltenden Regelungen für die Omikron-Variante seien insbesondere für Schulen "nicht praktikabel". Er sprach sich für eine Bevorzugung von geimpften und genesenen Kindern aus – und auch für eine Verkürzung.

Doch wie gut sind die Schulen für Omikron gerüstet? Dazu sagte Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) im Ö1-Morgenjournal: "Die Schulen werden am Montag aufsperren, egal, wie hoch die Zahlen dann sind." Zu verkürzten Quarantäneregeln an den Schulen, um großflächige Klassenschließungen zu verhindern, verwies Polaschek auf die Gesundheitsbehörden.

(Noch) keine Infizierten am Arbeitsplatz

Der Epidemiologe Gerald Gartlehner würde die Quarantäne bei K1-Kontaktpersonen, die sich derzeit nach fünf Tagen freitesten können, auf drei oder vier Tage reduzieren, sagte er gestern in der ZIB2. Bei Infizierten, die sich aktuell nach zehn Tagen freitesten können, "könnte man wahrscheinlich auf fünf Tage reduzieren", sofern sie asymptomatisch sind.

Zuletzt hatte Gartlehner am Wochenende auch dafür plädiert, zur Aufrechterhaltung der Infrastruktur auch Infizierten mit milden Symptomen das Arbeiten zu gestatten – diese Maßnahme sieht er nun aber nur als Möglichkeit in der Zukunft: "Symptomlose, die positiv getestet sind, würde ich wahrscheinlich noch nicht arbeiten gehen lassen. Das wäre die nächste Stufe" – nämlich, wenn zu viele Personen in der kritischen Infrastruktur ausfallen würden, gab Gartlehner zu verstehen.

Länderchefs für kürzere Quarantäne

Im Vorfeld des Bund-Länder-Gipfels erklärte Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ), sofern eine Person voll immunisiert ist, wäre eine Verkürzung der Quarantäne "anzudenken", "wenn dies aufgrund der hohen Infektionszahlen als notwendig erscheint". Bezüglich des Schulbetriebs hieß es, der Präsenzunterricht sollte so lange wie möglich aufrechterhalten bleiben. Kaiser plädierte am Mittwoch aber dafür, Menschenleben zu schützen als wichtigstes Grundprinzip zu betrachten. Angesichts der Omikron-Welle gelte es nun, Krankenhäuser und kritische Infrastruktur vor einer Überlastung zu schützen. Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) forderte bundeseinheitliche Regelungen und schnelle Maßnahmen gegen Omikron.

Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) wollte nicht bis Donnerstag warten und präsentierte schon heute, Mittwoch ein "Omikron-Maßnahmenpaket" für sein Bundesland. In der kritischen Infrastruktur werden im Burgenland nun tägliche Antigentests sowie zwei bis dreimal wöchentliche PCR-Tests verpflichtend. Um Gesundheitspersonal zu entlasten, werden Pflegeschüler im dritten Jahr für drei Monate in die Praxis geholt. Beim morgigen Bund-Länder-Gipfel werde es keine Lockdown-Diskussionen geben, ob es wegen Omikron aber zu einem Lockdown kommt, könne niemand vorhersehen, so Doskozil.

Auch Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) sprach sich für eine Anpassung der Omikron-Quarantäneregeln bei Geimpften und Kontaktpersonen aus. Darüber hinaus setze man alles daran, die Schulen wie geplant am 10. Jänner zu öffnen. Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) plädierte ebenfalls für eine bundesweit einheitliche Lösung und auch Oberösterreichs Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) erklärte, er wolle bei der Bund-Länder-Runde auf Verkürzungen beziehungsweise Erleichterungen bei der Quarantäne drängen.

Auch für Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) ist eine solche Verkürzung vorstellbar, sofern sie "medizinisch vertretbar" sei. Eine "klare Aussage der Expertinnen und Experten über die Entwicklungen" forderte der steirische Landeschef Hermann Schützenhöfer (ÖVP).

Kommentare (73)
Musicjunkie
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Hört doch endlich mal mit diesen bescheuerten Horrormeldungen auf.

Wenn man auf der anderen Seite, tausende Urlaubsgäste aus sogenannten Hochrisikoländern hereinlässt, kann es wohl kaum so schlimm sein, oder doch? 😉🤔🙉

madermax
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Österreich im Panikmodus…

Und Südafrika heute: „Fast alle Beschränkungen wurden gestrichen – viele Südafrikaner feiern gerade wieder ausgelassen an den Stränden der Küstenprovinzen ihre Sommerferien. Kurz vor Silvester wurde sogar die seit fast zwei Jahren geltende nächtliche Ausgangssperre zusammen mit weiteren Einschränkungen aufgehoben. Die Kontaktnachverfolgung bei Personen, die infizierten Personen nahegekommen sind, war bereits zuvor gestrichen worden. Die Wahrscheinlichkeit einer Einlieferung ins Krankenhaus wurde aufgrund bisheriger Daten für Omikron als bis zu 80 Prozent niedriger als bei der Delta-Variante angegeben. Die Verweildauer dort sank zudem im Schnitt auf drei bis vier Tage – fast die Hälfte der Zeit, die bei der Delta-Variante als Durchschnitt galt.“

Komisch. Südafrika ist weder im Stillstand, noch kollabiert, noch gegen die Wand gefahren, noch im Lockdown, und das ganz ohne FFP2 und mit einer Impfquote von gerade mal 26%... Naja, ich lese dann mal weiter die dramatischen Hiobsbotschaften der anderen österreichischen Medien durch…

Irgendeiner
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Komisch,nein Südafrika hat eine andere genetische Zusammensetzung,

eine andere Alterstruktur,eine andere Durchseuchungsgeschichte und bevor du frägst, ihre Alten setzen die dort nicht auf Eisschollen aus weil sie keine haben,weder das eine jetzt noch das andere immer.

Planck
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Ja passt eh.

Und vielleicht solltma glei bei der günstigen Gelegenheit Simbabwe oder den Sudan als Vorbild für die österreichische Staatsführung hernehmen.
Wenn schon, denn schon

pescador
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:-)

Manchmal frage ich mich echt, warum man manche Forumsmitglieder nicht ins Expertenteam holt. Bei so viel Wissen und Weitblick..... :-)

pescador
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Wir konnten die Sommerferien auch genießen

Im Sommer war Corona bei uns auch nie ein großes Problem. Und in Südafrika IST jetzt Sommer. Der Vergleich hinkt also.

Miraculix11
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Wozu ist Quarantäne eigentlich da?

Bisher dachte ich die sei dazu da damit ein Kranker niemanden anstecken kann. Jetzt wird sie verkürzt, was zur Folge hat dass der Kranke weitere anstecken kann. Krankenhäuser und kritische Infrastruktur vor einer Überlastung zu schützen indem man dafür sorgt dass sich noch mehr Leute anstecken ist genial :-)

romagnolo
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Wenn eine Virusvariante weniger krank macht,

ist es durchaus gerechtfertigt, die Quarantäneregeln zu überdenken. Zusätzlich für Ungeimpfte die PCR Tests kostenpflichtig machen und die Angelegenheit ist in ein paar Wochen erledigt.

eston
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Genau, daher ist Impfung geboten

heinz31
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Wiso?

Plötzlich soll das Land nicht stillstehen? Was war bei den Lockdowns? Da stand auch alles still.
Omikron beendet das Chaos, wenn ma es nur lassen würde.

Planck
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Ja genau ...

"More than 90 care home operators in England declare red alert over staffing"

"Over 11,000 care home workers are off for Covid reasons, according to internal health system staffing data seen by the Guardian. One of the UK’s largest private operators, Barchester, is dealing with outbreaks in 105 of its 250 homes. It said that rules meaning homes with Covid cannot accept hospital discharges will cause backlogs in the already struggling NHS." (The Guardian)

I glaub' halt, ihr Geistesriesen macht's euch des a bissl gar einfach.

lieschenmueller
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alles still

DER war gut.

rb0319
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@heinz31

Nach der Überschrift sinnerfassend weiterlesen hilft.

Hapi67
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Gecko Kommission

ist noch im Winterschlaf, notfalls wird wieder ein Lockdown verordnet..

Die gefahrlose Durchseuchung und das Ende der Pandemie müssen mit allen Mitteln verhindert werden, der Geschäftszweig ist zu lukrativ und erspart jede andere Arbeit.

Vielen Dank

ichbindermeinung
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Kl. Zeitung vom 13 November 2019 -

........." "Die alljährlich vom Zentrum für Virologie durchgeführten Schätzungen zur Influenza-Inzidenz in Österreich zeigen, dass während der letzten - als moderat einzustufender - Influenzasaison 2018/19 circa 140.000 bis 150.000 Personen an dieser Infektion erkrankten. Zum Vergleich, während der vorhergehenden sehr starken Grippewelle der Saison 2017/18 erkrankten über 400.000 Personen in Österreich an der Influenza."

rb0319
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@ichbindermeinung

Ja, und? Was hat das mit Covid zu tun?

owlet123
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whataboutism

Einfach mal googln.

DavidgegenGoliath
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Es werden ja nicht alle auf einmal krank,

Quarantäne auf 5 Tage verkürzen!

Irgendeiner
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Nein davida,die cluster erkranken jetzt schneller

und gleichzeitig und es verbreitet sich auch noch wesentlich schneller als alles andere vorher.

owlet123
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Doch!

Genau das ist es was passiert, genau das ist es, was seit fast zwei Jahren unser Problem ist: Viele gleichzeitig Erkrankte, was dann stoßweise zu hohen Spitalsauslastungen führt. Die Menge der gleichzeitig Erkrankten ist der Kern des Problems!

duMont
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PCR Austestung viel zu langsam

WIR FORDERN VON DER Wirtschaft, dass die Labors den Pcr Test innerhalb von EINEM Tag auswerten und nicht dass man vier Tage darauf warten muss. WIE ZULEzt IN Kaernten geschehen.

eston
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Die Impfung hingegen geht ganz schnell!

rb0319
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@dumont

Was Sie fordern passiert seit Wochen genau so. Die Labors, die für die Steiermark die PCR-Tests auswerten, sind schon lange nicht mehr ausgelastet.

manung
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Auswertezeit

In Graz Umgebung derzeit maximal 14 Stunden

GanzObjektivGesehen
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Sie können auch Nahrung, sauberes Wasser und Friede für alle Menschen fordern.

Was es nicht gibt....das gibt es nicht. Solange viele Menschen eine Immunisierung ablehnen oder, meist aus privaten Gründen, das Heil in Tests sehen, werden die Labore am Limit arbeiten.
Dann geht es eben nicht schneller.
Labore gibt es ebenso wenig beim Mediamarkt, wie auch keine Pflegepersonal beim AMS zu bekommen sein wird. Wie hat es ein anderer User vom schön gesagt:

Mit Geduld das tun, was zu tun ist. Manchmal tut das eben weh...

Irgendeiner
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Nein, nicht ganz, in Wien klappt das hervorragend,

ich hab dort geboosterte Menschen die sich quasi täglich testen weil sie ihre 8 Monate alte Enkeltochter besuchen um die Eltern zu entlasten die arbeiten müssen,dort klappt das, in Kärnten simma da warum auch immer etwas lendenlahm,wir haben zwar etwas mehr Ungeimpfte aber daran hängt es nicht,die Wiener sind übrigens auch die einzigen die wirklich einen konkreten Überblick über die Omikronsituation haben.Worans bei uns hapert weiß ich auch nicht.

 
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