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Musikausbildung in ÖsterreichDer Himmel (nicht) voller Geigen

Interview: Die ORF-Show „Goldene Note“ (heute, 21. Mai, 20.15 Uhr) holt Spitzentalente ins Rampenlicht. Aber wie sieht es mit der Breite der Musikausbildung in Österreich aus? Wir fragten den Experten Ernst Smole.

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Laut OECD-Studie ist Österreich Schlusslicht bei der künstlerisch-kreativen Bildung © Imago
 

Wie groß muss die Breite in einer musikalischen Jugendausbildung für so eine Spitze sein, wie sie die ORF-Show „Goldene Note“ zeigt?

ERNST SMOLE: Das kann nicht pauschal beantwortet werden. Wien einerseits und die Bundesländer andererseits sind Räume mit sehr unterschiedlichen soziokulturellen Voraussetzungen: In den Bundesländern geschieht der Instrumentalunterricht für Kinder und Jugendliche fast nur in Musikschulen und ist statistisch gut erfassbar. In Wien dagegen findet der Unterricht primär durch Privatlehrer statt und ist daher statistisch kaum bis nicht erfassbar. Evident ist, dass Spitzenleistungen auf Streichinstrumenten und am Klavier sehr oft aus Wien kommen – vermutlich, weil es in der Kulturstadt Wien Zigtausende Eltern gibt, die selbst Musiker sind. In den Bundesländern wiederum ist der Faktor Blasmusik prägend, der in Wien eine vergleichsweise untergeordnete kulturpolitische Rolle spielt.

Morgen geht in Salzburg das heurige Finale des 1994 gegründeten Jugendmusikwettbewerbs „prima la musica“ mit 543 Teilnehmerinnen und Teilnehmern über die Bühne. Was bringen solche landes- und bundesweit gelegten „Messlatten“?

Den vermutlich höchsten Wert für die Teilnehmer generieren solche Bewerbe dann, wenn es weitsichtigen Organisatoren, Musiklehrern und Eltern gelingt, diese nicht als „Kampf jeder gegen jeden“ zu kommunizieren, sondern als entspannte Treffen junger Musiker, die sich gegenseitig zuhören und voneinander lernen. Denn die Erkenntnis, dass Kinder am besten von Kindern lernen, gilt ganz besonders auch für den Musikbereich.

Woran mangelt es in der Musikausbildung in Österreich?

Weltweit kann man grob zwei Organisationsformen des Instrumentalunterrichts unterscheiden. Einerseits die primär in Europa üblichen nachmittäglichen, schulgeldpflichtigen „Gettomusikschulen“, die meist in eigenen Gebäuden stattfinden und über keinerlei Verbindungen zur Regelschule verfügen. Im angloamerikanischen Raum hingegen findet der gebührenfreie Unterricht auf den klassischen Ensembleinstrumenten – Streicher, Bläser, Schlagwerk – als fixer Bestandteil des Fächerkanons an den Regelschulen in „Orchesterform“ statt. In diesen Modellen beherrschen die Kinder ihre im Ensemble erlernten Instrumente nach kürzerer Lernzeit besser als bei uns in Europa.

Und was sind die Stärken der Musikausbildung hierzulande?

Musikunterricht ist dann stärkenorientiert, wenn er nicht als Musikausbildung angelegt ist, sondern als Musikbildung. Ersteres bedeutet, dass lediglich die Beherrschung des Instruments angestrebt wird, also die „Verwendbarkeit“ junger Musiker in der Blasmusik oder eine Karriere als Wettbewerbsteilnehmer. Bildung aber stellt sich dann ein, wenn Kinder zusammenhängendes Wissen erfahren über das Werk, den Komponisten, die Entstehungszeit et cetera.

Kommentare (1)
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zweigerl
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Hunderte Ursachen

Die Diffamierung der klassischen Kunst, gipfelnd in dieser sagenhaft vertrottelten "cancel culture", die in Beethoven einen kolonialistisch-imperialistischen Vertreter der weißen Unterdrückungsrasse sieht, hat die Einübung des klassischen Kanons weiter zurückgedrängt, nachdem bereits zuvor das (freiwillige!) Lesen von Goethe und das (freiwillige!) Üben von Beethovensonaten von den Peergroups als Tätigkeiten von verzärtelten, streberischen Bürgerkindern diffamiert worden ist. Hinzu kommt die aggressive Musikindustrie, die immer das Neueste verkaufen möchte. Ein weiterer Schub für die Klassikverdrängung ist die Abwahl des abendländischen Kulturparadigmas durch die arabisch-muslimische Immigration, die ihre eigene Kulturtradition tradiert.