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ÖGKCoronakrise: Gesundheitskasse macht 447 Millionen Euro Verlust

Das Defizit der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) wird durch die Coronakrise mehr als verdoppelt. Für heuer wird mit einem Verlust von 447 Millionen Euro gerechnet, geht aus der aktuellen Gebarungsvorschau hervor, die der APA vorliegt.

© APA
 

Dabei sind die den Unternehmen gestundeten Beiträge noch gar nicht mit einberechnet. Diese summieren sich bisher in der gesamten Sozialversicherung auf rund 1,1 Milliarden Euro. Allerdings haben sich die Stundungen zuletzt deutlich eingebremst. Im März machten diese noch 800 Mio. Euro aus, im April nur noch 200 Mio. Euro. Wie viel von diesen Stundungen tatsächlich verloren ist oder noch nachgezahlt wird, lässt sich noch nicht sagen. Endgültige Abschreibungen in Folge von Firmenpleiten folgen in der Regel mit einer Verzögerung von drei bis vier Jahren.

Defizit der ÖGK

Das Defizit der ÖGK wird den Prognosen zufolge in den kommenden Jahren noch weiter steigen. Für 2021 wird noch eine Stagnation der Verluste bei 444 Mio. Euro (Februar-Vorausschau: 178 Mio.) erwartet, für 2022 aber ein Anstieg auf 614 Mio. Euro (Februar: 295 Mio.)

Obwohl eigentlich eine fünfjährige Vorausschau vorgesehen ist, werden die Zahlen für 2023 und 2024 von der ÖGK vorerst noch nicht veröffentlicht. Klar ist aber schon, dass die Prognosen für diese beiden Jahre sicher nicht besser ausfallen als für 2022. Im Februar war man für 2023 und 2024 von jeweils mehr als 500 Millionen Euro ausgegangen. Kumuliert war man damals von einem Bilanzverlust in fünf Jahren von 1,7 Milliarden ausgegangen. In der ÖGK begründet man diese Nichtveröffentlichung vor allem damit, dass es auch vom Wirtschaftsforschungsinstitut für diese beiden Jahre noch keine Prognosen gibt.

Defizite

Obwohl die jetzt vorhergesagten Defizite deutlich ansteigen, verweist man in der ÖGK darauf, dass die Lage nicht so dramatisch sei, wie es noch vor zwei Monaten ausgeschaut hat. Obmann Andreas Huss als Arbeitnehmervertreter hatte da noch von einem Verlust zwischen 600 Millionen und einer Milliarde gesprochen, wobei die Arbeitgeber jedoch vehement widersprochen haben.

Und man verweist in der ÖGK auch darauf, dass das Defizit ohne Corona im Vergleich zur Februar-Vorausschau wohl nicht gestiegen sondern eher gesunken wäre. Damals war man noch von einer Steigerung der Beitragseinnahmen für heuer von 4,2 Prozent ausgegangen, nun erwartet man nur noch ein Plus von 0,8 Prozent. Die Differenz macht etwa 420 bis 430 Mio. Euro aus und damit fast so viel wie das jetzt prognostizierte Defizit für heuer von 447 Mio. Euro.

Geld vom Bund

Trotzdem betont man in der ÖGK, dass man dringend und nachhaltig Geld vom Bund brauche. Und dafür hat Sozial- und Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) auch schon die ÖGK zu Gesprächen für nächste Woche eingeladen. Die bestehenden Rücklagen der ÖGK reichen ohne Gegenmaßnahmen nur noch für gut zwei Jahre. In der Eröffnungsbilanz hatte die ÖGK mit 1. Jänner 2020 ein Reinvermögen von 1,3 Milliarden Euro ausgewiesen. Ohne Maßnahmen wäre dieses Vermögen, das zu einem guten Teil nicht in Barem besteht, theoretisch 2022 weg, geht aus der APA vorliegenden internen Berechnungen der ÖGK hervor.

Auch die Sozialversicherung der Selbstständigen weist in der aktuellen Gebarungsvorschau ein Minus für das Jahr 2020 aus. Mit 23 Mio. Euro hat sich der erwartete Wert gegenüber der Juni-Prognose (22 Mio. Euro) nur leicht erhöht. Vor der Coronakrise war die SVS noch von Bilanzüberschüssen bis 2023 ausgegangen.

Wirtschaft

SVS-Obmann Peter Lehner sprach am Freitag von einer "Stabilisierung in diesen fordernden Zeiten". Verantwortungsvolles Wirtschaften und die langsame Erholung der österreichischen Wirtschaft ermöglichten diese Entwicklung. Für 2024 erwartet die SVS ein Minus von 32,4 Millionen Euro - bei einem Volumen von rund zwei Milliarden Euro in dieser Sparte. Die größten Ausgabenposten sind 559,4 Millionen Euro für die Finanzierung der öffentlichen Spitäler, 503,8 Millionen Euro für Ärztliche Hilfe und 383,2 Millionen Euro für Heilmittel.

Kommentare (8)

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Edelstahl 50
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Ögk

Viel haben aber noch nie was eingezahlt die holen nur heraus also nicht wundern die Rechnung wirt nie aufgehen so wie sich diese Politik das vorstellen tut.

autobahn1
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das

wird die Hartinger und die Buberlpartie abstreiten,,denn die Zusammenlegung der Gkks wird ein enormer Gewinn für die Zahler ,Hackler und Unternehmer werden,diese ehemaligen Fachleute (ha ha) werden den Verlust nur Corona anhängen,lebt die Hartinger noch??

Armergehtum
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Die schreiben seit Jahren rote Zahlen - jetzt ist halt Corona die Ausrede

Die sollen die Kassenzusammenlegung einmal durchziehen. Bis jetzt wurden nur die Namen geändert und alles andere blieb gleich. Formulare, Abrechnung usw. blieb für alle Kassen gleich. Wo ist die Zusammenlegung?
Das Foto auf der ECard war die größte Schnapsidee.
Es muss ein freier Wettbewerb endlich her - Pflichtversicherung und freie Versicherungswahl - dann wird sich der beste durhsetzen. Zumindest reduziert sich diese Vormachtstellung und das herunterschauen auf die Sponsoren dieser geschützten Arbeitsplätze. Aufsichtsräte, Vorstände... und alle bringen nur ein fettes Minus zusammen, ausser in der eigenen Tasche!
Die Krönung zu diesen 9 derzeitigen ÖGKs sind die 15 Krankenfürsorgeanstalten für unsere Beamten.
Es ist eindeutig viel zu viel Geld für derartige Posten vorhanden.

X22
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Gebarung der österreichischen Sozialversicherung sagen etwas anderes aus

von 2009 bis kurz nach Kurzblauer-Regierung, ausgenommen das Jahr 2015, haben die Sozialversicherungen positiv bilanziert, woher stammen ihre Informationen von dem jahrlangen Minus, sicher nicht vom statistischen Handbuch der österreichischen Sozialversicherung 2019

Mein Graz
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"Für heuer wird mit einem Verlust von 447 Millionen Euro gerechnet"

Dann soll Kurz endlich einmal die versprochene Milliarden-Einsparung durch die Zusammenlegung der Kassen heraus rücken.
Dann ist schon mehr als die Hälfte dieses Verlustes abgedeckt...

Balrog206
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Als

Ehemaliger Verantwortlicher sollte man wissen dann viele Einsparungen nicht sofort im tascherl landen !

melahide
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Super

Und nachdem nach dem "Umbau" die Seite der Arbeitgeber in der "Überhand" ist kann es schon sein, dass die über Beitragserhöhungen und Selbstbehalte nachdenken. Man könnte zur Finanzierung des Defizits auch einmal daran denken, die Höchstbeitragsgrundlage aufzuheben ... das dürfte aber denkunmöglich sein.

Balrog206
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Was

Ist so unfair an der höchstbemessungsgrundlage ? Nur weil jemand einen höheren Verdienst hat soll er das Vielfache zahlen als andere bei gleicher Leistung ? Irgendwann hat alles seine Grenzen !