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Homo-EheShowdown: Evangelische Kirche muss sich heute einigen

Heute diskutiert die evangelische Kirche über die Frage, ob homosexuelle Paare ab 1. Jänner getraut werden. Ein Gespräch mit Lars Müller-Marienburg: Superintendent in Niederösterreich – und offen homosexuell.

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Superintendent Lars Müller-Marienburg © (c) APA/EPD/USCHMANN
 

Synoden der evangelischen Kirche werden selten mit atemloser Spannung verfolgt. Doch jene, die aktuell in Wien stattfindet, hat Eskalierungspotenzial. Denn die Kirchengemeinschaft muss sich einigen, ob gleichgeschlechtliche Paare ab 1. Jänner 2019 getraut werden.

Bisher herrscht Uneinigkeit, Befürworter und Gegner, die sich seit Wochen verbal bekämpfen, treffen heute aufeinander. Einer der Befürworter ist Lars Müller-Marienburg. Der 41-Jährige Superintendent von Niederösterreich lebt offen homosexuell und ist damit laut eigenen Angaben neben vereinzelten Kollegen in den USA, Kanada, Skandinavien und Deutschland einer von wenigen weltweit.

Die evangelische Kirche hält sich bisher an Staatsrecht, was die Ehe betrifft. Damit müsste sie ab 1. Jänner auch homosexuelle Paare trauen. Warum ist jetzt eine Diskussion darüber entbrannt?

Lars Müller-Marienburg: Weil hier gerade zwei grundlegend unterschiedliche Definitionen von Ehe aufeinanderprallen. Und leider kommen mit dieser Diskussion auch alte Verhaltensmuster wieder auf. Unter anderem eine Ablehnung von homosexuellen Pfarrern, mit denen zuvor niemand ein Problem hatten. Plötzlich wird wieder die Handvoll Bibelstellen ausgegraben, die dazu herangezogen werden, um Homosexualität abzulehnen. Das hat mich wirklich überrascht. Die Trauung für Alle stärkt die Institution Ehe, weil mehr Leute sie wollen.

 

Wie realistisch ist eine Einigung der beiden Lager heute?

Da wir am Staatsrecht hängen, braucht es aus meiner Sicht eine Zwei-Drittel-Mehrheit, um aktiv gegen die Ehe für Alle zu stimmen. Die andere Seite argumentiert, dass der Kirchengesetzgeber ganz klar die Ehe zwischen Mann und Frau im Sinn hatte und man sich daran orientieren soll. Jetzt liegt ein Kompromissangebot auf dem Tisch.

Wie sieht das Angebot aus?

Die Ehe für Alle wird eingeführt, aber die Gemeinden und Pfarrer müssen sich noch zusätzlich für diese Möglichkeit entscheiden. Das ist aus meiner Sicht zwar unlogisch – etwas einzuführen, um sich dann trotzdem noch einmal entscheiden zu müssen. Aber ich befürworte diesen Weg, wenn dadurch ein breiterer Kompromiss möglich wird.

Was passiert, wenn man sich nicht einig wird?

Wir können heute nicht ohne Entscheidung auseinandergehen. Wenn gar nichts beschlossen wird, dann müsste es theoretisch am 1. Jänner die erste Trauung geben. Anfragen dazu gibt es bereits.
Hat die Ehe für Alle das Potenzial, die evangelische Kirche zu spalten?
Vor zwei Wochen hätte ich noch mit Nein geantwortet. Aber wie gesagt, ich hoffe auf einen Kompromiss.

Wollen Sie heiraten?

(lacht) Mit dem richtigen Partner kann ich es mir vorstellen.

Ex-Weihbischof Laun verglich die Segnung von homosexuellen Paaren mit jener eines Konzentrationslagers. Wie erklären Sie sich diesen Widerstand bei den heimischen Kirchenvertreter?

Dieser Widerstand ist seltsam, weil es so wenige Menschen betrifft. Selbst wenn die Ehe für Alle kommt, werden es nur wenige Trauungen im Jahr sein. Aber für die Betroffenen ist es unheimlich wichtig. Wenn wir jetzt die Chance haben, dieser Gruppe zu sagen: Ihr seid bei uns willkommen, dann ist das eine große Verantwortung. Weil es keine andere Religionsgemeinschaft sagt. Und dafür werde ich einstehen.

Fällt es schwer, Ökumene zu leben, wenn man weiß, wie die katholische Schwesternkirche zu Homosexualität steht?

Ich bin im guten Austausch mit vielen meiner katholischen Geschwister. Also mit den Brüdern. Schwestern in Führungspositionen gibt es ja leider keine. Viel mehr schmerzen mich die bereits erwähnten Meldungen aus den eigenen Reihen. Wir machen es uns im Moment nicht leicht.

Wie findet man den Weg zu Gott, wenn manche Kirchenvertreter erklären, dass Homosexuellen eben dieser verwehrt bleibt?

Mein Glaubensweg ist ein untypischer. Ich komme aus einer unkirchlichen Familie, was den Vorteil hat, dass ich nie Verurteilungsbotschaften über Gott gehört habe. Meine religiöse Erweckung kam direkt nach und im klaren Zusammenhang mit meinem Outing. In diesem Moment hat alles Sinn gemacht. Es mag also sein, dass manche Zweifel säen. Aber die Erfahrung des Angenommenseins als der, der ich bin, ist stärker.

Fühlen Sie sich als Aushängeschild der ohnehin als liberal geltenden evangelischen Kirche?

Ich glaube nicht, nein. Denn nicht alle finden gut, was ich mache. Aber ich spreche über dieses Thema nicht deshalb öffentlich, weil es um meine Person geht. Denn für mich ist dieser Teil von mir selbstverständlich. Es geht mir darum, verunsicherten Menschen zu zeigen: Gott liebt dich, ganz egal, wen du liebst. Und, dass man sogar in einem konservativen Land wie Niederösterreich und in der evangelischen Kirche ein ganz normales, gutes Leben führen kann. Denn so viele schwule und lesbische Personen in Führungspositionen gibt es in diesem Land nicht.

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Danke für Ihr Verständnis.

KarlZoech
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Geschätzte Frau Traar, wie kann der NÖ Superintendent

"neben wenigen Kollegen in den USA, Kanada, Skandinavien und Deutschland" dann noch "der einzige (offen homosexuell lebende) weltweit" sein?

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Kafkaesk00
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Missverständlich

Der Satz war missverständlich formuliert und wurde geändert. Danke für den Hinweis!

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bimsi1
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Auf die Heilige Schrift hören.

Jeder, der die Heilige Schrift ernst nimmt, sollte auch die Stelle 12,2 im Römerbrief lesen, wo es heißt: "Stellt euch nicht dieser Welt gleich,sondern ändert euch durch die Erneuerung eure Sinnes, auf das ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene".
Wir alle sind immer wieder aufgerufen unser Leben zu überprüfen: Gehen wir dem Weg Gottes o d er gehen wir den Weg der Welt. Immer wieder umzukehren, gehört zur Geschichte jedes christlichen Lebens.

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KarlZoech
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@ bimsi: Das Hauptproblem ist, dass nur allzu viele behaupten, zu wissen, was Gottes Wille sei.

Besonders alle Radikalen jedweder Religion haben das in allen geschichtlichen Zeiten behauptet, die r.k. Kirche (was zu Inquisition, Scheiterhaufen und brutaler Verfolgung anders Denkender führte) ebenso wie heute der IS, welcher ähnlich brutal gegen anders Denkende vorgeht.

Fakt ist: Wir wissen nicht, ob es einen Gott (Allah, Jahwe etc. genannt) überhaupt gibt. Leider behaupten allzu viele, den Willen dieses fiktiven Gottes zu kennen und wollen diesen oft mit aller Kraft und Brutalität durchsetzen.

Gut gehen kann das nur nach dem Motto "Leben und leben lassen!" mit dem Verzicht darauf, die einzige Wahrheit zu besitzen.

Ich persönlich glaube, dass es eine schöpferische, ordnende höhere Intelligenz gibt ("großer Geist"), ohne mir einzubilden, wie genau diese beschaffen sei und was diese wolle. Mit den Gottesbildern von Judentum, Christentum und Islam fange ich nichts an. Alle drei behaupten auf ihre Weise, genau zu wissen, wie dieser Jahwe (Gott, Allah) sei und was er von uns wolle. Und handeln damit einem Gebot zuwider: "Du sollst dir kein Bild von mir machen!".
Die Christen wissen sogar noch, dass dieser Gott "dreifaltig" sei; bitte was soll das denn?

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KarlZoech
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PS. Der Herrn Laun, welcher jetzt Ex-Weihbischof ist, ist eine derart skurrile,

ewiggestrige, erzkonservative Figur, dass man froh ist, dass der jetzt eben "Ex" ist. Der Typ ist unbeschreiblich, geistig im Mittelalter.

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Mein Graz
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@bimsi1

Die Frage ist:
Was ist das Gute, Wohlgefällige und Vollkommene?
Sind nicht alle Menschen lt. Gottes Wille vollkommen? Oder gibt es für Gott Menschen die vollkommener sind als andere?
Ist ein Mensch für Gott weniger wert, wenn er eine andere Hautfarbe oder sexuelle Richtung hat?

Ich persönlich bin in keiner Kirche, ich glaube aber, dass es eine höhere Macht gibt und dass für diese alle Menschen den gleichen Wert haben.

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GordonKelz
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EINE HEUCHELEI...

...nicht nur bei den evangelischen !
Gordon Kelz

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kaagee44
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Gott sei Dank

Bin ich schon lange aus der ev. Kirche ausgetreten.

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Mein Graz
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@kaagee44

Du bist froh ausgetreten zu sein, weil jetzt über die Homo-Ehe diskutiert wird?

Ich finde es gut, dass man wenigstens darüber redet. Ist schon ein Fortschritt gegenüber der kath. Kirche...

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