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UmverteilungsstudieFamilien und Jüngere haben weniger im Börserl

Laut einer Wifo-Studie hat sich die Ungleichheit in Österreich seit der Wirtschaftskrise nicht erhöht. Aber die Einkommen von Jungen und Familien sind gesunken.

© APA (dpa)
 

Im Gegensatz zu anderen Ländern hat die Wirtschaftskrise in Österreich keinen Anstieg der Ungleichheit bewirkt. Das geht aus einer Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) über Umverteilung und Armut hervor. Sehr wohl unter Druck gekommen sind aber Jüngere und Familien mit Kindern, deren Einkommen sogar gesunken sind, wie Studienleiterin Silvia Rocha-Akis im Gespräch mit der APA sagt.

Die Studie zeigt, dass nicht nur die unteren Einkommensgruppen vom Sozialstaat profitieren. Je nach Definition sind nämlich 40 bis 60 Prozent der österreichischen Haushalte "Nettoempfänger". Ihr Einkommen steigt durch die staatliche Umverteilung also stärker an, als es im Gegenzug durch Steuern und Sozialabgaben belastet wird.

Rocha-Akis erklärt, dass von klassischen Sozialleistungen wie Mindestsicherung, Arbeitslosengeld und Notstandshilfe zwar tatsächlich arme Haushalte am stärksten profitieren. Vom Ausmaß her wichtiger als die direkten Geldzahlungen seien jedoch Dienstleistungen wie Schulen, Hochschulen, Kindergärten und vor allem das Gesundheitswesen. Hier fließen drei Viertel der staatlichen Sozialtransfers (ohne Pensionen) hin.

Ungleichheit nicht gestiegen

"Diese Sachleistungen sind viel gleichmäßiger verteilt. Auch die oberen Einkommen profitieren von einem Gesundheits- und Bildungssystem, das allen unentgeltlich zur Verfügung steht", sagt die Wifo-Ökonomin. Aber auch für untere Einkommen leisten staatliche Dienstleistungen einen wesentlichen Umverteilungsbeitrag: "Kürzungen würden diese Einkommensgruppen empfindlich treffen."

Überrascht hat die Studienautoren, dass die seit 2000 steigende Ungleichheit durch die Wirtschaftskrise nicht weiter befeuert wurde. Im Gegenteil: die Einkommensverteilung ist seither weitgehend stabil geblieben. Dies deshalb, weil niedrige Zinsen die oberen Einkommen gedämpft haben, während die unteren gestiegen sind. Allerdings schränkt Rocha-Akis ein, dass von letzterem nicht alle gleichermaßen profitieren. "Wir sehen, dass die Dinge je nach Haushaltstyp nicht so rosig sind", sagt die Studienleiterin. "Haushalte mit jüngeren Erwachsenen und Haushalte mit Kindern sind in der Verteilung abgerutscht."

Jüngere und Familien abgerutscht

Im Detail heißt das: Für Haushalte mit älteren Erwachsenen ab 46 und Pensionisten sind die verfügbaren Einkommen von 2010 bis 2015 inflationsbereinigt gestiegen (plus 5,5 bzw. 7,6 Prozent), während sie für jüngere Erwachsene ohne Kinder (-3,2 Prozent) und jüngere bzw. ältere Erwachsene mit Kindern (-2,6 bzw. -2,8 Prozent) gesunken sind. Wobei der Rückgang ohne Umverteilungsmaßnahmen noch stärker ausgefallen wäre (bis zu 9,2 Prozent). Der seit heuer geltende Steuerbonus für Familien könnte dem laut Rocha-Akis teilweise entgegenwirken, wird aber alleine nicht ausreichen, um den Verlust auszugleichen. Den Gründen für das Abrutschen vieler Familien werde man näher nachgehen müssen. Möglicherweise wirke sich die instabile Beschäftigungslage für Junge stärker negativ aus.

Die Studie zeigt allerdings auch, wie stark der Sozialstaat die Armut reduziert. Müssten alle Österreicher ausschließlich von dem Geld leben, das sie am Arbeitsmarkt verdienen können, wäre jeder Dritte armutsgefährdet (34,8 Prozent). Durch staatliche Zuschüsse sinkt die Armutsgefährdung auf 15,5 Prozent, durch Sachleistungen (Kindergärten, etc.) und Steuern auf 10,5 Prozent.

Finanziert wird das durch Sozialabgaben und Steuern. Wobei das Einkommen der unteren 40 Prozent der Haushalte durch die Umverteilung steigt, inklusive Pensionen sind sogar 60 Prozent der Haushalte Nettoempfänger. Ob die Pensionen als Umverteilungsmaßnahme oder als Teil des Einkommens zu werten sind, ist aber strittig, weil ein guter Teil der Pensionsbezüge durch eigene Beiträge finanziert wird. An einer Verbesserung der Datenbasis in diesem Bereich wird für künftige Studien gearbeitet.

Kommentare (12)

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crawler
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Ich glaube

da kann doch nur Basti die Schld sein. Solange er nicht die Reichen abzockt, wird's nichts mit ihm. Dass er jetzt schon wieder in Umfragen führt sind sicher Fakes.

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altbayer
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Arbeiten?

Dann sollen die Jungen halt so arbeiten, wie die Alten.
Die Freizeit steht bei den Meisten im Mittelpunkt - aber verdienen wollen sie, wie ein alter Schwerarbeiter.
Dafür würde ich keiner Regierung, sondern der Erziehung der Eltern die Verantwortung geben.

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lissilein
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ah eine intelligenzbestie

mein Lebensgefährte und ich haben eine 60h Woche, betreuen unsere Eltern und engagieren uns in der Freizeit auch. Wir geben kaum Geld aus und trotzdem müssen wir für Haus und Grund einen sehr hohen Kredit aufnehmen, wenn wir uns alles selbst erkaufen. Ich würde mich gerne mal mit den älteren Beamten, die mit 50 in Pension gingen und 3500 mind. netto Penion bekommen unterhalten!

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minerva
2
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ah eine intelligenzbestie...

und du glaubst ältere Leute wenn sie einen Kredit für Haus und Grund aufnehmen müssen diesen nicht zurückzahlen - und wenn du bei 60h Arbeitszeit nicht mit deinem Geld auskommst, hast du etwas falsch gemacht!

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jg4186
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Familien und Jüngere haben weniger im Börserl

Das ist die echte Herausforderung an jede Politik. Die nicht betroffen sind, lästern leicht. Da aber gibt es viel zu tun, da ist gute, ausgewogene, soziale Politik gefragt. "Wirtschaftswachstum" als oberstes politisches Ziel reicht offensichtlich nicht, es profitieren nicht alle davon. Wir müssen auf unsere Kinder und auf die Familie gut schauen, sie sind unsere Zukunft. Österreich sollte sich eher an das oberste politische Ziel in Bhutan oder in Neuseeland halten: "Das Wohlergehen aller"!

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bimsi1
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Jüngere haben weniger im Börsel?

Das wundert mich. Zumindest sehe ich viele Junge immer wieder feiern bei den verschiedensten Festen. Und deutlich weniger Ältere die feiern.

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Mein Graz
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@bimsi1

An einer Feier teilzunehmen oder einfach zu feiern hat nicht viel mit den Finanzen zu tun. Oft wird im täglichen Leben massiv gespart um dann bei einer Feier auf den Putz hauen zu können.
Zumindest haben wir das in jungen Jahren so gemacht.

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Cirdan
8
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Ja eh...

-IPhone
-Macbook
-Klamotten von Boss/Hillfiger/...
-150PS+

ja unserer Jugend geht's schlecht...

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Mein Graz
2
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@Cirdan

Die jungen Leute die ich kenne tragen keine teuren Marken, die kaufen ihre Bekleidung bei Billig-Ketten (leider können sie da nicht auf Nachhaltigkeit schauen, das ist nicht leistbar).
Sie haben keine I-Phones sondern günstige Smart-Phones, ebenso kauft sich keiner ein Macbook.
Auto? Ja, weil zum Arbeiten benötigt. Für Wege in der Stadt gibt es - schon aus Umweltgründen - die Öffis.

Dafür leisten sie sich dann eben einen Urlaub im Zelt, einen Festivalbesuch oder auch einmal einen Besuch eines Pubs.

Vielleicht ist mein Bekanntenkreis nicht repräsentativ, sie machen es halt gleich wie ich auch in meinen jungen Jahren.

Es geht ihnen nicht schlecht, sie jammern ja auch nicht!

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californium252
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ja genau

vor allem Bhutan

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77ebb8cbcdcaeb9db3ad652831220f4b
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ÖVP und NEOS

die Parteien der Familien 🤣 Wenns nicht so traurig wäre, wär mir echt zum lachen! Die Politiker müssen aufhören mit der Lügerei! Zumindest für einen Tag!

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Gedankenspiele
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Und etwas weiter oben kann man lesen, dass...

...Kurz in Umfragen abhebt. Die ÖVP ist seit Jahrzehneten in der Regierung. Da wird es mit Sicherheit keine Umverteilung von oben nach unten geben. Vielleicht gibts nach der nächsten Wahl eine Türkis-Neos-Regierung. Dann kann sich die Wirtschaft dann schon freuen. Die Bevölkerung großteils eher weniger.

Es tritt ein bisschen der Merkel-Effekt auch in Österreich ein. 35 Prozent der Bevölkerung geht es gut bis sehr gut, dem Rest geht es schlecht bis sehr schlecht. Und die 35 Prozent wählen in Deutschland halt CDU und in Österreich ÖVP.
Es gibt halt keine Solidarität der Starken mit den Schwachen mehr. Man greift sich soviel man bekommt.

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