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''Ich war ein Vollidiot''Aus Auto auf Pkw-Lenker geschossen: Elf Jahre Haft

Am Mittwoch musste sich der Familienvater wegen versuchten Mordes vor Gericht in Korneuburg verantworten. "Ich war einfach ein Vollidiot", sagte der Beschuldigte.

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Ein 29-Jähriger ist am Mittwoch am Landesgericht Korneuburg zu elf Jahren Haft wegen versuchten Mordes verurteilt worden, weil er aus dem fahrenden Auto auf einen Pkw-Lenker geschossen hatte. Grund war ein Streit über ein Überholmanöver. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung erbaten drei Tage Bedenkzeit. Die Geschworenen plädierten einstimmig für den angeklagten Mordversuch. Eventualfragen nach einer versuchten schweren Körperverletzung sowie gefährliche Drohung entfielen dadurch.

Mildernd wurde der bisher ordentliche Lebenswandel bewertet, dass es beim Versuch geblieben ist und dass der Beschuldigte einen Beitrag zur Wahrheitsfindung geleistet hat. Erschwerend waren die rücksichtslose Tatbegehung aus nichtigem Anlass sowie der Waffengebrauch.

Dass es bei dem Schussattentat keine Toten oder Verletzten gab, ist dem Umstand zu verdanken, dass das Projektil aufgrund von Überlagerung der Munition abgeleitet wurde und in der Gummidichtung der Scheibe stecken blieb. Dem traumatisierten 55-jährigen Opfer wurden 1.000 Euro Schmerzengeld zugesprochen.

Ärger über Überholmanöver

Weil er sich so dermaßen über das Verhalten eines Pkw-Lenkers beim Überholmanöver geärgert hatte, war der Schuss gefallen. "Ich war einfach ein Vollidiot", sagte der Beschuldigte, ein Familienvater, den Werner Tomanek verteidigte.

Das Attentat im Gemeindegebiet von Sierndorf (Bezirk Korneuburg) ging nur deshalb glimpflich aus, weil das Projektil in der Gummidichtung der Scheibe stecken blieb. Der 55-Jährige blieb zum Glück unverletzt.

Der Vorfall hatte sich am Vormittag des 27. Mai zugetragen. Der 29-Jährige war auf der zweispurigen Weinviertler Schnellstraße (S3) unterwegs, als er zum Überholen eines Lkw und des Pkw des 55-Jährigen ansetzte. Der Mann hatte gerade dasselbe vor, weswegen sich die beiden gegenseitig wild gestikulierend von Auto zu Auto beschimpften. "Er hat mir einen Vogel gezeigt und ich ihm", sagte der 29-Jährige zum Vorsitzenden des Geschworenengerichts, Helmut Neumar.

Bei voller Fahrt geschossen

Als beide den Lkw überholt hatten, positionierte der junge Mann bei voller Fahrt sein Auto neben jenem des 55-Jährigen. Aus der Mittelkonsole holte er eine Pistole der Marke Steyr, Modell Pieper, mit einem Kaliber von 6,35 Millimeter, öffnete das Beifahrerfenster, repetierte und schoss. "Ich hab' deppert abgedrückt", meinte der ehemalige Berufssoldat. "Ich hab rübergeschossen, aber nicht auf ihn gezielt."

Die Waffe hatte der 29-Jährige von seinem verstorbenen Großvater und kurz zuvor von der Wohnung seine Oma geholt, weil er sie bei einer Schießveranstaltung mit historischen Waffen verwenden wollte. Die Pistole war aufgrund ihres geringen Gewichtes und ihrer Handlichkeit eine beliebte Offizierswaffe. Der 29-Jährige hatte eine Waffenbesitzkarte und hatte zudem eine Pistole der Marke Beretta zu Hause verwahrt.

Unverletzt

Dass das Projektil nicht die Scheibe durchschlug und den 55-Jährigen verletzte, war Zufall. Es kam zu einer Überlagerung der Munition und dies führte zu einer großen Streuung der Geschossgeschwindigkeit, sagte Schießsachverständiger Ingo Wieser vor Gericht. Das Projektil wurde abgeleitet und blieb in der Gummidichtung des Fensters stecken. Wieser hatte das bei Tests festgestellt. Bei vier Schussversuchen mit der Pistole auf Pkw-Scheiben wurden drei Mal glatte Durchschüsse erzielt, einmal wurde das Projektil ebenfalls abgeleitet. Dennoch wäre laut Gutachter ein solcher Schuss geeignet gewesen, um eine Scheibe zu durchschlagen. Ein Kaliber 6,35 Millimeter könne bis zu 18 Zentimeter tief in den menschlichen Körper eindringen, sagte Wieser.

Markierungen am Auto des Opfers zeigten, dass das Projektil auf der Höhe des Kopfes abprallte. "Bei dem Mann sind alle Schutzengel mitgefahren, die möglich sind", sagte der Staatsanwalt in seinem Eröffnungsplädoyer. Der 55-Jährige zeigte sich vor Gericht schwer traumatisiert. Unter Tränen und immer wieder stockend berichtete er, dass er bis heute nicht alleine mit dem Auto fahren kann, er hätte ständig "das Gefühl der Angst und Hilflosigkeit". Er befindet sich seitdem in Psychotherapie.

Für den 55-Jährigen wäre die Auseinandersetzung bereits erledigt gewesen, als er merkte, dass der 29-Jährige mit seinem Auto plötzlich die Geschwindigkeit verringerte und neben ihm fuhr. Der Lenker dachte zunächst, der junge Mann wollte ihn schneiden, als er sah, dass er eine Pistole in der Hand hielt und auf ihn zielte. "Das Bizarre war, dass er ganz ruhig und konzentriert war", sagte der 55-Jährige. Plötzlich hörte einen lauten Knall und seine Ohren begannen zu klingeln. "Ich dachte, ich wär getroffen und hab' in den Rückspiegel geschaut, ob ich verletzt bin." In Todesangst sei er weitergefahren. "Ich wollte nicht stehen bleiben, ich hab' gedacht, er erschießt mich." Der Mann schloss sich dem Verfahren als Privatbeteiligter an.

Kurze Zeit später wurde der 29-Jährige festgenommen. Als er von Polizisten aufgehalten wurde, versuchte er noch die Waffe im Kofferraum in einem Brillenetui und weiters in einem Plastiksackerl zu verstecken. Die Patronen konnte er sogar noch während der Amtshandlung wegwerfen.

Zu Mittag zog sich das Gericht zur Beratung der Fragen an die Geschworene zurück. Neben dem Mordversuch wurden von Staatsanwaltschaft und Verteidigung Eventualfragen zur gefährlichen Drohung und zur versuchten schweren Körperverletzung beantragt. Danach werden sich die Geschworenen zur Beratung zurückziehen.

 

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