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StudieKinderflüchtlinge tauschen oft Rollen mit Eltern

Wenn Eltern aufgrund psychischer und sozialer Probleme ihre Rolle nicht wahrnehmen könne, übernehmen oft Kinder diese Rolle.

Sujetbild © Jonathan Stutz - stock.adobe.com
 

Begleitete Kinderflüchtlinge hätten gegenüber Unbegleiteten den Vorteil, auf Eltern zurückgreifen zu können. Diese könnten ihre Elternschaft jedoch aufgrund psychischer und sozialer Probleme oft nicht wahrnehmen. Kinder übernehmen in diesen Fällen die Elternrolle. Das ist eines der Ergebnisse einer Studie von UNICEF und Asylkoordination, die die beiden Organisationen am Mittwoch präsentierten.

Kinder passen sich besser an

Kritik zeigten die Studienautorinnen in diesem Zusammenhang am von ihnen genannten "Arbeitsverbot" von Asylwerbern. Diese dürfen während eines laufenden Asylverfahrens nur in ausgewählten Mangelberufen arbeiten. Den Eltern werde dadurch "jede Form der Selbstwirksamkeit genommen", kritisierte Andrea Fritsche, eine der Studienautorinnen von UNICEF. Die fehlende Erwerbsarbeit sei aber nur ein Faktor, warum Erwachsene ihre Elternschaft gegenüber Kindern nicht mehr wahrnehmen würden. Auch Traumata und psychische Belastungen führten laut der Studie dazu, dass Eltern ihre Kinder nur bedingt unterstützen könnten. Kinder hingegen könnten sich besser an die schwierige Situation nach der Flucht anpassen und seien eine emotionale Stütze für ihre Eltern. Dies führe in manchen Fällen dazu, dass Kinder die Elternrolle übernehmen würden. Dies sei problematisch, "wenn Kinder dadurch in ihrem Kind-Sein eingeschränkt werden", besagt die Studie. Die Kinder "werden viel zu schnell erwachsen", sagte Fritsche.

Für die notwendige Unterstützung, die die Eltern ihren Kindern nicht geben könnten, sei laut Studienautorinnen der Staat zuständig. Momentan fehle es allerdings an Ressourcen für kindgerechte Unterstützung von Flüchtlingen. So seien an manchen Schulen seit 2015 zwar viele Initiativen gestartet worden, die sich der Kinder annehmen. Diese beruhten allerdings auf der Bereitschaft von Direktoren, Lehrern oder Elternvertretern. Die Unterstützung sei hauptsächlich ehrenamtlich und informell, und daher nicht nachhaltig, erklärte Studienautorin Lisa Wolfsegger von der Asylkoordination.

Altersgerechte Flüchtlingsberatungen gefordert

Daher fordern die Studienautorinnen altersgerechte Flüchtlingsberatungen an Schulen und Jugendzentren sowie einen Aufbau der Schulsozialarbeit. Zusätzlich sollte die "Freizeitpartizipation" gestärkt werden, da laut Studie "Spiel und Kultur auf niederschwelliger Ebene die psychische Stabilität der Kinder fördern und Raum für ein Kind-Sein eröffnet, der in häufig belasteten Familiensituationen eingeschränkt" sei.

2018 haben in Österreich 13.746 Personen einen Asylantrag gestellt. Knapp die Hälfte davon machten laut Katharina Glawischnig von der Asylkoordination Unter-18-Jährige aus: in absoluten Zahlen 6.390. Davon seien wiederum 90 Prozent begleitete Kinderflüchtlinge, der Rest kam ohne Eltern nach Österreich.

 

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