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Offizielles Österreich in Trauer

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© APA/AFP/JOE KLAMAR
 

Mit tiefer Trauer hat das offizielle Österreich am Freitag auf die Nachricht vom Tod des Holocaust-Überlebenden Marko Feingold reagiert. Betroffen zeigten sich Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein, das Parlamentspräsidium, die Israelitische Kultusgemeinde sowie die Spitzen der Parteien.

"Meine Gedanken sind in dieser Zeit bei seiner Familie, der ich mein tiefstes Mitgefühl aussprechen möchte", so Van der Bellen, der sich in einer Aussendung betroffen zeigte. Feingold habe vier Konzentrationslager überlebt. "Er war als Überlebender des Terrors des NS-Regimes ein wichtiger Zeitzeuge und hat sich dieser Aufgabe noch bis ins hohe Alter mit großem Engagement gestellt." Und: "Für die Aufklärung und das Anliegen 'Niemals wieder' hat er alles gegeben."

Bierlein sowie Kultusminister Alexander Schallenberg würdigten Feingolds "unermüdlichen Einsatz im Kampf gegen Faschismus und Antisemitismus". In seinem langen Leben sei es ihm ein Herzensanliegen gewesen, als Zeitzeuge und ältester KZ-Überlebender Österreichs seine Erlebnisse an die nachfolgenden Generation weiterzugeben, erklärten sie in einer gemeinsamen Mitteilung: "Er hat uns unentwegt daran erinnert, dass es unsere historische Verantwortung ist, dass die Gräueltaten des Holocaust niemals vergessen werden und sie sich niemals wiederholen."

Man werde Feingold schmerzlich vermissen, betonte der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Oskar Deutsch. "Nicht nur die jüdischen Gemeinden Österreichs, sondern ganz Österreich haben heute einen ganz besonderen Menschen verloren. Einen Lehrer, Aufklärer, Mahner und vor allem einen wunderbaren Menschen und einen Freund." Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands trauerte um "einen der letzten Zeugen des Naziterrors in Österreich und langjähriges Mitglied des DÖW-Kuratoriums".

Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) würdigte Feingold als "Symbolfigur, der Zeit seines Lebens nicht müde wurde, seine Geschichte und Erfahrungen weiterzutragen und eine mahnende Stimme in und für unsere Gesellschaft zu sein". Die zweite Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) betonte, er sei bis zuletzt ein aktiver Mahner gegen ein Aufflammen von Rechtsextremismus und Antisemitismus gewesen.

ÖVP-Chef Sebastian Kurz würdigte Feingold als "beeindruckenden Mann", der sich dafür eingesetzt habe, "dass wir die NS-Gräueltaten niemals vergessen". Für SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner hat er "unschätzbar Wichtiges" für die Demokratie geleistet. Eine "Warnung, dass sich so ein dunkles Kapitel unserer Geschichte nie mehr wiederholen darf" erkannte FPÖ-Chef Norbert Hofer. NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger sagte, sie verneige sich in tiefem Respekt vor seinem Wirken und seiner Tatkraft. "Wir sind dankbar für die vielen Jahre, in denen er der österreichischen Gesellschaft einen Spiegel vorhalten konnte", meinten die Grünen.

"Er war ein Brückenbauer und Vermittler, der trotz schlimmster persönlicher Erfahrungen immer das Menschliche, das Verbindende und die Freude am Leben in den Vordergrund gerückt hat", betonte Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer. Feingold sei eine stadtbekannte, mutige, fantasievolle und sehr beeindruckende Persönlichkeit mit viel Lebensfreude gewesen.

 


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Kommentare (2)

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schandopr
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Marko Feingold

Der Inbegriff der Gelassenheit ist tot. "Ich habe alle meine Widersacher überlebt!" schrieb er in seinem Buch; das war sein Trost, und ist wohl unsere Hoffnung auf eine heile Welt, auch wenn es Viele gibt, die dagegen - arbeiten. R.i.P! Shalom

brosinor
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18
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Leben Sie wohl!

Sie haben soviel Wichtiges für die Gesellschaft geleistet, danke!
Nun sind alle verstummt.....das ist nicht gut!