AccessControl ac = AccessControl.getAccessControl(request);

ProzessSalzburgerin wegen Anstiftung zum Mord an ihrem Mann angeklagt

Sie soll einen Arzt und einen Pfleger aufgefordert haben, die Medikamente ihres Mannes abzusetzen.

© APA
 

Eine 73-jährige Salzburgerin hat sich am Donnerstag bei einem Prozess am Landesgericht Salzburg wegen versuchter Anstiftung zum Mord verantworten müssen. Die Beschuldigte soll im September 2017 einen Arzt und einen Pfleger dazu aufgefordert haben, ihren damals 98-jährigen Ehemann nicht mehr weiter mit Medikamenten zu behandeln. Die Angeklagte beteuerte ihre Unschuld.

Die bisher unbescholtene Frau ist in dieser Causa schon im Mai 2018 in Salzburg vor Gericht gestanden. Die Staatsanwaltschaft hatte sie wegen versuchten Totschlags als Bestimmungstäterin angeklagt. Der Prozess ist mit einem Unzuständigkeitsurteil zu Ende gegangen. Der Schöffensenat sah es als wahrscheinlich an, dass die Pongauerin den Vorsatz hatte, ihren Ehemann töten zu lassen. Heute stand die Angeklagte vor einem Geschworenengericht unter Vorsitz von Richterin Ilona Schalwich-Mozes.

Der pflegebedürftige Mann war 2017 in einem Seniorenheim untergebracht, wo er sich derzeit immer noch befindet. Die Beschuldigte dürfte unter dem autoritären Verhalten des Pensionisten ihr gegenüber gelitten haben. Laut Anklage soll es zwei Anstiftungsversuche zum Mord gegeben haben. Einmal habe die Frau den Hausarzt des Ehemannes aufgefordert, die Medikamente abzusetzen. Zudem soll sie einen Pfleger aufgefordert haben, ihrem Mann keine oder falsche Medikamente zu verabreichen.

Staatsanwalt Tomas Schützenhofer nannte es eine "heikle Aufgabe", die heute auf die Geschworenen zukommt. Entscheidend sei, in welcher Gemütsverfassung die Angeklagte damals gewesen sei, sagte er. Dem Gericht liegen zwei widersprüchliche Sachverständigengutachten vor. In der ersten Expertise hieß es, die Angeklagte sei im Tatzeitraum zurechnungsfähig gewesen und ein Handeln im Affekt liege aus medizinischer Sicht nicht vor. In dem zweiten Gutachten wurde die Frau als unzurechnungsfähig erklärt. "Beide Sachverständigen sagen, sie ist nicht gefährlich", gab der Staatsanwalt zu bedenken.

Seit 35 Jahrern verheiratet

Verteidiger Andreas Hertl erklärte, die Frau sei wegen ihrer Demenz und Persönlichkeitsstruktur unzurechnungsfähig und kognitiv stark eingeschränkt. Sie habe den Hausarzt weder konkret aufgefordert noch gebeten, die Behandlung einzustellen. In einer Zeugenaussage habe der Arzt angeführt, dass es nur ein Wunsch der Frau gewesen sei, und der Pfleger habe ausgesagt, er habe Zweifel gehegt, ob sie das wirklich ernst gemeint habe.

Die Beschuldigte ist seit 35 Jahren verheiratet und habe ihren Mann jahrelang gepflegt, sagte der Rechtsanwalt. Irgendwann habe sie eine Belastungsdepression erlitten. Die von einem Spital verschriebenen Medikamente hätten aber keine Wirkung gezeigt. "Die Angeklagte wird heute keine Aussage machen. Sie hört schwer und kann Zusammenhänge nicht verstehen. Sie wird sich nicht schuldig bekennen."

Die Pensionistin beantwortete zwar keine Fragen des Gerichts, las aber - teils unter Tränen - eine Stellungnahme vor. Darin schilderte sie, dass sie von dem Arzt und dem Pfleger falsch verstanden worden sei, und der Tatvorwurf sie sehr belaste. Sie habe sich bei der Pflege ihres Mannes überfordert gefühlt. Es wäre besser gewesen, wenn sie Hilfe beansprucht hätte. Als er im Seniorenheim betreut wurde, habe sie das Gefühl gehabt, ihn im Stich zu lassen. Er habe sehr viele Tabletten bekommen, deshalb habe sie den Arzt gefragt, ob das denn notwendig sei. "Ich wollte wissen, ob er wirklich so viele Medikamente braucht."

Der Pfleger habe sie dann angeschrien und gemeint, es sei strafbar, die Medikamente abzusetzen. "Ich verstehe den Vorwurf nicht", sagte die Pensionistin. Sie habe weder den Arzt noch den Pfleger angestiftet. "Ich wollte nur eine bessere Situation für meinen Mann. Ich bitte Sie, mich freizusprechen."

Der Arzt sagte heute erneut als Zeuge aus. Der Ehemann habe für seine Herzschwäche und für seinen niederen Blutdruck eine standardmäßige Behandlung erhalten. Die Ehefrau habe das aber nicht akzeptiert. "Sie meinte, es sei ein Wahnsinn, mit so vielen Medikamenten das Leben zu verlängern." Für das Alter des Patienten sei die Medikamentenliste aber eher kurz gewesen.

Die Stoßrichtung des Gesprächs mit der Ehefrau sei gewesen, zu erreichen, dass die Behandlung mit Medikamenten reduziert werde, so der Allgemeinmediziner. Ob es eher eine Frage seitens der Frau war, die Medikamente wegzulassen, fragte ein Berufsrichter. "Es war definitiv mehr als eine Frage, aber weniger als eine Forderung", erklärte der Zeuge. "Ich hatte nicht den akuten Verdacht, dass sie das vorhat. Ich wäre nicht auf die Idee gekommen, die Polizei zu verständigen." Als Präventionsmaßnahme, damit nichts passiert, habe er die Pflegestation und den Bürgermeister als Verwalter des Seniorenheims informiert. Vermutlich wird noch am Donnerstag ein Urteil gesprochen.

Zwischen 0 Uhr und 6 Uhr ist das Erstellen von Kommentaren nicht möglich.
Danke für Ihr Verständnis.