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Macht das Schule?Österreichische Gemeinde will Plastik verbannen

St. Valentin im Bezirk Amstetten hat hehre Pläne: Einweg-Plastik soll sukzessive aus dem Gemeindegebiet verschwinden. Kann das denn überhaupt klappen in einer Welt voll von Kunststoff?

Die Welt kämpft mit der Plastikflut, eine kleine Gemeinde in Österreich will etwas dagegen tun © APA/AFP/Fred Dufour
 

Das Thema Plastik ist in aller Munde, Kunststoff in fast allen Konsumentenhänden, Mikroplastik in sämtlichen Weltmeeren: Eine kleine Gemeinde will nun gegen den Ozean aus Kunststoffmüll aktiv werden, St. Valentin im niederösterreichischen Bezirk Amstetten. Der Gemeinderat der 9300-Einwohner-Ortschaft hat jüngst einstimmig eine Resolution zur Vermeidung von Einweg-Kunststoff beschlossen. "Wir sind Klimabündnisgemeinde, seit nunmehr zehn Jahren Fairtrade-Gemeinde und natürlich hat auch vor St. Valentin der eine Starkregen oder das andere Hochwasser nicht haltgemacht", pocht Bürgermeisterin Kerstin Suchan-Mayr im Interview auf ökologisches Gewissen, denn: „Angesichts der Klimakatastrophen gilt es besonders, auf unseren ökologischen Fußabdruck zu achten."

Die Krux ist der Handel

Die Krux ist natürlich, wie der Handel im Ort darauf reagiert. Reaktionen stünden bislang noch aus, so die SPÖ-Politikerin. Allerdings hoffe man, die Wirtschaft, die Wegwerf-Plastik produziert und einsetzt, zum Umdenken anzuregen. Zum Start gibt es für Bürger und Unternehmen einen Leitfaden, der die Richtung vorgeben soll: "Wir beginnen in unserer Stadtgemeinde mit dem Weglassen von Einweg-Plastik", heißt es seitens des Gemeinderats, man wolle sich an Betriebe und Handelsketten in St. Valentin wenden, ersuchen, den eingeschlagenen Weg mitzugehen.

Gemeinde St. Valentin Bürgermeisterin Kerstin Suchan-Mayr
Bürgermeisterin Kerstin Suchan-Mayr © Gemeinde St. Valentin

Drei Fragen an Kerstin Suchan-Mayr

1. Wie soll die Umstellung in den Geschäften funktionieren? Beinahe jedes Produkt ist heute in Plastik verpackt.

KERSTIN SUCHAN-MAYR: Plastik kann häufiger, als wir glauben, durch Alternativen wie Papier ersetzt werden. Denken Sie da nur an Obst oder Gemüse: Eine Gurke oder Äpfel kann ich unverpackt oder im Papiersackerl kaufen und transportieren.

2. Das ganze Unterfangen beruht ja auf Freiwilligkeit. Schaffen Sie zusätzliche Anreize, um zu motivieren?

Gewinnspiele sind angedacht oder Geschenke wie Öko-Einkaufstaschen. Auch für Kinder und Jugendliche werden wir uns etwas einfallen lassen, die sind ja die zukünftigen Generationen.

3. Sind die anderen Parteien ebenfalls im Boot?

Im Gemeinderat haben alle Parteien die entsprechende Resolution beschlossen – einstimmig. Das ist ein sehr schönes Zeichen, finde ich.

Eine Chance könnte hier, wie so oft, die Regionalität bieten: „Regionale Produkte von heimischen Produzenten, gerade Lebensmittel, sind meistens weniger verpackt und weisen noch viele andere Vorteile auf. Sie sind gesünder, haben kürzere Transportwege, sind für weniger CO2 verantwortlich und sichern die Arbeitsplätze in der Region. Dazu gibt es einen eigenen Ab-Hof-Einkaufsführer und ein Geschäft in St. Valentin, das Produkte ohne Verpackung verkauft, erzählt Suchan-Mayr. Eine örtliche Firma sei auch international tätig, um Plastikbecher auf Mehrwegsysteme umzustellen. Eine enge Kooperation für die Umsetzung des ehrgeizigen Vorhabens gebe es mit der „Region Westwinkel“, einer Gemeinde- und Wirtschaftskooperation von fünf Gemeinden. Ein großes Thema sei dabei die Umstellung von Einweg- auf Mehrweg-Getränkeflaschen.

"Plastikwahnsinn ärgert mich"

„Wahrscheinlich hat die Initiative aber auch mit mir persönlich viel zu tun“, sinniert die Landtagsabgeordnete. „Dieser Plastikwahnsinn ärgert mich schon lange, schon als Jugendliche habe ich mich kritisch mit Umweltthemen auseinandergesetzt. Als Mutter und Bürgermeisterin war es mir wichtig, auch politische Verantwortung bei globalen Themen zu übernehmen. Dort, wo man vorerst glaubt, als Gemeinde nicht viel ausrichten zu können. Aber ich denke, mit Vorbildwirkung und Bewusstseinsbildung können wir doch auch Veränderungen zum Positiven bewirken.“

Dass das ohnehin längst massive Problem global gesehen noch viel größer werden wird, bestätigte erst jüngst die Weltbank in einer neuen Studie: Die Menge des rund um den Globus produzierten Mülls werde bis zum Jahr 2050 um 70 Prozent steigen, wenn nicht einschneidende Schritte unternommen würden. Plastikmüll werde besonders große Probleme aufwerfen. Probleme, die es im Großen wie auch im (vermeintlich) Kleinen zu lösen gilt.

 

Kommentare (1)

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lisamarie
0
11
Lesenswert?

Beispielgebend!!👍

Vielleicht folgen noch andere Gemeinden...

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