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Zeremonie in New YorkKurz überreichte Staatsbürgerschaften an NS-Opfer-Nachfahren

Fünf Nachfahren und eine Holocaust-Überlebende bei Zeremonie in New York - Kanzler: "Danke, dass Sie bereit sind, die österreichische Staatsbürgerschaft anzunehmen".

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© APA
 

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat am Dienstagnachmittag einer Holocaust-Überlebenden und fünf Nachkommen von NS-Opfern in New York die österreichische Staatsbürgerschaft überreicht. "Es ist eine Ehre, dass Sie hier sind. Danke, dass Sie bereit sind, die österreichische Staatsbürgerschaft anzunehmen", sagte Kurz bei einer kurzen Zeremonie am österreichischen Generalkonsulat in der Ostküstenmetropole.

Kanzler on tour: Kurz zu Besuch in New York

Kanzler Kurz hat am Mittwoch sein Besuchsprogramm im Big Apple beendet. 

(c) APA/BKA/ARNO MELICHAREK (ARNO MELICHAREK)

Am Montag und Dienstag standen vor allem Termine bei den Vereinten Nationen auf dem Programm.

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Bei der UNO.

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Treffen mit UNO-Generalsekretär António Guterres.

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Gespräch mit der kolumbianischen Vizepräsidentin Lucia Ramirez Blanco.

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Treffen mit Rabbi Arthur Schneier.

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Die Begrüßung.

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Beim Rabbi.

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Für das leibliche Wohl des Kanzlers war bestens gesorgt.

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Auch Kunst und Kultur standen auf dem Programm: Met-Direktor Max Hollein begrüßt Kanzler Kurz vor dem Metropolitan Museum.

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Rundgang im Metropolitan Museum.

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Einer Holocaust-Überlebenden und fünf Nachkommen von NS-Opfern wurde die österreichische Staatsbürgerschaft überreicht.

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Bei der Verleihung der österreichischen Staatsbürgerschaft.

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Die Freude darüber war groß.

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In den Straßen New Yorks.

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Nach dem Abschluss des N.Y.-Besuchs wollte der Kanzler auf Einladung des früheren Google-Chefs Eric Schmidt in den Rocky-Mountain-Staat Montana weiterreisen.

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Den im Einbürgerungsverfahren vorgeschriebenen Deutsch-Test hätte von den sechs Personen wohl nur die 93-jährige Anwältin Evelyn Konrad bestanden, dafür aber mit Bravour. Die Tochter des Fußballtrainers Jenö Konrad berichtete den Journalisten in schönstem Wienerisch, wie sie mit elf Jahren über Lissabon in die USA flüchten musste. Das Schiff habe damals zwei Tage lang darauf warten müssen, in den Hafen von New York eingelassen zu werden, sagte die agile Seniorin im Gespräch mit der APA. Viele Geflüchtete hätten damals in den USA "kein Wort Deutsch" sprechen wollen. Sie selbst habe sich aber immer gedacht: "Das ist die Sprache von Goethe, von Heine, von Schiller."

Sichtlich bewegt war auch der 58-jährige Norman Ross. "Es ist freudig, aber auch traurig, dass meine Mutter nicht hier ist, aber ich spüre ihre Anwesenheit in diesem Raum", sagte der Sohn einer mit 19 Jahren aus Österreich geflüchteten Frau. Sie habe es erst im Jahr 2003 geschafft, erstmals wieder ihre alte Heimat zu besuchen. Dabei habe man im Brooklyn die Erinnerung an Österreich hochgehalten ."Wir hatten ein Bild des Kaisers, bei uns gab es Tafelspitz und Apfelstrudel. Meine Mutter wäre am liebsten ihr Leben lang in Österreich geblieben, aber dann haben die Nazis sie vertrieben", so Ross.

Historische Verantwortung

Kurz begründete die Staatsbürgerschaftsvergabe mit der historischen Verantwortung Österreichs für seine Geschichte. "Wir können nicht ungeschehen machen, welche Verbrechen begangen wurden", sagte er mit Blick auf die NS-Zeit. Österreich könne aber heute alle Formen von Antisemitismus bekämpfen, ein verlässlicher Partner für Israel sein und jüdisches Leben schützen, sagte der Kanzler, ehe er die Staatsbürgerschaftsbescheide überreichte.

Konrad hätte den rot-weiß-roten Pass schon seit Jahren bekommen können, die fünf anderen erst durch eine Gesetzesänderung im vergangenen Herbst. Nun ist es nämlich auch Nachfahren von NS-Opfern möglich, über ein spezielles Verfahren die Staatsbürgerschaft ihrer von den Nazis vertriebenen Vorfahren zurückzubekommen. Die 93-Jährige Konrad sagte, dass alle ihre vier Kinder sich ebenfalls um die Staatsbürgerschaft bemühen werden. Der alleinstehende Ross berichtete, dass er seine ältere Cousine noch davon überzeugen wolle.

Ross sagte im Gespräch mit Journalisten, dass er auch eine Wohnsitzverlegung nach Österreich in Erwägung ziehe. "Ich mag Österreich, weil es dort nicht diese Art von sozialem Aufruhr gibt wie hier", sagte Ross, der sich als Konservativer bekannte. So sei ihm etwa das "Entehren von Denkmälern" ein Dorn im Auge. Ross berichtete auch, dass der schwierigste Teil bei der Erlangung der Staatsbürgerschaft das Beibringen der US-Dokumente gewesen sei. Auf die Ausstellung einer Geburtsurkunde durch die US-Behörden habe er einen Monat warten müssen, so Ross. Im Vergleich dazu seien die österreichischen Behörden "ein Traum" gewesen..

Nach offiziellen Zahlen wurden seit September schon 11.500 Anzeigen gestellt, wobei diese teilweise auch mehrere Personen umfassten. Die zuständige Wiener Landesregierung hat bereits 5.330 Staatsbürgerschaftsbescheide ausgestellt. An den österreichischen Vertretungsbehörden wurden zudem 4.485 Bescheide ausgestellt, von denen 3.225 rechtskräftig sind.

An der Feier in New York nahmen neben Konrad und Ross auch der Geschichtsprofessor Lawrence Wolff (64), die Regisseurin Melissa Hacker (60), der Buchautor Anthony Gottlieb (65) und die Gastronomieexpertin Cassia Schifter (37). Schifters Großvater war im vergangenen Oktober verstorben, noch bevor sein Staatsbürgerschaftsverfahren abgeschlossen werden konnte.

Opfer des NS-Regimes ist laut dem Staatsbürgerschaftsgesetz eine Person, "die sich als österreichischer Staatsbürger oder Staatsangehöriger eines der Nachfolgestaaten der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie oder Staatenloser jeweils mit Hauptwohnsitz im Bundesgebiet vor dem 15. Mai 1955 in das Ausland begeben hat, weil sie Verfolgungen durch Organe der NSDAP oder der Behörden des Dritten Reiches mit Grund zu befürchten hatte oder erlitten hatte oder weil sie wegen ihres Eintretens für die demokratische Republik Österreich Verfolgungen ausgesetzt war oder solche zu befürchten hatte".

Im Nationalrat ist die Gesetzesnovelle im September 2019 unter Übergangskanzlerin Brigitte Bierlein gemeinsam von ÖVP, SPÖ und FPÖ beschlossen worden. Kurz vor der Nationalratswahl wurde damit ein Anliegen umgesetzt, auf das sich die türkis-blaue Bundesregierung verständigt hatte. Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) stellte den Beschluss Ende 2020 in einem APA-Interview in den Kontext der Politik Österreichs, seine historische Verantwortung stärker wahrzunehmen. "Wir verfolgen hier eine Politik, die sehr viel stärker als bisher unsere geschichtliche Verantwortung wahrnimmt. Wir haben die österreichische Staatsbürgerschaft geöffnet für die Nachkommen der Opfer der Shoah", sagte er.

Kommentare (11)
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ichbindermeinung
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keine unheilbringende Kriegswaffen mehr für Ö kaufen od. leasen wegen der Glaubwürdigkeit

dann bitte wegen der Glaubwürdigkeit gleich mal veranlassen, dass das neutrale Zwergenland Ö niemals mehr klimaschädliche Kriegswaffen wie Abfangjäger/Panzer/Kanonen/Raketen etc. um Milliarden ankauft oder aber auch least, wegen der Glaubwürdigkeit; Diese Waffen bringen nur das Unheil wie es die Geschichte lehrt

hfg
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Eigentlich logisch die Vorgangsweise

„Tue Gutes und Berichte darüber“ Es kostet nichts mehr und stellt Österreich in gutes Licht.

a4711
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Blendgranate par ex­cel­lence

da war sogar der Trump ein " Lercherlschas ":
Blenden,schöne Reden ohne Sinn,ablenken von der Größten Korruptionsaffäre der 2 Republik die Ausschließlich seine Türkise Familienpartei betrifft!
da müssen sogar vertriebene Juden herhalten !! unglaublich..
Aber das Ende naht ! siehe Trump

UHBP
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... vor dem 15. Mai 1955 in das Ausland begeben hat, weil sie Verfolgungen durch Organe der NSDAP oder der Behörden des Dritten Reiches ..

Stimmt die Jahreszahl 1955 wirklich? Der Krieg und die NSDAP waren da schon 10 Jahre Geschichte.

metropole
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Publicity

Reine Publicity des BK !!

Peterkarl Moscher
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Kasperltheater

Nach dem Krieg 1945 mußte niemand mehr in die USA flüchten, Österreich war besetzt
und entwickelte sich zur Demokratie. Also haben diese Personen freiwillig das Land
verlassen, wofür jetzt eine Staatsbürgerschaft nachzureichen verstehe ich nicht ganz!

Bluebiru
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@Peterkarl

Was sie alles nicht verstehen, oder besser gesagt, nicht verstehen wollen, gell?

Lodengrün
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Richtig

man hätte das dezent ihm kleinen Rahmen mit ihm machen können. Ist wahrlich nicht der Hit das sie das erst jetzt bekommen. Und jetzt müssen sie noch für seine Propaganda herhalten. Ob sie auch über seine Nähe zu Orban wissen?

dieRealität2020
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Eine hervorragende und bedeutungsvolle menschliche und gesetzliche Handlungsweise Österreichs.

.
Wie die Zahlen zeigen gibt es eine rege Anteilnahme an dieser Möglichkeit. Eine sehr gute Idee von Kurz einige dieser Staatsbürgerschafen direkt in New York auszufolgen.

Rot-Weiss-Rot
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@dieRealität2020

du bekommst wirklich das türkise Verdienszeichen der Familie Kurz.
Egal was, oder wie, es ist alles super was der Kurz macht.

gehtso
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@Rot-Weiss-Rot

der Nick der "Realität 2019/20" ist nicht vollständig ausgeschrieben, da fehlt der Zusatz ..- direkt aus dem Geilomobil in der Lichtenfelsgasse" !
Und wien man sieht, kaum kommt etwas von unserem 3G- Kanzler (geliebt, gesalbt, gepriesen), ist es nicht "Nonsens und Kokolores",