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Schifffahrt betroffenGeringer Wasserstand gefährdet Tourismus am Neusiedler See

Geteilte Meinungen zu geplanter Wasserzufuhr.

Derzeit würden beim Wasserstand fast 60 Zentimeter fehlen
Derzeit würden beim Wasserstand fast 60 Zentimeter fehlen © APA/HELMUT FOHRINGER
 

Der geringe Wasserstand im Neusiedler See stellt den Tourismus in der Region vor Probleme. Einige Betriebe spüren bereits wirtschaftliche Auswirkungen. Der geplanten Wasserzufuhr können dennoch nicht alle etwas abgewinnen. "Der positive Effekt, den sich der Tourismus erwartet, wird nicht eintreten", warnte Bernhard Kohler von der Naturschutzorganisation WWF am Freitag in der Ö1-Reihe "Saldo".

Derzeit würden beim Wasserstand fast 60 Zentimeter fehlen, sagte Anton Polleres, Betreiber des Seerestaurants Katamaran in Rust, gegenüber Ö1. Das habe auch wirtschaftliche Folgen für seinen Betrieb. "Es kommen schon sehr viele Stammgäste nicht, weil einfach deren Boot nicht im Wasser ist", betonte er.

Problemen mit Schifffahrt

Auch andernorts kommt es bei der Boots- und Schifffahrt zu Problemen: Die Radfähren in Podersdorf können bei gutem Wasserstand bis zu 70 Leute mit ihrem Rad mitnehmen. Im Moment seien es lediglich 30, sagte ein Kapitän zu Ö1. Außerdem würden aufgrund des niedrigen Wasserstandes immer wieder Segelboote stecken bleiben.

Der gesamte Tourismus sei davon betroffen. "Wenn wir nicht mehr fahren können, entziehen sie vielen Unternehmen im Prinzip ihre Existenzgrundlage", sagte Michaela Heeger-Gmeiner, Geschäftsführerin der "Holiday Lines" in Purbach. Der von Landesrat Heinrich Dorner (SPÖ) angekündigten Wasserzufuhr können viele Betriebe deshalb einiges abgewinnen.

Der WWF sieht sie hingegen weiterhin kritisch. In den Frühsommermonaten würden "unglaubliche Algenmassen" entstehen, betonte Kohler. In dieser "giftgrünen Brühe" würde dann wohl niemand mehr schwimmen wollen. Langfristig würde das Vorhaben zu einer Verlandung des Sees führen.

Christian Sailer, der die eingesetzte Task Force zur Wasserzufuhr leitet, betonte, dass man "etliche Studien" habe, die zeigen würden, dass eine Zufuhr möglich sei, ohne den See nachhaltig zu schädigen. Die erste Ausbaustufe würde laut Sailer etwa 35 Mio. Euro kosten. Außerdem würde das Projekt einige Zeit in Anspruch nehmen. "Wir gehen davon aus, dass wir frühestens in fünf bis zehn Jahren den ersten Tropfen in die Region bringen können", sagte er.

Aber auch abseits des Sees habe die Region einiges zu bieten, betonten Stefan Schindler, Geschäftsführer der Neusiedler See Tourismus GmbH, und Alois Lang vom Nationalpark Neusiedler See Seewinkel. So gebe es zahlreiche Angebote von Kultur über Natur bis hin zu Kulinarik.

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Danke für Ihr Verständnis.

freeman666
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Bei aller Wertschätzung für die Umweltschützer

Aber wenn der Neusiedlersee (wie schon vor Jahrzehnten geschehen) ohne Wasserzufuhr gänzlich austrocknet, würde das für die Tierwelt ebenso mit einer finalen Katastrophe enden.

erstdenkendannsprechen
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gänzlich ausgetrocknet ist der neusiedlersee auch vor jahrzehnten nicht.

er ist ein steppensee, hat immer einmal trockenere und dann feuchtere jahre gesehen, fast total ausgetrocknet ist er in den 1860er jahren (ebenso im mittelalter und auch in der antike).
die tierwelt weicht aus: für die vögel ist es kein problem, die besuchen dann die steppenseen in ungarn.
die fische im neusiedlersee kehrten bei der 6jährigen trockenperiode im vorletzten jahrhundert ziemlich bald wieder zurück: restbestände überlebten in kleinen teichen, durch die zuflüsse war der see bald wieder besiedelt.
es ist also (nachweislich, weil schon passiert) alles andere als eine finale katastrophe.
auf das regionale klima hatte die austrocknung große auswirkungen: der temperaturausgleich war nicht mehr gegeben, es gab sandstürme.

freeman666
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Stimmt so nicht ganz

Der Neusiedlersee hatte niemals einen natürlichen Abflusskanal. Der jetzige Einserkanal auf ungarischer Seite des Sees, ist künstlich angelegt worden.
Dieser unnatürliche Wasserablauf in die Donau führte zu einem Absinken des bereits höheren Salzgehaltes des Sees und eine massive Vergrößerung des Schilfgürtels, der wiederum für eine schnellere Austrocknung führt.
Der See ist seit Eröffnung des Einserkanals kein natürlicher Steppensee mehr, sondern eben künstlich hochwasserreguliert.
Und damit endet auch schon die Geschichte des ach so natürlichen Steppensees!

walter1955
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dann schliesst

doch den Einserkanal

petrbaur
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..

da haben sie recht! mich würde auch interessieren wie das bei anderen seeen mit frischwasser zufuhr auschaut.. die müssten dann ja alle komplett veralgt sein so wie das vom wwf dargestellt wird.. oder hat das was damit zu tun das der see so seicht ist ?

erstdenkendannsprechen
1
8
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kommt wohl wahrscheinlich auch auf wassertemperatur und sonneinestrahlung an.

beides am neusiedlersee eher hoch. hängt auch vom nährstoffgehalt des zuflusses ab.