Kein Unfall, keine Baustelle und trotzdem: Auf einmal geht nichts mehr. Oft scheinen Staus aus dem Nichts zu entstehen. Auslöser ist meist auch eine Nichtigkeit: Ein Lenker fährt zu dicht auf, bremst ab, der Fahrer hinter ihm muss dann stärker bremsen, der nächste noch stärker - bis die Kolonne schließlich steht. „Spurwechsel, geringer Abstand, jemand drängt sich rein - das alles kann bei dichtem Verkehr schnell zu einem Stau führen“, sagt Verkehrsexperte Ulrich Leth von der Technischen Universität Wien.

Ameisen wären die besseren Autofahrer

Wären wir nur ein bisschen wie die Ameisen: In einer Ameisenstraße wird nicht gedrängelt oder abrupt gebremst. Die Tiere kommunizieren über Duftstoffe miteinander und kommen sich dadurch nicht in die Quere; ein Vorbild für die vernetzten, selbstfahrenden Autos der Zukunft: „Allerdings könnte es durch das autonome Fahren künftig wiederum zu mehr Verkehr kommen, wenn dann auch Menschen ohne Führerschein allein im Auto unterwegs sind“, erklärt Leth. Das bedeutet erst wieder Staugefahr. Gegenwärtig empfiehlt der Verkehrsexperte bewährte Rezepte: Sicherheitsabstand halten, nicht stark abbremsen, gleichmäßige Geschwindigkeit.

Das Straßennetz wegen Staus auszubauen, sei hingegen eine Überreaktion: „Diese Extremereignisse treten ja meist nur zur Ferienzeit auf.“ Die Politik müsse stattdessen Voraussetzungen schaffen, damit sich der Verkehr stärker auf die Schiene verlagert.