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Oberwart 25 Jahre nach Attentat: Gedenken an die Opfer

Der Mord, der vor 25 Jahren hier geschehen sei, bleibe nicht nur unvergessen, sondern habe auch die Gesellschaft in Österreich verändert.

© APA/CHRISTIAN GMASZ
 

In Oberwart hat am Dienstagabend eine Gedenkfeier für die Opfer des in der Nacht auf den 5. Februar 1995 verübten Rohrbomben-Attentats stattgefunden. In der Europäischen Mittelschule wurde zunächst an die vier getöteten Roma erinnert, anschließend folgten ein Gedenkmarsch und eine Kranzniederlegung beim Mahnmal des Attentats.

Der Mord, der vor 25 Jahren hier geschehen sei, bleibe nicht nur unvergessen, sondern habe auch die Gesellschaft in Österreich verändert: "Sie ist verletzlich geworden, wo wir geglaubt haben, wir haben die Schrecken des Nazireiches, der Vernichtungsmaschinerie überwunden", stellte Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) fest. Die Gedanken seien damals, zuvor, aber auch danach und bis zum heutigen Tag aus manchen Köpfen nicht verschwunden.

Die Zeit, wo ein verbrecherisches Regime ganz Europa, ja die ganze Welt in eine ganz besondere Katastrophe gestürzt habe, zeige bis zum heutigen Tag auch nach 75 Jahren Nachwirkungen. "Es ist heute unsere Aufgabe, nicht nur nicht zu vergessen, sondern auch unser Handeln danach zu richten", sagte Sobotka.

Rassismus im Alltag

"Wenn das Gedenken einen Sinn haben soll, dann ist es nicht nur das Bezeugen unserer Anteilnahme immer wieder den Familien der Opfer, sondern dann soll es den Sinn haben, auch uns in Erinnerung zu rufen, dass wir im täglichen Leben daran gemessen werden, wo die kleinen Anfänge des Rassismus, des Ausgrenzens zutage treten, die Stimme zu erheben - wo es nicht reicht, auch das öffentlich zu machen, auch den Weg zur Polizei zu gehen, wenn die roten Linien überschritten werden", so der Nationalratspräsident. "Es liegt an uns allen, diese Taten täglich auch immer wieder zu setzen. Das Gedenken mahnt uns selbst, es richtet uns an uns selbst."

Die heute hier seien, "die sind davon überzeugt, dass nur der gegenteilige Respekt ein friedvolles Leben miteinander ermöglicht. Aber holen wir die ab, die distant stehen, holen wir die ab, die sich abkehren, die nicht hinsehen. Und holen wir die ab, die Schlechtes im Schilde führen, die die Gemeinsamkeit unseres Landes stören wollen. Das kann auch nach 25 Jahren nach diesem schrecklichen Mord unser Auftrag sein", sagte Sobotka.

Mit Respekt und Würde

"Der 4. und 5. Februar nahm uns eine Illusion - auch dem Burgenland insgesamt", sagte Landtagspräsidentin Verena Dunst (SPÖ). Sie hob die Bedeutung des Gedenkens und Erinnerns hervor. Es sei "wichtig, weil wir das nicht vergessen dürfen und das darf auch nie wieder passieren". "Behalten wir uns dieses Lernen, Hinschauen, Draufschauen, mit Respekt und Würde und unterstützend - denn das ist die Voraussetzung für Frieden, im Kleinen wie im Großen", appellierte die Landtagspräsidentin an die Teilnehmer der Gedenkfeier.

Das Attentat von Oberwart markiere "das Ende von fünf Jahrzehnten friedfertiger und konsensualer Politik in Österreich und ein Wiedererwachen eines mörderischen, rassistischen Rechtsextremismus", stellte Gerhard Baumgartner, der wissenschaftliche Leiter des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes (DÖW), fest. "Erwin Horvath, Karl Horvath, Peter Sarközi und Josef Simon wurden Opfer einer rechtsextremen Ideologie, die sich gegen Minderheiten im eigenen Land und gegen Zuwanderer richtete und richtet", so Baumgartner.

Die Bombe sei eine "direkte Reaktion" auf die Anerkennung der Roma als österreichische Volksgruppe gewesen, so Baumgartner. Mit der Anerkennung sei es den österreichischen Roma und Sinti gelungen, einen Schritt vom Rand der österreichischen Gesellschaft in ihre Mitte zu machen.

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