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Evangelischer BischofChalupka fordert von Regierung mehr Realitätssinn ein

Der evangelische Bischof sieht Eingeständnis von Fehlern wichtig für Vertrauensbildung. Er fordert die Aufnahme von Flüchtlingsfamilien.

© APA/Roland Schlager
 

Der evangelisch-lutherische Bischof Michael Chalupka fordert von der Politik mehr Realitätssinn ein. "Ich würde mir erwarten, dass man Versäumnisse und Fehler auch eingesteht. Erst dann ist es auch wieder möglich, das Vertrauen vonseiten der Bevölkerung wieder herzustellen", sagte er im APA-Interview. Dies gelte sowohl für die Aufnahme von Flüchtlingen, als auch den Umgang mit der Coronakrise und den Terroranschlag von Wien.

Was laut Chalupka Teile der Bevölkerung nicht verstehen ist, dass Fehler "nicht benannt werden, analysiert werden und dass man stattdessen die Schuld bei anderen sucht und auf Sündenböcke zielt. Ich denke, mehr Realitätssinn, nüchterne Analyse, Eingeständnis von eigenen Versäumnissen und Fehlern würde der Bundesregierung nur mehr Vertrauen und Seriosität vermitteln", befindet der evangelische Bischof und ehemalige Diakonie-Direktor.

Dies betrifft auch jene "Elendslager" für Flüchtlinge auf EU-Boden, "in denen Menschen dahinvegetieren, in denen Kinder am Boden schlafen, in denen Ratten Babys Verletzungen zufügen. Die Regierung hat uns gesagt, sie helfe vor Ort und es gäbe einen Pulleffekt. Beides ist nicht eingetreten. Das heißt, wir sind direkt dafür verantwortlich", erinnert der Bischof - "Deswegen habe ich kein Verständnis dafür, dass unsere Bundesregierung darauf beharrt, niemand aus diesen Lagern zu evakuieren". Stattdessen sollte sie möglichst vor Weihnachten ein Zeichen setzen und Familien aufnehmen.

In der anhaltenden Coronakrise hat sich das Netzwerk der evangelischen Gemeinschaft bewährt, resümiert Chalupka. Eine Lehre für die Gesellschaft sei, "dass wir Räume brauchen, wo Gemeinschaft geübt wird, wo miteinander etwas gegen die Einsamkeit gesetzt wird". Hoffnung setzt der evangelische Bischof daher in den von der Regierung angekündigten Pakt gegen Einsamkeit: "Wichtig ist, dass unmittelbar für die Zeit nach der Pandemie Nachbarschaftsprojekte geplant und finanziert werden."

Wunsch nach einem "öffentlichen Trauergedenken"

Noch eine weitere Lehre für die Gesellschaft zieht Chalupka aus der Pandemie: Viele Menschen seien in dieser Zeit einen "bitteren einsamen Tod" durch Covid-19 gestorben. "Ich denke, wir sollten als gesamte Gesellschaft dieser Toten gedenken, ihre Namen nennen, an ihre Lebensgeschichten erinnern, bei ihren Angehörigen stehen in ihrer Trauer", wünscht sich der Bischof "ein öffentliches Trauergedenken für die vielen Toten der Coronapandemie" und deren Angehörige.

Keine Frage ist für Chalupka, dass er sich sofort - "wenn ich dran bin" - impfen lassen wird. Gegner oder "Skeptiker" erinnert er: "Wir erleben mit dieser Coronapandemie eine Zeit, wie wir sie in unserer Generation noch nicht erlebt haben. Wo auch die Erinnerung zu verblassen beginnt, dass Impfungen die Menschheit von schweren Krankheiten und auch epidemischen Phänomenen befreit haben." Es sei daher "moralisch und ethisch geboten", sowohl zum eigenen Schutz, als auch zum Schutz der anderen sich impfen zu lassen.

Bei der Aufhebung der Strafbarkeit der Beihilfe zum Suizid durch den Verfassungsgerichtshof (VfGH) sieht der Bischof nun den Gesetzgeber gefordert. "Einer der wichtigsten Punkte ist, dass Ärztinnen und Ärzte nicht dazu verpflichtet werden können, Beihilfe zum Suizid zu leisten", meint er. Zudem sollte dies auf Fälle von Kranken ohne Aussicht auf Heilung und Sterbenden beschränkt bleiben. Nicht zuletzt fordert Chalupka den flächendeckenden Ausbau der Palliativversorgung, denn: "Auch in der Phase des Sterbens ist das der beste Schutz gegen den Wunsch nach dem assistierten Suizid."

Fehleranalyse gefordert

Eine umfassende Fehleranalyse fordert Chalupka auch bei der Aufarbeitung des Terroranschlags von Wien und das, bevor neue Maßnahmen gesetzt werden. "Die Frage ist aber, ob nicht auch die gesetzlichen Regelungen, Strafbestimmungen und Maßnahmen, die geherrscht haben, nicht schon dazu führen hätten müssen, diesen Terroranschlag zu verhindern."

Seit Beginn seiner Amtszeit strebt Chalupka auch einige Veränderungen an, die auch der fortschreitenden Säkularisierung geschuldet sind. So sollten sich die Gemeinden stärker vernetzen, Glaubensüberzeugung solle öffentlich gelebt werden. Zukunftsfähig müsse man auch im Klimaschutz werden, denn: "Die evangelische Kirche ist auf dem Weg zu einem Konzept, klimaneutral zu werden." Nicht zuletzt gehe es um die Bewahrung der Schöpfung.

Kommentare (14)
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ordner5
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Nachdenken.

Herr Chalupka und seine Mitstreiter, sollten sich eher Gedanken über die stetig sinkenden Geburtenziffern in Österreich machen. Eine der Hauptursache, es fehlt eine beträchtliche Anzahl an Kindergarten Plätzen. Z. B. in unserer Gemeinde sind fürs komme Jahr über 100 Anmeldungen eingegangen, aber nur 11 Kinder können aufgenommen werden. Es fehlt Geld an allen Ecken, also bitte zuerst das eigene Haus versorgen, bevor man großzügig Ausgaben tätigt, über die man, was auch noch zutrifft, gar nicht verfügt.

WSer
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Was die Elendslager in Griechenland betrifft:

"Der Blick für eine Handlung sollte weiterreichen - auch auf die darauf zu erwartenden Folgen."

Wenn wir glauben 50 Menschen aus Griechenland retten zu wollen, müssen wir uns bewusst sein, dass wir

- zig Tausenden Mut machen, ihre Zelte anzuzünden
- Aber-Millionen eine Hoffnung geben, zu einem langen, qualvollen Weg aufzubrechen
- einigen kriminellen Schlepperbanden zu Milliardengeschäften verhelfen und
- Aber-Tausende Tote im Meer ertrinken lassen

Wenn jemand sein Gewissen beruhigen will, dann gibt es genug Asylanten in Österreich mit Bleiberecht, die noch in Lagern hausen. Nehmen sie diese auf und bemühen sie sich für sie um einen Arbeitsplatz. Und darüber hinaus: Ja, zur Hilfe vor Ort.

WSer
2
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Herr Chalupa: Halten Sie sich bitte mit ihren Vorwürfen etwas zurück

Ein kurzer Blick in die Nachbarländer wird ihnen die Augen öffnen, was die volkswirtschaftliche Situation dort, im Vergleich zu unserer betrifft.

Fakt ist, dass die Sparquote des österreichischen kleinen Mannes (Klein- und Mittelverdiener) während der Corona zeit erheblich gestiegen ist. Dies ist wohl das deutlichste Zeichen, dass die Maßnahmen der Regierung richtig waren und auch angekommen sind.

Und den einzigen richtigen Ratschlag den ich in den letzten Tag gehört habe, der kam vom Finanzminister, der meinte: "Das beste Mitte um die Konjunktur wieder in Schwung zu bringen ist der Optimismus."

Und das was sie mit ihren Sudern betreiben, ist genau das Gegenteil.

bam313
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Jawohl Hr. Bischof!

Ich heiße ihre Worte gut.
Aber passen sie bitte auf, denn die katholische ÖVP ist nicht zimperlich.
Das wissen sie selbst genauso wie ich, aber ich muss davor dennoch warnen.
Der Heilige Sebastian führt etwas ganz anderes im Schilde ...

Meine Unterstützung als Lutherianer haben sie.
Und danke für diese Worte.
Irgendwann dürfen wir uns diesen Schwachsinn vom Kurzen nicht mehr gefallen lassen.
Nur brauchen wir nun bei Gott nicht auch noch einen Glaubenskrieg.
Der Sebastian versteht das nämlich nicht und wenn solch ein Fall eintritt, dann schießt er scharf.
Halten sie es wie ich:
Der klügere gibt nach, denn der Dumme bringt sich eh selbst um ...

Eisapfel00
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Kirche

Die Kirche sowie die sogenannten Künstler sollen sich wenigstens in der Ruhigen Zeit aus der Politik bzw. aus der Öffentlichkeit ZURÜCKHALTEN:
Danke

bam313
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Was?

Wem wollen sie denn das Wort verbieten?
Ich bin froh, dass unsere Künstler die Pappen aufmachen und sich nicht alles gefallen lassen.
Bei der Kirche muss man dies differenzierter sehen ...
Deren Vertreter wissen nämlich ganz genau, dass dies ein Spiel mit dem Feuer ist, wenn sie sich einmischen.

RonaldMessics
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warum????

Ist völliger Blödsinn. Jeder hat das Recht sich zu Wort zu melden, nicht nur sie mittels Posting.

Limone2
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Herr Bischof ....

...... wer hilft den griechischen Bewohnern auf den Inseln wenn im Herbst die Regenfälle kommen? Das Flüchtlingslager ist ja keine Ausnahme! Die Dörfer auf den Inseln werden ja gleichermaßen überschwemmt und zugerichtet! Kein Wort hiervon? Weder in Medien, noch in Glaubensgemeinschaften, etc.

duMont
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Griechen und Türken

sollten abrüsten und ein paar teure Panzer und Flugzeuge verkaufen. Dann könne sie sich und den Flüchtlingen wieder ein warmes Essen kochen.

voit60
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Wie wäre es in dem Fall

Mit Hilfe seitens der Griechen selbst.

RonaldMessics
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@voit60 und @Limone2

Nicht nur dass ihr zu feige seit zu eurer Meinung mit dem Namen zu stehen, und nicht mit Pseudonym, muss ich euch leider sagen, ihr seit der typisch moderne Konsumchrist. Zumindest outet ihr euch derart.

smithers
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"Das heißt, wir sind direkt dafür verantwortlich"

Das stimmt ja überhaupt nicht. Wie kommt der gute Mann eigentlich auf diese Idee?
Der geehrte Bischof sollte sich auch nochmals die Medienberichte der letzten zwei Tage ansehen, da wurde ganz klar in der Person des griechischen Migrationsministers dementiert, dass dort jemals Babys von Ratten gebissen wurden.
Und genau dieser Mann fordert dann von der Regierung noch mehr Realitätssinn. Das passt nicht ganz zusammen.

Limone2
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Glaub ich auch nicht

Ratten flüchten bei Wasser und knappern nicht an gesundem Menschenfleisch

auer47
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Parteipolitik

Die Evangelischen, besonders deren Führungsschicht gefallen sich in sehr starker, linksorientierter parteipolitisch geprägter Polemik. Soll so sein. Eigentlich vernachlässigbar