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Kritik an Schulbuchbudget''Immer öfter müssen Eltern bezahlen''

Verbraucherpreisindex stieg in vergangenen 20 Jahren um 45 Prozent, Limit für Schulbuchaktion aber nur um 16 Prozent.

© APA/GEORG HOCHMUTH
 

Schüler-, Eltern- und Lehrervertreter kritisieren die Schulbuchaktion. Während der Verbraucherpreisindex in den vergangenen 20 Jahren um fast 45 Prozent gestiegen ist, wurde der Maximalbetrag, der pro Schüler für Bücher zugeschossen wird, um nur 16 Prozent angehoben. "Immer öfter steht deshalb für den Unterricht kein Schulbuch zur Verfügung, immer öfter müssen Eltern Bücher bezahlen."

Gestartet wurde die Schulbuchaktion 1972 unter dem Titel "Gratis-Schulbuch". Um die steigenden Kosten einzudämmen, wurden ab 1995 allerdings Höchstbeträge pro Kopf und Schulform festgelegt. Zusätzlich gab es bis 2011 einen Selbstbehalt von zehn Prozent.

50 bis 170 Euro pro Kopf

Heuer fließen rund 109 Mio. Euro aus dem Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) in die Schulbuchaktion für die rund 1,1 Mio. Schüler. Pro Kopf werden damit Schulbücher um maximal 50 Euro (Volksschule) bis 170 Euro (AHS-Oberstufe) finanziert. Diese Höchstgrenze ist allerdings in den vergangenen 20 Jahren nicht annähernd im Ausmaß der Inflation angestiegen. Nur an den Volksschulen wurde das Limit mit über 40 Prozent fast inflationsdeckend angehoben, wie das zuständige Bundeskanzleramt bestätigt. Die übrigen Schultypen liegen mit 10,6 Prozent (AHS-Oberstufe) bis 21,0 Prozent (AHS-Unterstufe/Neue Mittelschule) weit darunter.

Selbstbehalt abgeschafft

Im Schuljahr 2011/12 wurde zwar der Selbstbehalt bei Schulbüchern abgeschafft. Man habe allerdings die Limits für das Buchbudget pro Kopf nicht entsprechend erhöht, kritisiert AHS-Lehrergewerkschafter Herbert Weiß (FCG) im APA-Gespräch. "In der Praxis heißt das natürlich, dass die Eltern Kosten übernehmen müssen, die ihnen eigentlich vom Gesetz her nicht überantwortet werden dürfen." Noch schärfer formuliert es Roland Gangl (FCG), oberster Lehrervertreter an den Berufsbildenden Mittleren und Höheren Schulen (BMHS): "Das ist eine Umgehung der Schulgeldfreiheit."

2009 hat ein Bericht des Rechnungshofs (RH) ergeben, dass das vorhandene Schulbuchbudget an drei von vier Schulen nicht für eine Vollversorgung der Schüler ausreichte. "Das ist sogar schlimmer geworden", glaubt Weiß. "Bei uns geht sich das seit Jahren nicht aus."

Bücher dazukaufen

Für die Schüler bedeutet das, dass sie oft Bücher dazukaufen müssen, erzählt Bundesschulsprecherin Jennifer Uzodike. "Das ist für manche extrem schwierig, auch wenn es 'nur' 30 Euro sind." Sehr oft sind es Arbeitsbücher, für die laut Bundeselternverband Geld zugeschossen werden muss. Auch die Kosten von Atlanten und Wörterbücher müssten die Eltern oft selbst tragen.

In anderen Fällen muss die Schule entscheiden, in welchen Fächergruppen am ehesten auf ein Schulbuch verzichtet werden kann. Als Ersatz werden etwa selbst erstellte Handouts ausgedruckt. Für die Lehrer bedeutet das laut Gewerkschafter Weiß Mehrarbeit, für die Schüler laut Bundesschulsprecherin Uzodike eine für manche schwer organisierbare "Zettelwirtschaft". In manchen Fällen leide auch die Unterrichtsqualität, so Weiß, denn nicht immer könne man sinnvoll auf elektronische Medien ausweichen.

Von der kommenden Regierung fordern die Schulpartner deshalb, dass das Schulbuchbudget an die Inflation angepasst wird. Uzodike: "Es kann nicht sein, dass man hier weiter von Schülern und Eltern verlangt, dass sie das aus ihrer eigenen Tasche bezahlen." Aus dem Bundeskanzleramt heißt es dazu auf Anfrage der APA, die zuständige Fachsektion werde "eine Wertanpassung der Schulbuchlimits bei den bevorstehenden Budgetverhandlungen thematisieren".

Kommentare (9)

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Aleksandar
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Wirtschaft diktiert

Teure Arbeitsbücher, am besten jährlich eine leicht überarbeitete Neuauflage (damit ja kein altes verwendet werden kann, bestimmen den Schulbuchmarkt.
In der Zeit, als es keine Gratis-Schulbücher gab, waren die Schulbücher eher einfach ausgestattet und enthielten viel Übungsmaterial. Kaum zahlte der Staat, wurden die Bücher (bei immer weniger werdendem Übungsmaterial) pompös ausgestattet, immer größer und teurer. Irgendwann ist eine Grenze erreicht.

Und wie Schulbücher wertgeschätzt werden, erkennt man, wen man zu Beginn der Sommerferien in die Mülleimer von Schulen blickt. Zahlt eh der Staat.

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Mein Graz
3
6
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Anspruch

"Anspruch auf die Leistung haben alle ordentlichen Schüler, die eine öffentliche oder mit dem Öffentlichkeitsrecht ausgestattete Pflichtschule, mittlere oder höhere Schule in Österreich besuchen oder die allgemeine Schulpflicht an einer Privatschule oder in häuslichem Unterricht erfüllen."
Somit werden die vorgegebenen Kriterien nicht erfüllt.

Ja, diese Aktion kostet Geld. ABER es geht um die Ausbildung unserer Kinder!
Auch kann man den Anspruch nicht beschränken, in dem man etwa Kinder "reicher" Personen ausnimmt, denn wer zieht die Grenze und wo liegt sie? Wer garantiert, dass die "reichen" Eltern immer für das Wohl ihrer Kinder sorgen und für die Bücher aufkommen?

Wünschenswert wäre allerdings die Weitergabe von Schulbüchern, die nicht als Arbeitsbuch genutzt werden - wie weiter unten schon geschrieben.

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Estarte
8
8
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GRATIS

Es kann nicht das ganze Leben GRATIS sein.
Bildung kostet Geld und ist WERTVOLL !
Die Schule ist GRATIS, somit dürfen die Bücher ein paar Euro kosten.
Soviel ich informiert bin, wurden Familien ohnehin entlastet und es gibt Kinderbeihilfe.....
Solange z.B. eine 10 köpfige Familie krankenversichert ist, auch wenn niemand arbeitet, sollen und dürfen die Bücher etwas kosten.

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gintonicmiteis
7
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Du bist ÖVP-Wähler, stimmts?

Denn mit diesem Ansatz hängt die Zukunft der Kinder vom Einkommen der Eltern ab.

"Tut mir leid, mein Schatz, ich als Alleinerziehende kann mir keine höhere Schule leisten; hättest du doch nur mehr Glück bei der Lotterie des Lebens gehabt und wärst in einen reicheren Haushalt geboren..."

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selbstdenker70
3
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...

Das sehe ich total anders. Es gibt in unserem Land eine 9 jährige Schulpflicht. Innerhalb dieser Zeit muss der Staat sämtliches Unterrichtsmaterial gratis zur Verfügung stehen. 20,30 jährige dürfen gratis studieren, aber für die schulpflichtigen Kinder, die die Basis für ihr Leben lernen, ist kein Geld für die dazu notwendigen Bücher da?? Ja gehts noch?

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tomtitan
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Wo sind die Zeiten hingekommen, wo man auf seine Schulbücher aufgepasst hat und die dann weitergegeben wurden?

Hat auch funktioniert .

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Mein Graz
1
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@tomtitan

In dieser Zeit waren die Schulbücher tatsächlich noch Bücher zum Lesen.
Heute sind viele Schulbücher Arbeitsunterlagen, in denen Aufgaben schriftlich bewältigt werden müssen.
So ein Buch kann nicht wiederverwendet werden!

Lesebücher, Atlanten usw. sollten verpflichtend weiter gegeben werden müssen. Wenn dies nicht möglich ist (eben auf Grund von Beschädigungen, Kritzeleien usw.) oder wenn sich der Nutzer das Buch behalten möchte würde ich eine zu zahlende Pauschale einführen.
Das könnte wiederum der Anschaffung neuer Bücher zugute kommen.

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Knirpsi
2
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Alles Gratis?

Wir mussten lange Zeit alles für unsere Kinder zahlen trotz nur 1 Verdiener. wir machten es gerne. Heute wollen alle nur alles gratis! Wird nicht lange klappen. Woher soll das Geld kommen?

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Leberknoedel
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Ich zahl gerne was für die Schulbücher

wenn ich weiß, das mit meinen Steuergeldern bedürftigen Familien wie den Straches geholfen werden kann.

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