Prozess um Nobelhotel "Sacher"Wohl 4,1 Millionen statt einer Million abgezweigt: Drei Jahre Haft

Staatsanwalt dehnte zu Prozessbeginn Anklage gegen ehemalige Chefbuchhalterin aus: Statt neun Monate soll sich der Tatzeitraum auf zehn Jahre erstrecken. Auch die Summe hat sich vervierfacht. Das Urteil fiel rasch: drei Jahre Haft.

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Die ehemalige Chefbuchhalterin des weltbekannten Wiener Nobelhotels "Sacher" ist am Dienstag am Landesgericht wegen Untreue zu drei Jahren Haft, davon ein Jahr unbedingt verurteilt worden. Sie hatte von Jänner 2010 bis Dezember 2020 rund 4,1 Millionen Euro abgezweigt. Ihren Angaben zufolge stellte sie die veruntreuten Beträge in erster Linie ihrem drogenabhängigen Sohn zur Verfügung, der einen exorbitant kostspieligen Lebensstil gepflogen haben soll.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Während der Staatsanwalt die Entscheidung akzeptierte, erbat Verteidigerin Astrid Wagner Bedenkzeit. Sollte der Spruch in Rechtskraft erwachsen, hat die 49-Jährige gute Chancen, dass ihr das Gefängnis erspart bleibt. Übersteigt der zu verbüßende Strafteil nicht zwölf Monate, kann dieser in Form eines elektronisch überwachten Hausarrests verbüßt werden. Ob ein entsprechender Fußfessel-Antrag genehmigt wird, entscheidet die Leitung der zuständigen Justizanstalt.

Geld auf eigenes Konto transferiert

Wie sich nämlich am Ende der strafrechtlichen Ermittlungen herausgestellt hatte, hatte die 49-Jährige bereits seit Jänner 2010 nicht nur dem Hotel, sondern der gesamten Holding regelmäßig Gelder abgezweigt. Sie leitete freigegebene Sammelrechnungen einfach auf ihr eigenes Sparkonto um. Das Geld benötigte die 49-Jährige hauptsächlich für ihren Sohn, der ihrer Aussage zufolge den Drogen verfallen war, einen aufwendigen Lebensstil pflegte und keinen Job hatte. Er soll die Mutter fast täglich um Geld angepumpt haben. Als deren eigene Reserven aufgebraucht waren, vergriff sich die 49-Jährige der Anklage zufolge am fremden Geld. 349 betrügerische Überweisungen konnten ihr nachgewiesen werden.

Die Angeklagte, die 1990 in dem Hotel als Buchhalterin begonnen hatte, begann der gesamten Hotel-Holding Gelder abzuzweigen, indem sie freigegebene Sammelrechnungen einfach auf ihr eigenes Sparkonto transferierte. Von dort ließ sie die Millionen vor allem auf das Konto ihre Sohnes regnen. Dieser soll die Mutter fast täglich um Geld angepumpt haben.

"Mafia und Schutzgeld"

"In unserer Familie ist es relativ turbulent zugegangen", schilderte die Angeklagte dem Schöffensenat (Vorsitz: Peter Komenda). Sie habe für "ruhige Familienverhältnisse" sorgen wollen und sei deshalb eingesprungen, sooft ihr Sohn finanziellen Beistand benötigte. Immer wieder berichtete dieser der Mutter von Drogen-Schulden, dass die Mafia hinter ihm her sei und Schutzgeld verlange: "Ich wollte ihn immer zufriedenstellen." Mitunter sei er zusammengeschlagen worden. "Er ist mit blauen Flecken nach Hause gekommen", berichtete die 49-Jährige.

Auf der anderen Seite frequentierte der Sohn schon als Minderjähriger Casinos, urlaubte später in Dubai und richtete um 18.000 Euro eine Geburtstagsfeier aus. Job hatte der 1998 Geborene keinen.

Der Staatsanwalt zweifelte, dass der Bub bereits als Zwölfjähriger suchtmittelabhängig war, denn in diesem Alter begann die Mutter mit ihren Machenschaften. Darauf räumte die Angeklagte ein, sie habe dem Sohn, ihrem zweiten Kind und anderen Leuten Geschenke gemacht, Kleider gekauft und Einladungen ausgesprochen. "Sie hat eine dependente Persönlichkeitsakzentuierung", wusste Verteidigerin Wagner, "sie ist übersozial, abhängig von der Beurteilung anderer".

Erst Bank wurde hellhörig

349 betrügerische Überweisungen konnten der Frau nachgewiesen werden. Die Angeklagte war dazu umfassend geständig: "Alles, was gesagt wurde, ist so vorgefallen." Sie selbst habe keine Aufzeichnungen über die eingesackten Beträge geführt. Sie vertraue der Schadensaufstellung des Hotels, in dem sie einst als Lehrling begonnen hatte.

Ihre Machenschaften flogen Mitte Jänner 2021 auf - der Bank der Hotel-Gruppe fielen fragwürdige Überweisungen auf, zunächst wurde eine mögliche Geldwäsche vermutet. Der nunmehrige, seit 2014/2015 tätige Geschäftsführer der Hotel-Gruppe hielt als Zeuge fest: "Es ist allen Experten nicht aufgefallen. Dem Wirtschaftsprüfer nicht, dem Bilanzersteller nicht, Generationen von Geschäftsführern nicht." Was die interne Kontrolle betrifft, "müssen wir letzten Endes von einem Multi-Organ-Versagen ausgehen", räumte der "Sacher"-Geschäftsführer ein.

Die 49-Jährige hat einen Teil des angerichteten Schadens gut gemacht. 100.000 Euro überließ sie dem Hotel, als ihr Arbeitsverhältnis aufgelöst wurde. Seither hat sie weitere zwei Überweisungen zu je 1.000 Euro getätigt.

Kommentare (7)
Peterkarl Moscher
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Der totale Wahnsinn Hoch 3

Die Firma hatte und hat ein super Controlling, das 4 Mio in der Brieftasche fehlen
ist keinem aufgefallen. Ja wenn man schon so reich ist ist das kein Problem!
Da sollte die Finanz prüfen was noch nicht aufgefallen ist!

Zeitgenosse
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4 Millionen fallen dem

Unternehmen gar nicht auf, die so einfach verschwinden?

Die müssen ja in Geld schwimmen und zur Mutter , eine Frau mit hoher krimineller Energie mit einem lächerlichen Urteil!

Hoffentlich besucht sie der Bube im Häfn!!

Baerli6
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Arme Mutter!

Eigentlich müsste man den Sohn auch einsperren, er wahr ja der eigentliche Verursacher.

Henry44
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Arm soll die Mutter sein?

Die hatte eine hohe kriminelle Energie und offensichtlich schwere Erziehungsfehler zu verantworten. Den Schaden kann sie natürlich nie mehr gutmachen.

Ein 23-jähriger Sohn, der nichts arbeitet, aber ins Kasino geht! Dem hätte ich den Geldhahn längst zugedreht.

checker43
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Heißt,

wenn Ihre Mutter das getan hätte, wären Sie als eigentlich Schuldiger einzusperren?

Gairwolf
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War der Geschäftsführer

nicht Bürochef vom Finanzminister Grasser ?

calcit
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Und damit wollen sie jetzt was...

...suggerieren?