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Laut Studie "Habsburger Unterlippe" ist Folge von Inzucht

Auffallend vorstehend waren Unterlippe und -kiefer bei vielen Vertretern der so einflussreichen Herrscherfamilie

Karl II. von Spanien (Gemälde von 1685 © https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Juan_de_Miranda_Carreno_002.jpg
 

"Du, glückliches Österreich, heirate" - nach diesem Motto sicherten die Habsburger über Jahrhunderte ihre Macht über viele Teile Europas. Ebenfalls aus Gründen des Machterhalts wurde bekanntlich auch oft innerfamiliär geheiratet. Dass die berühmte "Habsburger Unterlippe" mit dieser Praxis zusammenhängt, zeigte nun ein Team um spanische Forscher im Fachblatt "Annals of Human Biology".

Auffallend vorstehend waren Unterlippe und -kiefer bei vielen Vertretern der so einflussreichen Herrscherfamilie. Im Gegensatz dazu war der Oberkiefer schwächer ausgeprägt (Oberkiefermangel). Ebenso ein hervorstechendes Merkmal war die Nase mit Höcker und langgezogener Spitze. Dass diese Art der charakteristischen Gesichtsdeformation auch mit Inzucht in Zusammenhang steht, wurde vielfach angenommen, ein wissenschaftlich belastbarer Beweis lag jedoch bisher nicht vor, schreiben die Forscher um Roman Vilas von der Universität von Santiago de Compostela (Spanien) am Montag in einer Aussendung.

Inzucht

Zustandekommen kann die Vererbung solcher Merkmale auf verschiedene Arten: Ist ein dominantes Gen dafür verantwortlich, reicht es, wenn der dafür verantwortliche Erbgutteil von einem Elternteil kommt. Handelt es sich um rezessive Vererbung kommt ein Merkmal nur zum Tragen, wenn beide Eltern das Gen weitergeben. Ist ein solches Gen in einer Familie verbreitet und es gibt viele Ehen zwischen Verwandten, fördert die Inzucht demnach die Verbreitung des Merkmales.

Die Wissenschafter haben für ihre Studie zehn Experten für Gesichtschirurgie das Vorhandensein der typischen Merkmale in 66 zeitgenössischen Porträts von 15 Mitgliedern der Habsburger Familie vom 15. bis zum Ende des 17. Jahrhunderts einschätzen lassen. Die Gemälde stammten großteils aus den Sammlungen des Prado in Madrid und des Kunsthistorischen Museums (KHM) in Wien und könnten als relativ authentisch angesehen werden, schreiben die Forscher in ihrer Arbeit.

Besonders stark ausgeprägt war der vorspringende Unterkiefer laut den Experten bei der spanischen Königin Margarete von Österreich (1584-1611), dem spanischen König Philipp IV. (1605-1665) und dem heuer aufgrund seines Todes vor exakt 500 Jahren sehr präsenten Kaisers Maximilian I. (1459-1519). Der Oberkiefermangel war demnach bei Philipp IV. von Spanien am ausgeprägtesten, gefolgt von Karl V. (1500-1558) und Karl II. von Spanien (1661-1700). Darüber hinaus erstellte das Forschungsteam eine Art Maßzahl für das Ausmaß an Inzucht für die 15 untersuchten Habsburger aufgrund eines Stammbaums, der rund 6.000 Habsburger über 20 Generationen hinweg umfasste.

Fehlbildungen

Die Analyse ergab einen großen Zusammenhang zwischen großem Unter- und kleinem Oberkiefer, was darauf schließen lasse, dass die "Habsburger Unterlippe" oder das "Habsburger Kinn" durch beide Fehlbildungen charakterisiert ist und eine gemeinsame genetische Grundlage hat. Zwischen dem Ausmaß an Inzucht und der Unterkieferfehlbildung ergab sich ein statistisch signifikanter Zusammenhang. Auch zwischen dem Maß für Inzucht und dem Oberkiefermangel war die Verbindung stark, aber nicht signifikant. Auch wenn es aufgrund der geringen Anzahl an untersuchten Personen theoretisch möglich sei, dass die Merkmalsübereinstimmungen rein zufällig zustande kommen, würden die Ergebnisse für eine rezessive Vererbung sprechen, hieß es.

"Wir zeigen nun zum ersten Mal den klaren Zusammenhang zwischen Inzucht und dem Auftreten der 'Habsburger Unterlippe'", so Vilas. Da es in manchen Weltgegenden, religiösen oder ethnischen Gruppen auch heute noch relativ viel Inzucht gebe, seien diese historischen Analysen auch von aktueller Bedeutung. "Die Habsburgerdynastie ist eine Art natürliches Labor, das uns die Erforschung ermöglicht, da das Ausmaß an Inzucht hier so unterschiedlich war", sagte Vilas.

 

Kommentare (29)

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hermannsteinacher
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Der kinderlose spanische König Karl II., der Verhexte, wurde zu Tode exorziert,

zuvor hatte man ihn noch dazu gebracht, sein Weltreich einem französischen Bourbonen testamentarisch zu vermachen. Erzherzog Karl von Österreich (Vater von "Maresi") trauerte sein Lebtag Spanien samt Barcelona noch nach.
Alle von Maria Theresia abstammenden Habsburg-Lothringer inkl. Erzherzog Johann, dem legendären Postmeisterstochterehegatten, samt allen steirischen Nachkommen fehlt aber das vorspringene Unterkiefer, - ebenso wie die den Steirern angedichteten "Kröpfe" praktisch nur in Kärnten gewöhnlich sind, wie in "Mayers Konversations-Lexikon" schon 1896 festgehalten

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hermannsteinacher
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corr.

Allen ... Habsburg-Lothringern ...

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hermannsteinacher
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Über die österreichischen und toskanischen Habsburg-Lothringer

haben die santiago-de-compostelanischen Universitätsforscher gar nicht geforscht!

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wolfisch
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Habsburg

Na, so eine "Neuigkeit"!!!!

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Helmut67
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Steirer

alle aus dem gleichen Graben 😂😂😂

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hermannsteinacher
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Bitte da keine Verwechslungen

mit hinteren kärnterischen Alpentälern, wo die Kröpfe wachsen!

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Planck
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Naja, kommt drauf an.

Der Spruch "in jedem Haus a Noarr" kann zwei Ursachen haben. Inzucht oder Schnapszutz.
In der Steiermark isses eher der Schnapszutz, in Gebirgstälern sind die Wege zum anderen Geschlecht beschwerlicher, da isses was anderes.
In der Regel ;-)
Gibt aber auch Ausnahmen, in der pannonischen Tiefebene zum Beispiel. Da gibt's Dörfer, wo die eine Hälfte Maier, die andere Müller heißt, und auf den Friedhöfen stellt sich das ganze Ausmaß der Katastrophe heraus *gg

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hermannsteinacher
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Kärnten,

Salzburg und Tirol sind gebirgiger als Steirerland.

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lieschenmueller
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@Planck

Wissen Sie, an welchem Ort man sich richtig zuhause fühlt?

Wenn einem die Namen der Todesanzeigen etwas sagen ;-)

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GordonKelz
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DA SIEHT MAN....

...für was die Namen am Grabstein dienen,
um die Neugier und das Denunziantentum zu bedienen, der einzige wirkliche Grund!
Gordon Kelz

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lieschenmueller
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@GordonKelz

Sie erwähnten gar nicht die Friedhofsgebühren im Irgendwo.

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Planck
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Und wissen S', was auf dem Grabstein von einem Spanner steht?

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lieschenmueller
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Ausgespannt?


Oder weg vom Fenster?

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Planck
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Hehe.

Sie haben "Spuren des Bösen" g'spechtelt ;-)
Da sagt der Tauber: "Er is weg vom Fenster." *gg

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lieschenmueller
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@Planck

Ich liiieebe "Spuren des Bösen". Heino Ferch - schmacht ...... :-)

Ja, ich habe auch diese Folge natürlich gesehen und ab und zu merke ich mir sogar noch was.

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Planck
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Wir haben's gestern in der ZDF-Mediathek gefunden. Deutschsprachiges Fernsehen geht bei mir nur über Umwege.
I mag den Ferch auch, aber die Folge war echt schwach, erst kopieren's des Fenster zum Hof und dann den Prager Fenstersturz.
Zu viele Fenster ;-)

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hermannsteinacher
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Es gab zwei

Prager Fensterstürze!

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lieschenmueller
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@Planck

Am Gruseligsten war jene vom Semmering. Wo die Ärztin dann (gedreht im Krankenhaus Mürzzuschlag) sich selber (mehr wird nicht verraten) ......

Aber zurückkommend auf die Namen der Todesanzeigen - wenn ich am Friedhof des Ortes, wo ich aufgewachsen bin durch die Gräberreihen gehe, kenne ich sie fast alle. Ehemalige Nachbarn, meine ungeliebte Lehrerin, welche mit denen ich aufgewachsen bin usw. Wiederum in der Stadt, wo ich seit über 30 Jahren lebe, Fehlanzeige!

Auch wie Sie schreiben, dass Leute nicht aus den Tälern rauskamen - mein Vater selig hat wirklich jedes Papierl aufbehalten. Rückverfolgbar etliche Generationen alle zwischen dem mittleren Mürztal und Neuberg in eben diesem. Dann einer hat es aus dem "Joglland" übers Alpl gewagt. Plus ganz hinten jemand aus "Friedberg" ehemaliges Böhmen. Es lebe die Monarchie.

Gerettet hat mich vielleicht die Mutterseite, die kam aus der Wiener Neustadter Gegend :-)

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hermannsteinacher
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Neustadt war ohnedies sehr lange steiermärkisch,

selbst Mödling hat im Gemeindewappen auch den steirischen Panther!

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hermannsteinacher
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Die Bucklige Welt/Pittner Mark, heute zu NÖ,

gehörte zum Herzogtum Steiermark,
selbst das heutige oberösterreichische Bad Ischl und das Steyrtal bis Enns an der Donau.

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Planck
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Umgottswün

Sie sind ja a halber Baazi *gg

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brosinor
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Eigentlich dachte ich...

....das hieße steirischer Vorbiss.
In der Stmk sehr häufig

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maddogglucky
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Erzherzog Johann

der, quasi Vater der Steiermark, war Habsburger und hat bekanntlich viele außerehliche Kinder in die Steiermark gesetzt.
Also, wird also er und seine Gene daran schuld sein, am "Steirer-Kinn"
:-D

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hermannsteinacher
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Nein,

auch dieser in Florenz geborene Habsburg-Lothringer hatte so ein "erfundenes" Steirer-Kinn gar nicht!

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Planck
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Hat er das?

Und wer außer Ihnen weiß noch davon?
Und waren die Amerikaner wirklich nicht auf dem Mond?

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Hildegard11
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Meines Wissens nach...

...hat er nur für viele arme Kinder die Patenschaft übernommen.

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