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"Geht wirklich hinauf"Jüngste Corona-Zahlen für Virologin "besorgniserregend"

Es brauche angesichts der Zahlen eine verbesserte und raschere Fallidentifikation und Kontaktnachverfolgung, fordert Virologin Elisabeth Puchhammer-Stöckl.

Virologin Elisabeth Puchhammer-Stöckl (im Hintergrund: Gesundheitsminister Rudolf Anschober)
Virologin Elisabeth Puchhammer-Stöckl (im Hintergrund: Gesundheitsminister Rudolf Anschober) © (c) APA/HELMUT FOHRINGER (HELMUT FOHRINGER)
 

Die jüngsten Zahlen nachgewiesener Covid-19-Infektionen mit über 500 neuen Fällen täglich wertet die Virologin Elisabeth Puchhammer-Stöckl als einigermaßen "besorgniserregend". Die Entwicklung der vergangenen sieben Tage weise leider in Richtung "Anstieg". Es brauche angesichts der Zahlen eine verbesserte und raschere Fallidentifikation und Kontaktnachverfolgung, sagte die Forscherin zur APA.

Ungeachtet der aktuellen Frage, ob die seit Montag erhöhten Tageswerte zum Teil auf Nachmeldung von früheren Testungen zurückzuführen sind, gehe der längerfristige Corona-Trend "wirklich hinauf". Österreich war sehr lange "gut unterwegs", sei nun aber mit einer anderen Entwicklung konfrontiert.

Die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz, die angibt, wie viele neu gemeldete Corona-Infektionen pro 100.000 Einwohner im Zeitraum einer Woche auftreten, gehe momentan hierzulande gegen 30. Während dieser Indikator in Frankreich und vor allem Spanien derzeit freilich um ein Vielfaches höher liegt, stehe man in Deutschland hingegen bei einem Wert um zehn, gab die Virologin vom Zentrum für Virologie der Medizinischen Universität (MedUni) Wien zu bedenken.

Plus 94 Fälle in Niederösterreich

Die Zahl der bestätigten Coronavirus-Infektionen in Niederösterreich ist bis Donnerstagfrüh um 94 auf 4.495 gestiegen. 3.958 Personen, um 40 mehr als am Vortag, galten nach Angaben des Sanitätsstabs als genesen. Unverändert 109 Todesopfer sind im Zusammenhang mit Covid-19 im Bundesland zu beklagen. Aktuell erkrankt waren somit 428 Menschen, 222.233 Testungen wurden bisher durchgeführt.

Mit steigender Anzahl an Fällen kommt der verlässlichen und vor allem schnellen Diagnosestellung und Kontaktnachverfolgung eine noch entscheidendere Bedeutung zu. Nicht nur in Österreich dauere es aber mitunter immer noch mehrere Tage bis diese Maßnahme ins Rollen kommt. Hier handle es sich aber "um DAS Mittel, das die Epidemie derzeit bekämpfen kann. Das ist auch der Tenor aus verschiedenen Ländern", so Puchhammer-Stöckl.

Die Corona-Ampel ist ein wirklich gutes Werkzeug zur epidemiologischen Einschätzung, die passgenau für kleinere Bereiche ist - sonst würde ich da nicht mitmachen.

Virologin Elisabeth Puchhammer-Stöckl

Ob aufgrund der neuen Dynamik am Ende der Woche die Corona-Ampel der Bundesregierung, wie von Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) erwartet, in Innsbruck von grün auf gelb umspringt, lasse sich vor der Sitzung der Ampel-Kommission am Donnerstag noch nicht sagen. Eine Umstellung der Farbschaltung der Tiroler Landeshauptstadt sei schon in der vergangenen Woche im Raum gestanden, so die Wissenschafterin, die als eine von fünf Expertinnen und Experten Teil des 19-köpfigen Ampel-Gremiums ist.

Die bereits vergangene Woche bei ihrer Premiere vor allem in Bezug auf die Gelb-Einstufung von Linz scharf kritisierte Corona-Ampel ist für Puchhammer-Stöckl "ein wirklich gutes Werkzeug zur epidemiologischen Einschätzung, die passgenau für kleinere Bereiche ist - sonst würde ich da nicht mitmachen". Man müsse eben unterscheiden, ob es in einem ländlicheren Bezirk einen größeren Cluster und sonst nahezu keine Fälle gibt, oder man es mit einem ständigen Infektionsgeschehen etwa in einer Stadt zu tun hat. "Das ist einfach anders zu bewerten", sagte die Virologin.

An einer Bewertung von etwaigen Effekten des Schulstarts in Ostösterreich könne man sich hingegen erst in einiger Zeit seriös versuchen. In Deutschland, wo das Herbstsemester teils schon deutlich früher begonnen hat, gebe es zwar "etliche Fälle an Schulen, aber noch keine großen Clusterausbrüche".

Dass nun der britische Pharmakonzern AstraZeneca seine weltweiten Tests mit einem vielversprechenden Corona-Impfstoffkandidaten wegen eines Krankheitsfalls bei einem Studienteilnehmer unterbrochen hat, zeige, dass man mit Prognosen zur künftigen Verfügbarkeit von Impfstoffen "sehr vorsichtig sein muss". Wenn erste Medienberichte stimmen, und es sich bei dem Fall in Großbritannien tatsächlich um eine transversale Myelitis - eine seltene Art der Rückenmarksentzündung, die mit schweren neurologischen Komplikationen ähnlich einer Querschnittslähmung einhergehen kann - handelt, "ist es extrem wichtig, dass das jetzt abgeklärt wird".

Hier handle es sich um eine mögliche schwere Nebenwirkung. Man kenne dieses Krankheitsbild etwa als sehr seltene Komplikation nach Viruserkrankungen, aber auch als Symptom bei Multipler Sklerose, so Puchhammer-Stöckl.

Kommentare (22)

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dieRealität2020
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Jeder Dümmste konnte das sehen, Österreich hat sich wie ein Scheunentor geöffnet.

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Österreich war sehr lange "gut unterwegs", sei nun aber mit einer anderen Entwicklung konfrontiert.Österreich war sehr lange "gut unterwegs", sei nun aber mit einer anderen Entwicklung konfrontiert. No Na.

dieRealität2020
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sorry, banaler gehts nicht mehr, welch ein Mumpitz und Schaumschlägerei

.
dazu bedarf es keiner Studien noch von Fachexperten ua. Virologen noch von Ks uznd Bs. Wer die letzten Wochen ua. auch weltweit die Entwicklung der Zahlen gesehen hat, kann das selbst beurteilen; das diese Entwicklung besorgniserregend ist.

bkkfun
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Was ist unser Ziel?

Eigentlich, hatte ich mal abgespeichert, soll unser Gesundheitssystem nicht überlastet werden.
Die Krankenhäuser und Intensivbetten müssen noch genügend Kapazitäten für regulär Kranke (was vielleicht sogar ernster wäre) frei haben.
Wenn dies nicht mehr gewährleistet werden kann, müssen die Maßnahmen verschärft werden ....

Mittlerweile darf anscheinend keiner mehr krank werden ...

Natürlich kann ich nicht einschätzen wie ERNST eine Corona Erkrankung wirklich wäre. Aber laut dem derzeitigen Stand, könnten wir damit leben.

Ich nehme die Abstandsregeln ernst, vermeide direkten Kontakt, aber die Panik aus den Medien, kann und will ich bald nicht mehr hören.

Es sollen FAKTEN auf den Tisch, mit der Relation zu anderen Infektionen (gibt es überhaupt noch Grippekranke, Sommergrippe ist heuer anscheinend ausgefallen, Krebs .... ?)

....

GanzObjektivGesehen
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Keine Angst.

Es sind auch im Sommer noch genug Menschen in Österreich an einer Vielzahl anderer Erkrankungen gestorben.

Die Medien verbreiten weder Angst noch Panik, diese Dinge entstehen in den Köpfen der Menschen durch die persönliche Wahrnehmung.

Ichweissetwas
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...sehr besorgniserregend....

ohne Virologe zu sein..! Weitere Steigerung in der Schulzeit bzw. Ende September, dann wird´s aber kritisch...!

landbader
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Abnehmende Virulenz

Im März war jeder siebte Coronaerkrankte hospitalisiert, jetzt ist es nicht einmal jeder zweihunderste. Das das Virus weniger aggressiv wird, scheint offensichtlich zu sein. Ebenso offensichtlich ist, dass die Eindämmungsstrategie mit Testen und Quarantäne gescheitert ist. Wir brauchen keine zusätzlichen Beamten in den öffentlichen Gesundheitsämtern.- Wir sollten uns von der Corona Hysterie verabschieden und mit dem Virus zu leben beginnen.

erstdenkendannsprechen
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der schluss mit der geringeren aggressivität ist verfrüht.

könnte sein - muss aber nicht.
kann auch an der altersstruktur der nun erkrankten liegen, an der tatsache, dass jetzt im sommer kaum zusätzliche andere infekte das immunsystem beanspruchen - oder daran, dass die dunkelziffer im märz viel höher war.

checker43
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Sie

vergessen komplett, WER infiziert ist. Ob jetzt (noch) vorwiegend jüngere oder früher sehr viele ältere Personen. Der Virus ist derselbe und nicht mehr oder weniger aggressiv.

langsamdenker
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@landbader Ich würd noch einmal nachrechnen

Und dann noch einmal - langsam - nachdenken.

Barni1
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@langsamdenker

Rechnen Sie es doch einfach vor wenn es so einfach ist!

langsamdenker
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@Rotstrichler Für euch gilt das auch - und für die 40 Mathematiker die

landbaders Rechenapocalypse bis jetzt grün bestricherlt haben.

cockpit
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landbader

jeder 200ste? Wie kommen Sie darauf?

rehlein
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@cockpit

Auf sowas kommt man, wenn man nicht rechnen kann.

@landbader
dzt. ist ca. jeder 20. Infizierte hospitalisiert.

Miraculix11
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Auch falsch

Jeder 20.? Nur von den Getesteten. Die Zahl derjenigen die es symptomlos haben und gar nie getest wurden ist unbekannt.

cockpit
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rehlein

die Kommastellen, die haben es halt in sich *g*

petrbaur
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..

gestern hats noch gheissen die 500 sind nur weil irgendwelche späten tests erst jetzt dazu gezählt werden und heute ist man besorgt darüber?

homerjsimpson
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500 statt 200 oder 300 ist schon ein Anstieg....

... da muss man kein Mathematiker oder Virologe sein, um das einschätzen zu können oder? Wochenende+Montag muss man mit Vorsicht genießen, weil am WE natürlich weniger getestet und gearbeitet wird. Heute Donnerstag sieht man aber eindeutig: Es geht leider richtig bergauf.

samro
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gestern

waren es echte 500
davor die 500 mit den nachgemeldeten tests.

joesiefee
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Heute ...

... sind es 664!

lucie24
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Wie oft

haben wir solche Schwarzmalereien jetzt schon gehört? Die sollte mal nach Schweden reisen.

Liverpudlian88
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@lucie

Machen Sie das! Und löschen sie den Account hier! Auf Wiedersehen...keiner wird traurig darüber sein

samro
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danke

fuer ihre klaren worte

wir sehen wohin wir mit den verharmlosern gekommen sind.