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"Reden tut gut"Hotline gegen die Einsamkeit

Lockdowns und Social Distancing in der Pandemie haben ein wachsendes gesellschaftliches Problem verschärft: das unfreiwillige Alleinsein. Was Einsamkeit bewirken und wie man sie vermeiden kann.

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Depressed young student with face mask sitting on floor back at college or university, coronavirus concept.
Einsamkeit wurde in der Pandemie vermehrt zum Problem von Jungen © (c) Halfpoint - stock.adobe.com
 

"Covid hat viele Menschen in die Einsamkeit gestürzt. Ein Schicksal, mit dem sich niemand abfinden muss. Deshalb haben wir uns das Ziel gesetzt, Menschen ein offenes Ohr anzubieten", sagt der Wiener Ex-Bürgermeister und Volkshilfe-Präsident Michael Häupl über die Initiative "Reden tut gut". 

Dieses Angebot neue Gesprächsangebot richtet sich an alle Wienerinnen und Wiener, die sich einsam fühlen. Denn gerade in urbanen Räumen sind geraten Menschen schneller in unfreiwillige Isolation.  Das gemeinsame Projekt von Volkshilfe, Samariterbund und Pensionistenverband - erreichbar unter der Telefonnummer 01 35 844 - wurde am Donnerstag im Schweizerhaus gemeinsam mit dem Projektpartner HELP Mobile im Wiener Prater vorgestellt. 

48 Prozent aller Haushalte in Wien seien bereits Single-Haushalte, so Häupl weiter. "Selbst, wenn nur ein Drittel oder ein Viertel davon unter Einsamkeit leidet, dann muss man sich dessen annehmen. Die neue Hotline soll man wählen, wenn man mit jemandem reden will - "und wenn man nur Schmäh führen will, ist's auch recht."

Stufen den Einsamkeit

Einer Studie der Uni Wien zufolge stieg die Einsamkeit während der Pandemie eindeutig an. Mitte Jänner 2021 berichteten mehr als 40 Prozent der Befragten von regelmäßig erlebter Einsamkeit. Die Angaben von Frauen und Männern weichen, je nach Jahreszeit, signifikant voneinander ab: "Schon im Frühling und erneut seit Oktober sind Frauen deutlich häufiger von Einsamkeitsgefühlen betroffen als Männer. Im Sommer stellten wir keine nennenswerten Unterschiede fest", schreibt David Schiestl von der Uni Wien.

"Reden tut gut"-Hoptline

Für die Hotline wurden 30 Telefonisten aus allen Altersgruppen aus dem Freiwilligen-Pool der drei Dachorganisationen ausgewählt, darunter 10 türkischsprachige.

Wenn das Projekt gut angenommen wird, ist angedacht, BKS (bosnisch/serbisch/kroatisch) als nächste Sprache ins Angebot aufzunehmen.

Das Gesundheitsportal Österreich unterscheidet drei Phasen der Einsamkeit. Phase eins bezeichnet vorübergehende Einsamkeit. Bei Phase zwei beginnt die Einsamkeit den Selbstwert zu beeinträchtigen. Der sonst natürliche Umgang mit anderen wird zur Herausforderung. Chronische Einsamkeit fällt schließlich unter Phase drei. Ein Teufelskreislauf entsteht: Durch die eingeschränkten Fähigkeiten, mit anderen zu kommunizieren, ist es nicht leicht, neue Kontakte zu knüpfen. Dies führt nicht selten zu Verzweiflung, Depressionen bis hin zum Suizid. Soziale Isolation hingegen stellt jedenfalls ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko dar.

Interessant ist auch, dass jüngere Menschen in den vergangenen Monaten höhere Einsamkeitswerte aufweisen als ältere. Diese Entwicklung habe sich seit November 2020 nochmals verstärkt. Auch wenn die wahrgenommene Einsamkeit im Sommer tendenziell abnimmt, gibt es also ausreichend Bedarf für Hilfsangebote wie die neue Hotline. Und das nicht nur in Wien. Das Konzept zu "reden tut gut" stammt übrigens von der Volkshilfe Steiermark, die im Herbst des Vorjahres damit gestartet ist. Als nächstes überlegt auch die Volkshilfe Oberösterreich, das Konzept zu übernehmen.

Kommentare (1)
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dieRealität2019
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Lesenswert?

Schlicht und einfach eine gute Sache.

Zielführend und effektiv für Menschen die damit zu kämpfen haben. Sollte eigentlich österreichweit betrieben werden. Das sind eigentlich die "richtigen Förderungsnehmer".