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Sexuelle Übergriffe auf BubenNeun Jahre Haft für ehemaligen Stadtrat

Ein Prozess um sexuelle Übergriffe an Buben hat für einen ehemaligen Stadtrat aus dem Bezirk Gänserndorf am Freitag mit einem Schuldspruch geendet. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Sujetbild © (c) APA/BARBARA GINDL
 

Der Prozess um einen 38-jährigen ehemaligen VP-Lokalpolitiker aus dem Bezirk Gänserndorf - er wurde bereits aus der Partei geworfen -, dem unter anderem sexueller Missbrauch, Vergewaltigung von Unmündigen und Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses vorgeworfen werden, ist am Freitag am Landesgericht Korneuburg fortgesetzt worden. Bei der Vernehmung mehrerer Zeugen stand das Verhältnis des Angeklagten zu einem heute 15-Jährigen im Mittelpunkt.

Dem ehemaligen Stadtrat wird angelastet, sich seit 2012 an mehreren Buben vergangen zu haben. Der Mann bekannte sich am ersten Verhandlungstag am 28. August nicht schuldig. Massiv belastet wurde er von dem 15-Jährigen. Dieser war neun, als es laut Anklage im Sommer 2012 zum ersten Missbrauch kam - beginnend mit Entkleiden und Masturbation über Oral- bis zum erzwungenen Analverkehr.

In Hinblick auf den Hauptbelastungszeugen betonte Verteidiger Roland Friis am ersten Verhandlungstag, dass "Aussage gegen Aussage" stehe. Laut seinem Mandanten würden die Vorwürfe so nicht stimmen. Es sei nicht nachvollziehbar, dass die Angaben eines Teenagers - von dem die eigene Mutter gesagt habe, er hätte ständig gelogen, seit er acht war - mehr wiegen sollten.

Direktorin sagte aus

Der Prozess wurde im August vertagt, weil die Verteidigung die Ladung weiterer Zeugen beantragt hatte. Die Leiterin einer Neuen Mittelschule im Bezirk Gänserndorf wurde am Freitag in der Schöffenverhandlung befragt. Sie sagte, dass der Hauptbelastungszeuge bis zur dritten Klasse sehr positiv aufgefallen sei, später aber immer öfter die Schule geschwänzt habe. Der heute 15-Jährige sei irgendwie "aus der Spur gekommen".

Die Zeugin habe auch gehört, dass der Angeklagte Kontakt zu Burschen im Alter von zehn bis 14 Jahren suche und sich diese, sowie vereinzelt auch junge Mädchen, immer wieder bei ihm in der Wohnung aufhalten würden. Konkrete Hinweise auf Übergriffe habe es aber nicht gegeben. Bei einem persönlichen Gespräch habe ihr der 38-Jährige versichert, dass er eine pädagogische Ausbildung habe und sich als Stadtrat um die Jugend in der Gemeinde kümmern wolle. Sie habe ihm geraten, keine Kinder ohne die Einwilligung der Eltern zu sich einzuladen.

Eine, wie der Richter sagte, "mütterliche Freundin" des Angeklagten bekräftigte, nie etwas Auffälliges am 38-Jährigen bemerkt zu haben. Als der Hauptbelastungszeuge beim Ex-Lokalpolitiker einziehen habe wollen, habe sie der Mann um Rat gefragt. Ihre Antwort sei gewesen, dass er "dies nicht einfach so machen könne". Dass ein Bursch zu einem Wildfremden ziehen will, sei ihr nicht komisch vorgekommen, da sie immer wieder mitbekommen habe, wie sehr der Beschuldigte Jugendliche unterstützt habe. Viele Kinder hätten den Niederösterreicher auch "massiv ausgenützt".

Sehr oft zu Besuch

Ein weiterer Zeuge gab an, von 2013 bis 2017 "sehr oft" beim Beschuldigten in dessen Wohnung gewesen zu sein. Es habe überhaupt keine Dinge gegeben, die ihm seltsam vorgekommen seien. Den Hauptbelastungszeugen kenne er gut, dieser habe ihm immer wieder erfundene Geschichten erzählt.

Ein 15-Jähriger, der den Angeklagten ebenfalls oft besuchte, sagte, dass der heute 38-Jährige zwei Mal nackt durch die Wohnung gelaufen war, um vom Handy abzuheben. Ein weiterer Bekannter des Beschuldigten meinte, ihm käme die Version des Hauptbelastungszeugen "ein bisschen Spanisch vor".

Teilgeständnis

Kurz vor der Urteilsberatung hatte der Ex-Stadtrat ein Teilgeständnis abgelegt. Was er getan habe, tue ihm leid, sagte der ehemalige Lokalpolitiker. Die Vorwürfe des 15-Jährigen, insbesondere die ihm in der Anklageschrift angelasteten Vergewaltigungen, stritt er ab. Auf die Frage des beisitzenden Richters, warum seine Hände immer in der Nähe von Genitalien von jungen Burschen seien, hatte der Angeklagte zuvor entgegnet: "Bei mir wurde jede Bewegung, die ich gemacht habe, immer analysiert."

Die Staatsanwältin erklärte in ihrem Schlussvortrag, die Anklageschrift vollinhaltlich aufrecht zu halten. Ihr tue es leid, dass der Beschuldigte die schweren Übergriffe auf den Hauptbelastungszeugen nicht gestanden habe. Das Geständnis wäre sehr wichtig für den 38-Jährigen gewesen. Der nunmehr 15-Jährige sei in den vergangenen Monaten als "Lügner dargestellt worden", nur um sich selbst besser aussehen zu lassen. Die Gesamtschau aller Beweise ergebe deutlich, dass der Bursche die Wahrheit gesagt habe.

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