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Bedingte HaftstrafeMit 269 km/h im Katschbergtunnel unterwegs: Unfalllenker verurteilt

26-jähriger Autofahrer aus Deutschland verursachte Auffahrunfall mit zwei Verletzten. Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

KATSCHBERGTUNNEL
© AP
 

Ein Autofahrer aus Deutschland, der im Juni 2017 im Katschbergtunnel auf der A10 mit 269 km/h unterwegs war und einen Auffahrunfall mit zwei Leichtverletzten verursacht hat, ist am Freitag bei einem Prozess am Landesgericht Salzburg wegen vorsätzlicher Gemeingefährdung zu 15 Monaten bedingter Haft verurteilt worden. Der 26-Jährige war teilweise geständig. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Der Angeklagte befand sich an jenem 25. Juni in seinem mehr als 300 PS starken Mercedes-Benz C 63 AMG auf der Heimfahrt von einem Sportwagentreffen am Wörthersee. Als er in den Katschbergtunnel einfuhr, habe er auf der trockenen Fahrbahn seinen Wagen beschleunigt. "Ich wollte einmal mein Auto hören und gab Gas", schilderte der bisher unbescholtene Maurer. "Ich habe aber in keiner Weise vorgehabt, jemanden zu gefährden."

Der Staatsanwalt hatte in seinem Eingangsvortrag ausgeführt, dass zum Unfallzeitpunkt reger Verkehr und ein Tempolimit von 100 km/h im Tunnel geherrscht habe. Mit seiner Fahrweise habe der Beschuldigte die Insassen von 20 Fahrzeugen vorsätzlich einer Gefahr ausgesetzt.

Doch der Verteidiger konnte keine Vorsätzlichkeit erkennen. "Die innere Tatseite ist nicht erfüllt." Der Mercedes sei für eine hohe Geschwindigkeit ausgelegt und mit Spezialbremsen ausgestattet. Der 26-Jährige "ist ein sehr guter Fahrer, er legt im Schnitt 150.000 Kilometer im Jahr zurück". Die ersten vier Fahrzeuge, die sein Mandant im Tunnel überholt habe, habe der Angeklagte "nicht konkret und nicht gleichzeitig gefährdet", ebenso nicht die vorderen Fahrzeuge.

Weiters gab der Anwalt zu bedenken, dass der Beschuldigte den Wagen abgebremst habe, nachdem er den mit rund 100 km/h fahrenden Skoda auf der linken Spur bemerkt habe. Der Deutsche sei mit einer Kollisionsgeschwindigkeit von circa 120 km/h auf den Pkw aufgefahren, erläuterte der Verteidiger. Der Angeklagte beteuerte mehrmals, dass er sein Auto unter Kontrolle gehabt habe und mit der Bremsung nahezu einen Unfall vermeiden habe können.

Vor Gericht einsichtig

Im Nachhinein zeigte er sich vor dem Vorsitzenden des Schöffensenates, Richter Philipp Grosser, einsichtig. "Es ist total deppert, wenn man so schnell im Tunnel fährt. Ich habe damals nicht auf den Tacho geschaut." Er habe sich bei den beiden Insassen entschuldigt, die bei dem Auffahrunfall rund 3,6 Kilometer nach der Tunneleinfahrt im Gemeindegebiet von St. Michael im Lungau ein Schleudertrauma, Prellungen und Verstauchungen erlitten hatten. Der Totalschaden bei dem Skoda wurde von einer Versicherung beglichen. Die Reparaturkosten bei dem rund 100.000 Euro teuren Mercedes betrugen laut dem Angeklagten 87.000 Euro.

Der Schöffensenat folgte schließlich der Argumentation des Staatsanwaltes und verurteilte den Mann wegen vorsätzlicher Gemeingefährdung. Die Probezeit für die Bewährungsstrafe beträgt drei Jahre. Der 26-Jährige habe eine gefährliche Situation erkennen müssen und sei bereit gewesen, diese hinzunehmen, sagte der Vorsitzende. Einem Sachverständigengutachten zufolge sei der Angeklagte auf einer Wegstrecke von zumindest 464 Metern mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 269 km/h unterwegs gewesen. Das Gericht ging davon aus, dass sich mindestens zehn Personen in einem konkreten Gefährdungsbereich befunden haben.

Bei der Strafbemessung - das Delikt ist mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren Haft bedroht - habe die Generalprävention eine Rolle gespielt, erklärte der Richter. Der Angeklagte hat sich offensichtlich eine milderes Urteil erhofft. "Das hört sich für mich nicht so gut an", sagte er nach der Urteilsverkündung. Er nahm drei Tage Bedenkzeit. Der Staatsanwalt verzichtete auf Rechtsmittel. Gegen den Beschuldigten war zunächst ein Strafantrag beim Bezirksgericht Tamsweg eingebracht worden. Die Richterin verwies die Zuständigkeit jedoch an ein Schöffengericht.

Kommentare (11)

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Mezgolits
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Mit 269 km/h im Katschbergtunnel unterwegs

"Kollisionsgeschwindigkeit ca. 120 km/h" =
Der vordere PKW fuhr etwa 100 km/h = der
Raser wäre dem Vorausfahrenden mit etwa
20 km/h draufgefahren + bei ihm einen Total-
schaden und bei sich 87.000 EUR verursacht:
Diesen Schmäh glaube ich nicht und weiters:
Entweder die KFZ-Höchstgeschwindigkeitsbe-
grenzung auf 150 km/h - oder weiter Umwelt-
Schmäh. Erfinder Stefan Mezgolits Draßburg

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dieRealität2019
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was gibt es da zutreffendes aus meiner Sicht zu komentieren?

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"...Der Schöffensenat folgte schließlich der Argumentation des Staatsanwaltes und verurteilte den Mann wegen vorsätzlicher Gemeingefährdung..."
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In Österreich sind jährlich tausende Fahrzeuglenker mit vorsätzlicher Gemeingefährdung gegenüber anderen Verkehrsteilnehmer unterwegs und erhalten aber nur "verkehrspolizeiliche" Strafen. Betrifft nicht weniger auch die Radfahrer. Die zuständigen Behörden müssten wesentlich mehr diese Gemeingefährdung berücksichtigen, vor allen wie man aus der Praxis immer wieder an den Zahlen auch gegenüber ausländischen Lenker sehen kann.
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Hier gibt es aus meiner Sicht einerseits eine "falsche" Toleranz" dass in gegebenen Vorfällen nicht bei Gericht Anzeige erstattet wird, andererseits wäre es langsam an der Zeit und zeitgerecht entsprechend ein dem deutschen System ähnliches Strafsystem für Verkehrsdelikte einzuführen.

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dieRealität2019
4
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Mehr ist dazu nicht zu sagen.

ein Artikel aus der ©Kleinen Zeitung: "...Wilde Verfolgungsjagd 150 km/h durch Graz: Neun Monate Haft für rasenden Alkolenker..."

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dieRealität2019
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was sollte man hier genaugenommen noch kommentieren?

nach einer Überprüfung durch den Rechnungshof (rechnungshof.gv.at/Verkehrsstrafen.pdf )
gab es in Summe gesehen 2017 in Österreich 8.419.233 Organmandate und Anzeigen, 2013 waren es 8.376.720 Organmandate und Anzeigen.

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Mena_2281
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In Deutschland

Wär der seinen Führerschein los plus Punkte in Flensburg plus Geldstrafe! Wird Zeit dass Österreich sowas v.a.bei so einem "Fahrer" ebenfalls erledigt!

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Hildegard11
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Wobleibt das....

...Organmandat in Höhe von mind. einigen 1000 € und die Führerscheinabgabe???

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kropfrob
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Das wird wohl ...

... wenige Wochen nach dem Vorfall ersledigt worden sein - das dauert normalerweise nicht zweieinhalb Jahre. In diesem Prozess ging es darum, ob auch eine Straftat begangen wurde.
Ich frage mich, warum der Prozess erst zweieinhalb Jahre später stattfindet; Gutachten und andere Ermittlungsarbeit kann wohl nicht so lange gedauert haben. Wie sollen sich da Beteiligte und Zeugen noch an die Details erinnern?

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unterhundert
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Na Super...

Ich zahle bei einer Übertretung in der Rudersdorfer Strasse 70,00 €. Geschwindigkeit statt 30 KMH 33 KMH. Wo bleibt da die Relevanz?

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dieRealität2019
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Wo bleibt da die Relevanz?

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die ist ein subjektiver Gefühlswert und von Person zu Person differenziert wie man lesen kann. 26 Daumen hoch zeigen, dass allein die Verletzung der gesetzlichen Pflicht noch dazu in einer 30kmh Zone die nicht ohne Grund vorhanden ist, keine Akzeptanz bezüglich Einsichtigkeit vorhanden ist.
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nach einer Überprüfung durch den Rechnungshof (rechnungshof.gv.at/Verkehrsstrafen.pdf )
gab es in Summe gesehen 2017 in Österreich 8.419.233 Organmandate und Anzeigen, 2013 waren es 8.376.72 Organmandate und Anzeigen.
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was sollte man hier noch kommentieren?

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HannesK
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Realitätsverlust total...

Kommentieren sollte man endlich die seltsame, mit totalem Realitätsverlust verbundene arrogante Ansicht des Verteidigers eines zu milde bestraften Maurers, der jährlich 155.000 km abspult - deshalb fährt er sicherer und verantwortungsbewusster??? Da lachen aber alles Hühner in Ö und D.....

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dieRealität2019
1
1
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Wo bleibt da die Relevanz?

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die ist ein subjektiver Gefühlswert und von Person zu Person differenziert wie man lesen kann. 26 Daumen hoch zeigen, dass allein die Verletzung der gesetzlichen Pflicht noch dazu in einer 30kmh Zone die nicht ohne Grund vorhanden ist, keine Akzeptanz bezüglich Einsichtigkeit vorhanden ist.
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nach einer Überprüfung durch den Rechnungshof https://www.rechnungshof.gv.at/rh/home/home/Verkehrsstrafen.pdf
gab es in Summe gesehen 2017 in Österreich 8.419.233 Organmandate und Anzeigen, 2013 waren es 8.376.72 Organmandate und Anzeigen.
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was sollte man hier noch kommentieren?

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