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Verzögerte Behandlung Kinderärzte-Studie zeigt Kollateralschäden des Lockdown

Teil der Eltern hat aus Angst vor einer Ansteckung erst zu spät das Spital aufgesucht - Forscher warnen vor Folgen verzögerter Behandlungen.

Für die Forscher zeigen die Daten, dass ein substanzieller Anteil an Kindern aus Angst vor einer Ansteckung erst zu spät angemessene medizinische Versorgung bekommen hat
Für die Forscher zeigen die Daten, dass ein substanzieller Anteil an Kindern aus Angst vor einer Ansteckung erst zu spät angemessene medizinische Versorgung bekommen hat © KLZ/Markus Traussnig
 

Die Angst vor Ansteckung mit dem Coronavirus hat in Österreich dazu geführt, dass manche Kinder erst spät in ein Spital gebracht wurden. Das zeigt eine Studie der Forschergruppe um Saskia Wortmann von der Salzburger Uni-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde, die nun in der Zeitschrift "Acta Paediatrica" veröffentlicht wurde. Für einige Patienten war diese Verzögerung potenziell lebensgefährlich.

Für die Erhebung wurden in der Notfallambulanz des Kinderzentrums Salzburg die direkten und indirekten Auswirkungen der Pandemie auf die medizinische Versorgung dieser Altersgruppe analysiert. Untersuchungszeitraum waren die ersten vier Wochen der Ausgangsbeschränkungen ab 16. März.

Deutlich weniger junge Patienten

In dieser Zeit haben nur 660 und damit deutlich weniger junge Patienten die Notfallambulanz aufgesucht als im Vergleichszeitraum 2019 und 2018: In der allgemeinen pädiatrischen Notfallambulanz gingen die Zahlen um 59 Prozent zurück, in der kinderchirurgischen Notfallambulanz betrug das Minus gar 83 Prozent. Das liegt laut Studie allerdings vor allem daran, dass es durch weniger Sportaktivitäten auch weniger Knochenbrüche gab und außerdem weniger Kinder mit kleinen Verletzungen ins Spital gebracht wurden.

Bei fünf Prozent der Ambulanzbesuche (33 Fälle) haben die Forscher aber direkte oder indirekte Auswirkungen der Beschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie nachgewiesen oder zumindest als extrem wahrscheinlich eingestuft. Darunter haben zwei Drittel der Eltern das Spital aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus erst mit Verspätung aufgesucht. Ein Sechstel der kleinen Patienten hat erst spät medizinische Hilfe bekommen, weil Ärzte aufgrund der Corona-Pandemie kürzer geöffnet bzw. ambulante Gesundheitseinrichtungen überhaupt geschlossen hatten. Ebenso viele kamen mit Verzögerung ins Spital, weil erst ein negatives Corona-Testergebnis abgewartet werden musste.

In zwei Fällen verweigerten Eltern sogar, dass ihr Kind mit dem Rettungswagen ins Spital gebracht wird. Bei vier Patienten führte die Angst vor einer Ansteckung dazu, dass sie das Spital erst aufsuchten, als die Kinder sich bereits in einem potenziell lebensgefährlichen Zustand befanden.

Für die Forscher zeigen die Daten, dass ein substanzieller Anteil an Kindern aus Angst vor einer Ansteckung erst zu spät angemessene medizinische Versorgung bekommen hat, obwohl Salzburg weniger von der Pandemie betroffen war als andere Regionen. Unter den 464 für die Studie auf SARS-CoV-2 getesteten Kindern waren nur acht positiv und zwei davon zeigten auch entsprechende klinische Symptome.

Im weiteren Verlauf der Pandemie muss es aus Sicht der Wissenschafter oberste Priorität sein, dass medizinische Hilfe auch rechtzeitig in Anspruch genommen und hochqualitative Behandlung angeboten wird. Das müsse auch entsprechend überwacht werden, fordern sie. Und: Eltern müsse bewusst gemacht werden, dass eine verzögerte Behandlung bei ernsten Gesundheitsproblemen potenziell ein größeres Risiko darstelle als eine Infektion mit dem Coronavirus.

Kommentare (45)

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beobachter2014
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Hat lange gedauert

Zuerst war alles super, Quarantäne, Home-Office, Homeschooling, .... Familien zusammen gesperrt auf (in guten Fällen) 90 qm ...
Dann nach 5 Monaten bemerken die Ehetherapeuten, die Psychologen, die Schulexperten .... und heute die Kinderärzte Folgeschäden. Jeden Tag eine andere Gruppe .... und dabei sagt das einem der Hausverstand 😀

Marcuskleine
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nur geringer Prozentsatz

Ok, der befürchtete Kollateralschaden lag also Gott sei Dank bei nur 5%, die verspätet behandelt wurden. Und selbst bei diesen 5% gibt es keine bleibenden Schäden.
Für den weiteren Verlauf der Pandemie ist es aber wichtig, den Nachsatz im Kopf zu behalten, dass das Risikio einer verspäteten Behandlung (in ernsten Fällen) für das betroffene Kind höher ist als das Risiko, an Corona zu erkranken.

langsamdenker
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In den vier Wochen nach dem 16. März

waren die Medien voll von schlimmen Nachrichten. In Italien starben zwischen 500 und 1000 Menschen am Tag, in Spanien, Belgien dann Großbritannien das selbe Bild. Berichte von Kindern die in Frankreich und Großbritannien gestorben waren wurden als Schlagzeilen verkauft.
In den TV-Sendern wurden pausenlos Bilder von überfüllten ICU-Stationen gezeigt, von ÄrztInnen die grad Wiederbelebungsversuche machen, von Kühlwagen wo die Leichen gestapelt drin lagen.
Also die Medien dürften da wohl die Nummer Eins beim Angstmachen gewesen sein noch vor der Politik. Die Bilder waren 24 Stunden am Tag präsent - überall.

Mich wundert das nicht, dass man in diesen Wochen nicht - so wie ja von den Ambulanzen selber vorher immer beklagt - wegen jedem Schnupfen mit den Kindern ins KH gefahren ist und es wird Eltern gegeben haben, deren Angst zu groß war, auch bei was möglicherweise ernstem ins KH zu fahren.

samro
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schnupfen

bitte langsamdenker.
die leute haben vergessen.
die aerzte waren in den medien und sagten wir haben infizierte und bleiben sie daheim fuer termine.
ist ja teils immer noch so.ordinationen sollen sicher sein und an ommt nur mit terminen.
wir haben kinder die an covid verstorben sind.
da wundert das jetzt alles?

langsamdenker
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Na ja - es geht da ja um ernsthafte Erkrankungen

wenn man das Beispiel, dass Eltern den Rettungswagen verweigern.
Ich hab keinen Arzt oder Ärztin gehört, der/die gesagt hätte, bleibens bei einem Notfall daheim und machens einen Termin.
Ambulanzen sollte ja eigentlich für Notfälle da sein.
Ein Problem, dass wir allerdings haben. Wenns am Freitag nach 12 irgendwas bekommen, von dem sie annehmen, das könnt was schlimmes sein - wo gehens hin.
Das System Mo-Fr von 8 - 12 funktioniert nicht.

samro
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klar

akutpatienten sind anders zu behandeln und denen hat man das kaum gesagt.
aber die aerzte und das personal musste sich auch vor moeglichen sinnfreien infektionen schuetzen wenns nicht akut war. das verstehe ich auch.

hbratschi
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"überraschenderweise"...

...sind die sozialen, wirtschaftlichen und auch gesundheitlichen folgen, die die verunsicherung in der bevölkerung anrichtet, weit gravierender als es das virus jemals sein wird. aber angesichts des täglichen trommelfeuers in den medien kein wunder. der mensch ist offensichtlich ein von furcht getriebenes wesen, dem beim kollektiven fürchten ein wohliger schauer über den rücken läuft. angst verbindet menschen🙈. aber ups, das darf man ja alles nicht schreiben...😇

scionescio
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@hbratschi: Ich weiß nicht, ob du "Human" von "The Killers" kennst ...

... auf alle Fälle ist der gerade in meiner Playlist vorgekommen und mir ist es wieder einmal schmerzlich bewusst geworden, wie leicht sich schlichte Menschen in jede gewünschte Richtung manipulieren lassen.
Im Song wird die Frage gestellt ("Are we human or are we dancer?") wie sehr wir noch in der Lage sind selbständig zu denken und zu handeln oder ob es nicht eine Choreografie im Hintergrund gibt und viele sich einfach im Gleichklang mit der Melodie/Rythmus we Tänzer mitbewegen ... und das sicher nicht zu ihrem eigenen Vorteil - auch wenn man sie das glauben macht und sie das auch so sehen!

samro
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denken

scio
gebe ihnen recht das denken existiert nicht.
siehe urlaub. partytime und so weiter.

hbratschi
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@scio

unter diesem aspekt hab ich "human" noch gar nicht betrachtet. aber du hast leider(!) recht. diese manipulierbarkeit hat uns schon des öfteren ins verderben geführt. da kann kein virus mithalten...🙈

langsamdenker
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Das Posting schreiben Sie öfter? Es kommt mir bekannt vor

"selbständig denken" heißt übrigens nicht, irgendwelchen Verharmlosern auf den Leim zu gehen, weil man zu eitel ist, ein Maskerl aufzusetzen.

samro
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sensibilisieren

hbratschi
ich denke die situation ist schwierig.
menschen die arbeiten denken an ihre jobs oder unternehmen.
andere denken alles wird ihnen gerichtet und die sau kann eh jeden tag weiter im dorf auf hochtouren rennen.
nur so werden wir nicht weiterkommen. siehe jetztige situation.
der herbst kommt erst. was wird dann aus schule und betrieben?

dass die eltern besorgt waren ist nur natuerlich. auch jeden tag haben aerzte ihre besorgnis geaeussert. und kinder sind an corona gestorben.

aber sie haben ja eine kollegin die auch gerne die lustigen seiten nur hoert. tuts euch zsammen denn unsere zahlen sind momentan eh so gut.
die kollegin werde ich auch weiterhin daran erinnern.
denn war schon im mai nicht nur mir sondern vielen anderen einfach suspekt wie man die leute angestachelt hat zu eben diesem verhalten.

hbratschi
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samro, deine meinung...

...zu dem thema kenn ich eh zur genüge. du empfindest dich eben als "guter" mensch, wennst in das kollektive angsthaben miteinstimmst. ist ja eh in ordnung. aber, auch wenn ich nicht weiß, wen du als "meine kollegin" meinst, lass andere auch ihre meinung. denn, wenn du dich an "horrorzahlen" und an grünen daumen aufgeilst, dann ist das ja auch zu akzeptieren...😉

lieschenmueller
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@hbratschi - "Kollegin"

pieps ;-)

hbratschi
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hallo "kollegin"😁...

...freut mich immer, von dir zu lesen...👍😊

samro
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pieps

pieps ist wirklich sehr gehaltvoll.

hbratschi
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da hast recht, samro ...

...oft ist ein "pieps" viel gehaltvoller als endloses wiederholen von stehsätzen. falls du dich damit gemeint fühlst, dann kann das nur zufall sein...😉😁

samro
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gehaltvoll

pieps wird niemals gehaltvoller sein.
aber sei ihnen nicht genommen so zu denken.
was ihr wollt ist alles klar.
sozialistischer ansatz neu: keine vorsicht denn is nur ein luefterl.

hbratschi
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na bumm, samro ...

...das war jetzt aber gehaltvoll gepiepst. respekt...😁

Sam125
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Verzögerte Behandlung? Es wird bestimmt ein paar wenige Eltern geben,die aus

Angst vor Corona ihre Kinder zeitverzögert behandeln lassen! Wenn man allerdings die letzten Jahre genau beobachtete,so kamen auch sehr viele Eltern aus reiner Bequemlichkeit und wegen jeden noch so kleinen "Schnupfen "mit ihren Kindern in die teuren und eigenentlich für Notfälle gedachten Notfallambulanzen! Diese Eltern bringen ihre Kinder endlich wieder zum eigenen Kinderarzt oder auch zum Hausarzt!

lacrima
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Auch heute nicht so einfach!

Ich glaube,dass auch heute Niemand zum Spass in ein Krankenhaus geht! Und dennoch wird man gelöchert, wohin?, warum?, weshalb? Wenn ich auf der Liste stehe, braucht der mich nicht aus zu fragen! Diese Herrschaften brauchen nur auf der Liste nach zu schauen und dann ist das für sie erledigt! Wenn man ohne Termin kommt, weil man Hilfe braucht, muss man diesem Wachmann alles erzählen und das vor allen anderen Personen die in der Schlange stehen,um rein zu kommen!! Gibt es keinen Datenschutz mehr?????

langsamdenker
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Kann ich nicht bestätigen.

Ich stand vor der Tür - weil ich erst telefonisch nicht durchgekommen bin. Hab nochmal angerufen, nach kurzem Warten kam eine Pflegerin raus, ich musste den Fragebogen ausfüllen. Hände desinfizieren und dann zeigte sie mir, wo ich hin muss zur Anmeldung. Dort wars wie in anderen Ambulanzen vor Corona. Anmeldung und dann vor dem Behandlungsraum warten. Mit Maske halt.
Wird wohl nicht überall gleich sein aber ich würde mich über den Wachmann beschweren.

erstdenkendannsprechen
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ich hab vorher angerufen - war kein problem

wachdienst ist vlt. nötig, der hab aber gar nichts zu fragen. sieht eh, dass es dringend ist.
und doch, es gibt menschen, die gehen mit ihren kindern wegen eines bienenstichs an der hand (keine allergiker) ins krankenhaus. meine schwägerin zum beispiel. das sind dann die, wegen denen man sagt, die ambulanzen sind überfüllt.

lieschenmueller
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Wundert es jemanden?

Seit Mitte März, in großen Lettern, gibt es in den Medien nur mehr Corona als Schlagzeile.

samro
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relevanz

was hatdas ueberhaupt mit dem artikel zu tun?
es geht in der studie um:'' die ersten vier Wochen der Ausgangsbeschränkungen ab 16. März''.

samro
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ja

ist ihnen aufgefallen dass wir eine pandemie haben?
gesundheit und wirtschaft sind jeden tag betroffen. sollen die medien lieber von den frisuren berichten?

 
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