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Caritas bis MinisteriumBreite Front gegen flächendeckende Schulschließungen

Kinder- und Jugendanwaltschaften, die Caritas sowie die Wirtschaftskammer haben sich unter anderem gegen eine Ausweitung von Distance Learning ausgesprochen.a

© APA/Helmut Fohringer
 

Die Front gegen mögliche Schulschließungen wird immer breiter. Am Mittwoch haben sich u.a. die Kinder- und Jugendanwaltschaften, die Caritas sowie die Wirtschaftskammer gegen eine Ausweitung von Distance Learning ausgesprochen. Stattdessen sollten gegebenenfalls flexiblere Lösungen wie Klassenteilungen, eine Mischform aus Präsenz- und Fernunterricht sowie zusätzliche Räume bzw. Lehrer angestrebt werden, so etwa die Kinder- und Jugendanwältinnen und -anwälte in einer Aussendung.

Die Wirtschaftskammer verwies auch auf die Folgewirkungen für zahlreiche Betriebe: "Schließungen von elementaren Bildungseinrichtungen sind sowohl aus wirtschaftlicher als auch aus gesellschaftspolitischer Sicht abzulehnen", betonte Vizepräsidentin Martha Schultz in einer Aussendung. Sie brächten sowohl für die Kinder als auch Betriebe und Beschäftigte gravierende Nachteile. So wären etwa viele der rund 130.000 österreichischen Unternehmerinnen von einer derartigen Maßnahme, die wieder intensive Betreuungspflichten bzw. Distance Learning und Home Schooling mit sich bringen würden, massiv betroffen. "Rund zwei Drittel aller weiblichen Selbstständigen sind Ein-Personen-Unternehmen (EPU), also im Job auf sich alleine gestellt. Wir wissen zudem aus aktuellen Umfragen, dass es nach wie vor zumeist die Frauen sind, die die Doppelbelastung von Job und Familie bzw. betreuungspflichtigen Kindern stemmen müssen", so Schultz.

Auf die Erfahrungen des Frühjahrs verwies Caritas-Generalsekretärin Anna Parr. "Viele Kinder und Jugendliche haben während des ersten Lockdowns Bildungsrückstände aufgebaut, das haben wir auch in unseren Lerncafés in ganz Österreich beobachtet. Die Kinder konnten das in den Sommerschulen nur teilweise aufholen", so Parr in einer Aussendung. Sozial benachteiligte Kinder würden während Schulschließungen besonders auf der Strecke bleiben: In vielen Familien müssten sich mehrere Kinder einen Laptop oder ein Tablet teilen, oft gebe es auch keinen ruhigen Ort in der Wohnung, an den sich Kinder zum Lernen zurückziehen können. Statt Schließungen sollte an den Schulen selbst die Maßnahmen nachgeschärft werden - etwa durch Unterricht in Kleingruppen, Aufteilung auf Vormittags- und Nachmittagsgruppen oder auch die Ausweitung der Mund-Nasen-Schutz-Regelungen.

Ähnlich äußerten sich auch die Österreichische Gesellschaft für Kinderschutz Medizin (ÖGKiM) und das Institut für Ethik und Recht in der Medizin (IERM) der Universität Wien. Es brauche auch während der COVID-19-Pandemie keine Schulschließungen, wenn die Schutzmaßnahmen streng eingehalten werden, hieß es in einer Aussendung. "Dies betrifft konkret ein durchgehendes Tragen von MNS Masken, auch in der Klasse. Zudem gelingt es sicher in vielen Klassen auch, die Schultische möglichst weit auseinanderzustellen und bei Reihen darauf zu achten, dass zwischen den Schülerinnen und Schülern der Mindestabstand von einem Meter besteht." Klassenlehrer würden die Kinder kennen und auch entscheiden können, welche Kinder sowieso eng befreundet sind und darauf achten, dass diese zwei oder drei möglichst zusammensitzen und andere getrennt sind. "Selbstverständlich" sei es aber auch, dass kranke Kinder und Jugendliche daheimbleiben müssen.

Auch die Ärztekammer plädierte am Mittwoch in einer Aussendung für ein Offenhalten der Schulen. Kinder würden sich seltener infizieren, weniger häufig symptomatisch erkranken und das Virus seltener weitergeben als Erwachsene, verwies man auf eine Stellungnahme der Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ). Statt weitere Schulen zu schließen, solle daher auf weitere Präventionsmaßnahmen gesetzt werden, etwa eine Maskenpflicht der Lehrer außerhalb der Klassen, höhere Mindestabstände, flexible Schulstart- und -endzeiten oder auch das Anbringen von Plexiglasscheiben.

"Fernlehre hat nicht den gleichen Effekt und funktioniert nur in sehr kleinen Gruppen gut", argumentiert der Erziehungswissenschafter Rudolf Egger, Dekan der Umwelt-, Regional- und Bildungswissenschaftlichen Fakultät an der Uni Graz, in einer Aussendung gegen eine Umstellung auf Distance Learning an weiteren Schulen. Gerade im Pflichtschulbereich müsse Präsenzunterricht aufrechterhalten werden, selbst wenn nur im Schichtbetrieb. Längere Schulpausen würden nicht nur Lernerfolge beeinflussen, sondern könnten auch soziale Ungleichheiten verstärken, warnte er. Außerdem wüssten Lehrer in der Regel kaum, ob Schüler etwa ein eigenes Zimmer, einen Schreibtisch, unterstützende Eltern oder eine stabile Infrastruktur hätten. Er wünscht sich eine umfassende Erhebung der Lernvoraussetzungen, um daraus Maßnahmen abzuleiten.

Auch SPÖ und NEOS haben ihre Forderung nach offenen Schulen und Kindergärten am Mittwoch wiederholt.

Kommentare (17)
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BachHendl
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Das sind aber „gediegene“ …

Argumente und Kausalketten, die uns da der Herr Auer in einem anderen Artikel mitteilt:
- die Infektionen sind nach wie vor „sehr hoch“ …
- es gibt „keinen Rückgang“ der Infektionen …
- die Lage ist „sehr sehr ernst“ …
- einige Krankenhäuser sind bereits voll – die anderen am besorgniserregenden Weg dorthin …
- usw.

Jetzt würde man ja meinen, dass er dann mitteilt, dass kein Weg daran vorbeiführt, die Schulen umgehend zu schließen und auf home-schooling umzustellen, um die drohende Triage abzuwenden – aber weit gefehlt! … Nein. Man muss das nun unbedingt „so lang nur irgend möglich“ hinauszögern, weil … tja, weil? … Keine Ahnung.

Das ist in etwa so, als sagte man einem, der seine Hand auf der schon sehr heißen Herdplatte hält, er solle sie ja nicht wegnehmen – erst dann, wenn´s schon wegraucht und die Hand verbrannt ist.

Kirby
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Ich kenne genug,

die -obwohl mind. 1 zuhause ist!!! - gegen Schließung sind, weil sie offenbar zu genervt von dem eigenen Nachwuchs sind und ihnen der freie halbe Tag wichtiger ist als die zig Tausend Neuinfektionen täglich. DAS ist der "mündige, wahlberechtigte" Bürger! Traurig, dass die Politik auch noch auf solche Rücksicht nimmt, weil sie nicht als Buhmann dastehen will.

UHBP
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@kir...

Ich kenne keine, ...
Aber das hängt wahrscheinlich vom Milieu ab in dem man lebt.

helmutmayr
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Ich würde sagen

Masken ab 1. KLASSE Mittelschule für Lehrer und Kinder.
Schulstunde 50 min. 10 min lüften.
Wie haben dieser Generation schon die Zukunft durch die Umweltverbrechen und der damit verbundenen die Klimakrise vermasselt. Die Staatsschulden werden es auch nicht besser machen.
Jetzt nehmen wir Ihnen noch die Bildung. Ich weiß für meine 4 Enkel keine ehrliche Antwort.

Irgendeiner
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Vorbereiten,Reduzierung der Klassengröße, Einbau von Luftfilter

hätten wir uns vorher müssen und Probeläufe hätte es auch gebraucht,aber da hat ein Studienabbrecher lieber zum Eigenlob auf Pressekonferenzen gefuchtelt,dafür ist es jetzt zu spät, wir rasen bereits in den Abgrund,wenn ma Schulen zumachen wirds nur weniger schlimm,aber das muß Pronto gehen.

Kirby
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Irgendeiner,

Und die meisten, die über den "Studienabbrecher" lästern, der immer noch einen besseren Job macht, als die alten Herrn der vergangenen Jahre, haben gerade mal einen Pflichtschulabschluss...

Irgendeiner
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Und du erklärst auch wie der freche sprechende Pantomime

Experten zu Nichtexperten wo Du vom Fach keinen Tau hast,erzähl mehr.Geht nicht um den Abschluß, geht um freche Anmaßungen und freche Lügen,ich kann übrigens flächig beurteilen ob er murkst,Du auch?

Irgendeiner
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Müßtma halt Metastudien im Lancet lesen:

"The authors also looked at the impact of lifting measures. An increasing trend in R was found following the relaxation of five measures, with an increase after 28 days for the lifting of bans on public gatherings of more than ten people (25%), school closures (24%), public events ban (21%), and internal movement limits (13%), and requirements to stay at home (11%). However, the increase was significant only for reopening school and lifting bans on public gatherings of more than ten people. "
Ich versteh schon ,mit Ausnahme der Wirtschaftskammer die ich,nachdem Mahrer beim ersten Mal frech Virologen zurief was geht und was nicht und jetzt wieder,der kleine Betriebswirt, gegen den Shutdown war,irgendwann reichts halt,überhaupt nicht mehr melden hören möchte,ich versteh also, daß viele andere sich um anderes Sorgen machen,aber Kinder sind also bei offenen Schulen ein wesentlicher Faktotr und wir fahren schon an die Wand,und wenn Familienmitglieder tot sind ist das noch viel traumatischer als alles andere.

wiesengasse10
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Ich kann das alles gut verstehen...alle diese Argumente haben was für sich !

Bloß: auch heute wieder über 7000 Fälle, 41 mehr auf Intensiv - der Worstcase (Überfüllung der Intensivstationen) rückt näher. Daher bitte ich alle, die (verständlicherweise !!) Schulschließungen ausschließen...was sind eurer Meinung die Alternativen ? Welche Maßnahmen wären vorzuziehen ?? Eine derartige lösungsorientierte Herangehensweise würde all diesen Äußerungen/Forderungen gleich viel mehr Gewicht und Bedeutung geben !!

jwind
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Schulschließungen sind nicht treffsicher

In dem Artikel steht auch, dass die Ärztekammer sich mit guten Begründungen gegen Schulschließungen ausspricht. Schulen zu schließen gehört zu den Maßnahmen, die radikal sind aber trotzdem die Corona-Zahlen, vor allem die Krankenhaus-Aufenthalte, nicht senken werden. Da muss es schon andere Maßnahmen geben, die treffsicherer sind. Nur ein sehr kleiner Teil der Infektionen ist auf den schulischen Bereich zurückzuführen. Und da waren es eher die Lehrer, welche die Infektionen in die Schulen gebracht haben und nicht die Schüler.

rehlein
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Nur ein kleiner Teil....

....der Infektionen ist auf den schulischen Bereich zurückzuführen...

Dem würde ich so nicht zustimmen...

Man weiß nur, dass die unter 14-jährigen selbst meist nicht schwer erkranken, aber sie tragen genausoviel Viruslast wie ein Erwachsener und können es dementsprechend auch so weitergeben.

Wir haben dzt. einige Patienten stationär, die nicht mit Sicherheit sagen können, wo sie sich angesteckt haben, aber dass die Kinder davor Erkältungssymptome, Husten, Durchfall, Erbrechen, etc. hatten.

Teilweise wurden die Kinder pos. getestet, teilweise wurden die eher leichten Symptome der Kinder keinem Arzt vorgestellt, also auch nicht getestet.

Wir hinterfragen sehr genau wo sich unsere Patienten angesteckt haben könnten, und Zusammenhänge mit Kindern sind beim Großteil vorhanden.

Ich sehe das Offenhalten der Schulen bei den derzeitig hohen Infektionszahlen für unverantwortlich, denn an Kindern hängen immer ganze Familienverbände dran, und der vulnerable Teil der Familien ist gefährdet schwer zu erkranken.

Auch wenn nur wenige Pflichtschulkinder infiziert sind und Familienangehörige anstecken, entsteht dabei ein Prozentsatz an Schwerkranken, den wir eigentlich nicht mehr verkraften können, denn wir bekommen jetzt tagtäglich erst die Infektionen von vor 10-14 Tagen.

Dasselbe gilt für Geschäftsschließungen um 19.00 - die machen das Kraut nicht fett.

Schulen und Geschäfte JETZT schließen, und nicht zuwarten und evaluieren, das kostet nur Zeit.
Verantwortlich ist dann wer?

schulzebaue
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ja genau

verkaufen wir die Zukunft unserer Kinder:

Keine Schulbildung
Einen Rucksack voller Schulden
Eine Wirtschaft die an der Wand steht
"Wohlerworbene Rechte" wie Pensionen und Gesundheitsversorgung auch der baby boomer die bald mit den Pensionierungen anfangen.

Gottseidank gibt es jetzt eine breite Front die sich für unsere Kinder einsetzt.

Ich hoffe sehr, daß diese durchsetzungsstark genug ist.

Mein Graz
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@schulzebaue

Tolle Alternativ-Vorschläge!
Ich an @wiesengasse10 -s Stelle würde mir verscheixxert vorkommen.

wiesengasse10
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Das waren jetzt tolle Vorschläge von dir !

Danke, bist ein wahrlich wertvoller Zeitgenosse....

Gelernter Ösi
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Schön langsam sickert es:

Die Schweden haben ihren Bewohnern reinen Wein eingeschenkt.
Unsere Herrschaften haben mit Maßnahmenwirrwarr emsige Betriebsamkeit suggeriert. Geholfen hats genau gar nichts. Außer, dass wir uns kollektiv ein paar Wochen lang aber sowas von gut vorgekommen sind. Einreisesperren haben wir verhängt, gegen die Saubartln rund um uns herum! Weil wir ja die drei geilen Ings bewerkstelligen: Social distancing, home schooling, contact tracing. Na wartet, ihr Superspreader!

pesosope
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Gelernter Ösi

Sie haben vollkommen Recht, die Schweden haben nur 10 mal so viele Tote wie wir. Das ist doch viiieeel superer, gell.
Über Leute wie Sie kann man nur den Kopf schütteln

Mein Graz
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@Gelernter Ösi

Und wieder Schweden. *seufz*

Schau dir mal die Infektionszahlen von Schweden an, denen hat ihr Weg auch nicht geholfen. Sie haben allerdings ein vielfaches an Todesfällen zu beklagen. Und nicht wieder schreiben, dass sie da "halt Fehler gemacht haben", dadurch werden die Toten auch nicht wieder lebendig!
Und schau dir an, welche "Empfehlungen" die Schweden jetzt haben. Ob sie sich dran halten wird die Zukunft zeigen. Vielleicht sind die Schweden allerdings klüger oder disziplinierter oder weniger egoistisch als so manche Österreicher.