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Hugo Portisch beigesetztBundespräsident würdigte seine begeisternde Suche nach Wahrheit

Einer der bedeutendsten Journalisten der Zweiten Republik tritt seinen letzten Weg an. Hugo Portisch wurde im engsten Kreis beigesetzt. Bundespräsident Alexander Van der Bellen dankte ihm für sein "journalistisches Schaffen, das unser Land tief geprägt hat."

Journalistenlegende Hugo Portisch wurde im Beisein von Bundespräsident Van der Bellen beigesetzt
Journalistenlegende Hugo Portisch wurde im Beisein von Bundespräsident Van der Bellen beigesetzt © APA/Bundesheer/Peter Lechner
 

Die am 1. April verstorbene Journalistenlegende Hugo Portisch wurde am 29. April im engen Kreis aus Familie, Freunden und Wegbegleitern beigesetzt. ORF III übertrug die Trauer-Zeremonie, die aufgrund der pandemiebedingten Sicherheitsmaßnahmen öffentlich nicht zugänglich war.

Neben Bundespräsident Alexander van der Bellen war auch der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig bei der Trauerfeier zugegen. Van der Bellen sagte in seiner Rede, dass "es nicht leicht ist Worte zu finden, angesichts dieser verstummten Stimme". Portisch habe sich dem Erhellen verschrieben und dankte ihm für ein "journalistisches Schaffen, das unser Land tief geprägt hat" und seine "begeisternde Suche nach Wahrheit". "Und doch, was mir wichtig ist, entzog sich dieser kritische Geist der Verlockung des allzu Einfachen."

Johanna Rachinger, Generaldirektorin der Österreichischen Nationalbibliothek, wurde in einem Beitrag eingespielt: "Hugo Portisch war ein ganz großer Unterstützer des Hauses der Geschichte."

Trauerfeier für Hugo Portisch

Michael Ludwig nannte Portisch in seiner Videoeinspielung einen glühenden Österreicher und Europäer: "Er war sehr gerne in Wien, aus diesem Grund ist er Ehrenbürger von Wien. Er wird unvergessen sein. Hugo, alles Liebe, ein letztes Glückauf." Die Feierlichkeiten umrahmten die "Hot Jazz Ambassadors", Portisch hatte dies selbst bestimmt. Unter anderem spielten sie "Just a Closer Walk With Thee". Sein Freund und Journalist Heinz Nußbaumer nannte Portisch einen Glücksfall und fügte hinzu: "Wie selten wir beide über Leben und Sterben geredet haben, ja, über unsere Erlebnisse als Augenzeugen. Aber kaum jemals ist dabei unsere persönliche Vorbereitung auf diese unausweichliche Perspektive des Menschseins zur Sprache gekommen."

Screenshot ORF III Heinz Nußbaumer bei seiner Trauerrede
Heinz Nußbaumer bei seiner Trauerrede © Screenshot ORF III

Im Rahmen der Sendung meldete sich Roland Adrowitzer aus dem ORF-Zentrum und blickte auf das bewegte Leben und Wirken Portischs zurück und begrüßte den langjährigen Portisch-Verleger Hannes Steiner zum Gespräch. Vor der Übertragung hat ORF III mit "Österreich II ‒ Aufbruch aus dem Chaos" einen Teil von Hugo Portischs und Sepp Riffs bekannter Dokumentarreihe gezeigt. Anschließend an die rund 60-minütige Trauerfeier erinnert die Doku-Trilogie "Hugo Portisch ‒ Aufregend war es immer" (ab ca. 16.05 Uhr) nach der gleichnamigen Biografie an den Doyen des österreichischen Qualitätsjournalismus.

Screenshot ORF III Trauerfeier im engsten Kreis
Trauerfeier im engsten Kreis © Screenshot ORF III

"Erklärer der Nation"

Der breiten Öffentlichkeit wurde Portisch als Chef-Kommentator des ORF-Fernsehens bekannt. Wie kein Zweiter beherrschte er die Kunst, komplizierte Sachverhalte in einfachen Worten zu erklären und Wissen mit hoher Kompetenz, aber ohne erhobenen Zeigefinger zu vermitteln. Mit seinen Fernsehserien "Österreich I" und "Österreich II" wurde er zur Inkarnation eines kollektiven österreichischen Geschichtsbewusstseins.

Der am 19. Februar 1927 in Preßburg geborene Hugo Portisch studierte in Rekordzeit Geschichte, Germanistik, Anglistik und Publizistik. Bereits 1948 begann er als Redaktionsaspirant der "Wiener Tageszeitung", zwei Jahre später wurde er Leiter der Außenpolitik. Nach einer Zwischenstation als Leiter des Österreichischen Informationsdienstes in New York begleitete Portisch in einem kurzen, aber historisch bedeutsamen Zeitraum Bundeskanzler Julius Raab als Pressesprecher bei Staatsbesuchen in den USA.

1955 holte ihn Hans Dichand, damals Chefredakteur, als Stellvertreter in den neugegründeten "Kurier". Nach Dichands Abgang aus der damals größten Tageszeitung wurde Portisch 1958 Chefredakteur. 1967 wechselte er als Chefkommentator in den ORF ‒ und wurde eines der Aushängeschilder der Bacher’schen Informationsoffensive.

Für seine Arbeit wurde Portisch u.a. mit dem Karl-Renner-Preis, dem Österreichischen Staatspreis, der Goldenen Kamera und dem Fernsehpreis "Romy" ausgezeichnet. 2018 wurde er zum Wiener Ehrenbürger ernannt, im Herbst 2019 erhielt er das Goldene Ehrenzeichen der Republik. Seine Autobiografie "Aufregend war es immer" wurde zu seinem 90. Geburtstag ergänzt und neu aufgelegt. Damals legte er auch mit "Leben mit Trump ‒ ein Weckruf" eine damals hochaktuelle Betrachtung des Umbruchs in den USA und dessen internationale Folgen vor.

 

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Danke für Ihr Verständnis.

gonzolo
1
3
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Und ich sag mal Danke …

für all das, was er mir mit Eloquenz und Leidenschaft a bisserl heller in meiner Dunkelheit gemacht hat …

Mezgolits
8
1
Lesenswert?

Bundespräsident würdigte seine begeisternde Suche nach Wahrheit

Vielen Dank - ich meine: Von meiner begeisterten Suche
nach Wahrheit, sind nicht alle Personen begeistert. ESM