LokalaugenscheinVerschärfte Corona-Maßnahmen in Lustenau und im Bregenzerwald

Nicht alle Betroffenen können das nachvollziehen. Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrerschaft fühlen sich als Opfer.

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Ausreisekontrollen im Bregenzerwald
Ausreisekontrollen im Bregenzerwald © APA
 

In Wien wird am Dienstag entschieden, ob die Corona-Maßnahmen verlängert werden. Vorarlberg – seit Mitte März die Modellregion für großflächige Öffnungen – kämpft dagegen mit stark steigenden Infektionszahlen. Zurück in den Lockdown will man dort trotzdem nicht. Aber: Zum Bäcker ums Eck nur mit der Maske? Das spielt sich in Lustenau und zwölf Bregenzerwälder Gemeinden seit Montag nicht mehr, bringen es die "Vorarlberger Nachrichten" auf den Punkt.


In Lustenau wurde ein Radius von 500 Metern um das Zentrum als „Sperrzone“ definiert, in Alberschwende, Andelsbuch, Bezau, Bizau, Egg, Hittisau, Krumbach, Lingenau, Mellau, Reuthe, Riefensberg und Schwarzenberg dürfen die Ortszentren nur noch mit Maske und negativem Coronatest betreten werden. Zudem wurde für den Bregenzerwald die Ausreisetestpflicht um eine Woche verlängert.
Grund für die verschärften Maßnahmen sind die nach wie vor teilweise stark steigenden Infektionsfälle. „Tests und Masken sind vertretbar“, betonte Landesrätin Martina Rüscher (ÖVP). Sie schloss auch nicht aus, dass es in weiteren Gemeinden des Landes zu ähnlichen Schritten kommen könnte. Als Ursache für das Aufflammen der Infektionen nannte sie vor allem private Treffen, auch den „Feierabendhock“ und die Mittagspause sowie den Bildungsbereich.


Nicht gut kommt das bei Lehrern und Schülern in Lustenau an, wo wie in allen betroffenen Gemeinden die Schüler wieder ins Distance Learning zurückkehren, ausgenommen die Maturaklassen. „Es ist frustrierend. Kaum werden Lockerungen vom Ministerium verkündet, erwischt es genau uns wieder voll.“ Sarah March (17) schüttelt den Kopf. Sie besucht die 7b am BG Lustenau. „Was können wir dafür, dass die Corona-Entwicklung in Lustenau so ist, wie sie ist?“ Dem schließt sich auch Direktorin Ulrike Fenkart an. „Wir Lehrer sind so deprimiert wie die Schüler. Heute kommen viele von der Oberstufe noch einmal her, um Unterlagen zu holen. Dann ist für sie wieder einige Zeit Schluss mit Präsenz.“ Gemeinsam ist Lehrern und Schülern: Sie fühlen sich als Opfer einer Entwicklung, zu der sie nichts beigetragen haben.


Schauplatzwechsel an die HAK/HAS in der Neudorfstraße. Dort entflieht Direktor Johann Scheffknecht kurzfristig dem tristen Coronaalltag. Gemeinsam mit Experten bespricht er ein ökologisches Gartenprojekt der Schule. „Wenn wir doch nur über solche Dinge reden könnten“, seufzt er. Genau das meint auch Siebtklässlerin Tina Negovanovic (17). „Distance Learning ist viel anstrengender als Präsenzunterricht. Ich brauche Lehrer, die mir in der Klasse sagen, was ich falsch mache. Für die Matura haben wir jetzt schon viel Stoff verpasst. Es wird noch mehr.“
Lukas Amann (17) stößt ins selbe Horn. „Ich kann das nicht nachvollziehen. Wir haben geimpfte Lehrer, werden regelmäßig getestet, wir sind doch sicher. Jetzt werden wir wieder verbannt, während die Gastronomie offen bleibt.“ Auch Renate Burger von der Schulkantine bereitet die Entwicklung alles andere als Freude. „Der Umsatzverlust im vergangenen Jahr beträgt rund 50 Prozent.“

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