Prozess in EisenstadtKinder zum Essen gezwungen: Bedingte Haft für Kindergärtnerin

44-jährige Pädagogin aus dem Burgenland soll Kindern Mund aufgedrückt und Essen hineingeschoben haben. Urteil ist nicht rechtskräftig.

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Jausenbox © Jürgen Fuchs
 

Eine Kindergärtnerin aus dem Nordburgenland ist am Dienstag am Landesgericht Eisenstadt (nicht rechtskräftig) zu einer bedingten Haftstrafe von einem Jahr verurteilt worden, weil sie Kinder bei der Jause und beim Mittagessen zum Essen gezwungen haben soll. Wenn sie nicht essen wollten, soll sie ihnen mit Daumen und Zeigefinger den Mund aufgedrückt und Essen hineingeschoben haben. Die 44-Jährige bekannte sich nicht schuldig. Sie sah in den Vorwürfen Mobbing ihrer Kolleginnen.

Die Staatsanwaltschaft Eisenstadt warf der Kindergarten-Pädagogin Nötigung und fortgesetzte Gewaltausübung vor. Von 2016 bis 2020 soll es immer wieder Vorfälle gegeben haben, bei denen sie die Kinder mit Gewalt zum Essen gezwungen, angeschrien und am Aufstehen gehindert haben soll. Die Angeklagte wies das zurück. "Ich habe die Kinder motiviert und gefragt, ob sie nicht noch abbeißen wollen und schon genug haben. Teilweise habe ich mich zu ihnen gesetzt, um sie zum Essen zu überreden", sagte die 44-Jährige. Sie habe versucht, Kindern bei Schwierigkeiten mit Essen zu helfen. Für sie sei das etwas völlig Normales gewesen, betonte ihr Verteidiger.

Vorwürfe kamen spät

Die Vorwürfe ihrer Kolleginnen könne sie sich nur damit erklären, "dass man mich dort nicht haben wollte". Sie sei auch nie direkt darauf angesprochen oder dafür kritisiert worden, meinte die Kindergärtnerin. Zudem seien die Vorwürfe erst 2020 und damit Jahre nach den ersten angeklagten Vorfällen aufgekommen.

Die Kollegin, die mit der 44-Jährigen in einer Kindergartengruppe zusammenarbeitete, erzählte vor Gericht, dass die Kinder vor der Angeklagten teilweise Angst gehabt hätten. Ein Bub habe etwa schon vor dem Essen öfter erbrochen, andere hätten geweint und geschrien. Sie habe die Pädagogin auch darauf angesprochen, warum die Kinder essen müssen. Darauf habe sie geantwortet, dass Essen wertvoll sei und nicht weggeschmissen werden solle. Gemeldet habe sie das Verhalten der Angeklagten aber nicht, weil sie Angst um ihren Job gehabt habe.

Richterin Karin Knöchl sprach die 44-Jährige schuldig. Bei manchen Kindern sei es wohl nur vereinzelt zu derartigen Vorfällen gekommen. Bei zwei Kindern, die "schlechte Esser" gewesen seien, habe sich die Angeklagte aber "berufen gesehen, diesen Kindern das Essen beizubringen, wenn nötig auch mit Gewalt", betonte die Richterin. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Die Angeklagte gab keine Erklärung ab.

Kommentare (3)
UHBP
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Irgendwie seltsam!

Was ich da jetzt nicht verstehe ist, dass die anderen Pädagoginnen 4 Jahre zugeschaut haben.
Und was mich irgendwie noch mehr verwundert, dass von den Eltern keine Beschwerden gekommen sind. Ich mein, wenn Kinder schon vor dem Essen erbrechen, dann haben wohl die Pädagoginnen eine Verpflichtung das den Eltern zu sagen.
Wie gesagt, ohne den Fall auch nur im geringsten zu kennen. Irgendwie seltsam!

khst
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lieber UHBP,

das erste Mal, dass ich mit dir einer Meinung bin! Wie können Eltern und Kollegen soo lange zuschauen! Wirklich seltsam

UHBP
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@khst

Es ist nie zu spät, klüger zu werden ;-))