Prozess in WienMann biss Frau nach Hochzeit Augenlider ab

Der Bräutigam soll unter Einfluss von halluzinogenen Substanzen gestanden sein, seine Frau gewürgt und ihr in die Augen gebissen haben.

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WIEN: PROZESS GEGEN BRAeUTIGAM WEGEN STRAFTAT IM ZUSTAND VOLLER BERAUSCHUNG: BRAUT BEI HOCHZEIT INS AUGE GEBISSEN UND MIT FLASCHE IN KOPF GESTOCHEN
© APA/STEFAN SOMWEBER
 

Mehr als ungewöhnlich ist der Prozess, der am Dienstag am Wiener Landesgericht stattgefunden hat. Ein 36-jähriger Mann soll seiner Frau einen Tag nach der Hochzeit die Augenlider abgebissen haben. Der gebürtige Nigerianer dürfte zum Tatzeitpunkt unter dem Einfluss einer halluzinogen wirksamen psychotropen Substanz gestanden sein. Der Mann zeigte sich geständig, wie die APA berichtet.

Keine Gewalt in der Vergangenheit

Der Mann und seine Frau (30) - eine aus Nigeria stammende Designerin - haben heuer am 15. Jänner den Bund der Ehe geschlossen. Am darauffolgenden Tag folgte die Gewaltattacke, für die weder der Angeklagte noch sein Verteidiger Normann Hofstätter eine plausible Erklärung hatten. "Es ist in der Vergangenheit überhaupt nie zu Gewalttätigkeiten gekommen. Er ist äußerst liebevoll mit ihr umgegangen. Es war alles perfekt, es war alles sehr harmonisch", sagte Hofstätter. "Ich liebe meine Frau so sehr", versicherte der 36-Jährige am Dienstag vor Gericht. Er bekannte sich schuldig. Es tue ihm furchtbar leid. Er wisse nicht, warum es passiert sei.

Würgen, Beißen, Glasscherben

Der Anklage zufolge würgte der Mann seine 30-jährige Frau so lange, bis dieser die Augäpfel hervortraten. Dann biss er in beide Augäpfel, ehe er ihr die Lider abbiss und der Frau noch mit einer Glasscherbe in den Kopf stach. Die 30-Jährige erlitt ein schweres  Halswirbelsäulentrauma, eine Luxationsfaktur des fünften und
sechsten Halswirbels sowie schwerste Verletzungen an beiden Augen.
Zur Verhandlung, zu der sie als Zeugin geladen war, erschien die Frau mit einer sie vor dem gleißenden Tageslicht schützenden dunklen Sonnenbrille.

Die Richterin bat die Zeugin, die Sonnenbrille kurzzeitig abzunehmen und hinterfragte die Hochzeitszeremonie. Schließlich befand die Richterin, die Frau lebe offensichtlich in aufrechter Lebensgemeinschaft mit dem Angeklagten, daher "billige" sie ihr ein Entschlagungsrecht zu. Demnach muss eine Ehepartnerin/ein Ehepartner in Österreich nicht aussagen. "Ich bin nach wie vor mit ihm zusammen. Wir haben eine traditionelle Ehe geschlossen", merkte sie an.

Psychotische Episode durch LSD?

Der 36-Jährige soll zum Tatzeitpunkt eine psychotropen Substanz - möglicherweise LSD - intus gehabt haben. Der beigezogene psychiatrische Sachverständige Peter Hofmann meint, dass der Drogenkonsum zu einer "kurzen psychotischen Episode" geführt haben könnte, die "nach wenigen Stunden" wieder abgeklungen sei. Mit
Sicherheit klären ließ sich das vorerst nicht, weil der Angeklagte von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machte und daher auch nichts zu allfällig konsumierten Substanzen sagte.

Prozess vertagt

Die Verhandlung wurde schließlich auf unbestimmte Zeit vertagt. Es wird ein toxikologisches Gutachten eingeholt, die die Frage klären soll, ob eine und allenfalls welche Substanz kausal für die Gewalttat war. Eruiert werden soll das mittels Blutspuren, die der Angeklagte am Tatort hinterlassen hatte und die, so hofft man, noch gesichert sind.


 

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