Deutschland/ÖsterreichKinderporno-Ring ausgehoben: Sexuelle Übergriffe auch in Österreich

Deutsch-österreichische Ermittler haben ein internationales Kinderpornografie-Netzwerk aufgedeckt. Die Beschuldigten werden des schweren sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen verdächtigt.

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Deutsch-österreichische Ermittler haben ein internationales Kinderpornografie-Netzwerk aufgedeckt. Die Beschuldigten werden des schweren sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen verdächtigt und sollen über die Plattform "Elysium" im Darknet kinderpornografisches Material verbreitet haben. Die Staatsanwaltschaft Wien ermittelt wegen massiver sexueller Übergriffe.

14 Verdächtige in Deutschland und Österreich wurden bereits ausgeforscht und teils auch festgenommen, berichtete die Behörde am Donnerstag per Aussendung. Demnach konnten insgesamt bisher 29 Opfer von massiven sexuellen Übergriffen identifiziert werden. Für weitere Informationen kündigten sowohl die deutschen als auch die Wiener Behörden für Freitagvormittag Pressekonferenzen an.

>> Operation "Elysium": Schöner Name, schwerster Missbrauch

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Darknet - der anonyme Bereich des Internets

Im Darknet (englisch für "dunkles Netz") befinden sich Internetseiten, die mit üblichen Suchmaschinen wie Google nicht aufzuspüren sind. Der Weg dorthin führt über eine Anonymisierungssoftware, etwa den kostenlosen Browser "Tor" ("The Onion Router").

Europol hatte zuletzt darauf hingewiesen, dass Aufnahmen von schwerem Kindesmissbrauch im Internet eine immer größere Verbreitung finden. Pädophile und kriminelle Netzwerke nutzen das Darknet, um anonym kinderpornografisches Material zu tauschen.

Der Bereich des Internets wird aber ebenso von Menschen genutzt, die viel Wert auf Privatsphäre legen oder in einem repressiven politischen System leben. Weil Suchmaschinen im Darknet nicht funktionieren, müssen die Nutzer vorher wissen, auf welche Seite sie wollen. Orientierungspunkte gibt es, wie zum Beispiel sogenannte Hidden Wiki, die Linksammlungen enthalten.

Schwerpunkt illegaler Geschäfte im Darknet ist nach Einschätzung von Ermittlern Suchtgift. Waffen werden im Darknet nach Erkenntnissen von Fachleuten deutlich seltener angeboten, sind aber angesichts der Sicherheitslage Schwerpunkt der Ermittlungen. Zudem spielt der Handel von Kinderpornografie, Falschgeld und gefälschten Pässen eine Rolle.

Mittlerweile abgeschaltet

Laut Polizei und Staatsanwaltschaft in Deutschland wurde die seit 2016 bestehende Kinderporno-Plattform mittlerweile abgeschaltet. Als mutmaßlicher Betreiber sei ein 39-jähriger Mann aus Hessen festgenommen worden. Er soll als Administrator der Plattform maßgeblich für die Bereitstellung der technischen Infrastruktur verantwortlich gewesen sein. Der Mann wurde den Behörden zufolge am 12. Juni bei einer Durchsuchung seiner Wohnung und der Beschlagnahmung des Servers der Plattform festgenommen. Er befindet sich in Haft.

Die seit 2016 bestehende Plattform hatte nach Angaben der deutschen Generalstaatsanwaltschaft mehr als 87.000 Mitglieder und diente einem weltweiten Austausch von Kinderpornografie sowie für Verabredungen zum sexuellen Missbrauch von Kindern. Mehrere Verantwortliche und Mitglieder wurden festgenommen, vor allem in Deutschland und Österreich, hieß es.

Erfolge im Kampf gegen Kinderpornografie in Österreich

Operation "Elysium". Am 12. Juni 2017 wird der Betreiber einer seit 2016 bestehenden Kinderporno-Plattform im Darknet namens "Elysium" festgenommen. 14 Verdächtige in Deutschland und Österreich werden ausgeforscht und teils auch festgenommen, 29 Opfer identifiziert. Die weltweit tätige Plattform hatte 87.000 Mitglieder. Die Staatsanwaltschaft Wien ermittelt wegen massiver sexueller Übergriffe, wird am 6. Juli bekannt.

Operation "Gondola": Beim Aufdecken eines Kinderpornorings durch amerikanische Behörden werden nach Hinweisen aus den USA auch 20 Österreicher ertappt. Bei einem Verdächtigen in Klagenfurt findet die Polizei Material, das belegt, dass sich der 38-Jährige an Nachbarskindern vergangen hat. Ein 63-jähriger Wiener wird bei einer Razzia tot vor seinem Computer entdeckt, er hat einen Herzinfarkt erlitten. Insgesamt werden bei der Aktion allein in Österreich 1.600 Computer sowie Speichermedien sichergestellt, wird am 9. September 2012 bekannt.

Operation "Carole": Bei einer weltweiten Operation gegen Kinderpornografie forschen Polizeibehörden in 141 Ländern Hunderte Pädophile aus. Das Bundeskriminalamt in Wien ermittelt bei seinem bisher größten Schlag 272 Personen allein in Österreich. Die Verdächtigen stammen aus allen Bundesländern. Die Pädophilen haben über Internet-Foren Missbrauchsbilder und -videos von Kindern verbreitet. Am 4. Juli 2012 gibt das Innenministerium den Fall bekannt.

Operation "Charly": Nach Hinweisen aus Luxemburg werden im Verlauf des Jahres 2010 in Österreich 107 Hausdurchsuchungen durchgeführt. Jedes Mal werden die Beamten fündig und stellen einschlägiges Material sicher. Ein Steirer hortete 20.000 Bilder und 300 Videos, wie im Dezember vom Bundeskriminalamt bekanntgegeben wird.

Operation "Typhon": Die Webseite eines österreichischen Betreibers (File-hosting-Service) wird zur Verbreitung von Kinderpornografie missbraucht. Im Zuge von Hunderten Hausdurchsuchungen in Europa und Kanada werden 221 Verdächtige ausgeforscht (davon 23 in Österreich) und 115 Täter festgenommen. Der Abschluss der Operation wird am 10. Dezember 2009 öffentlich gemacht.

Operation "Geisterwald": Federführend von der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main wird ein international tätiger Kinderporno-Ring zerschlagen. Weltweit werden auf Basis der Erkenntnisse der Sonderermittler 178 Hausdurchsuchungen durchgeführt. 22 Männer werden festgenommen. Fünf von ihnen stammen aus Österreich. Darunter ist ein 41-jähriger Wiener Familienvater, der seine zehn Jahre alte Stieftochter wiederholt sexuell missbraucht und dabei angefertigte Fotos und Videos im Internet verbreitet hat. Der Fall wird am 30. September 2009 bekannt.

Ausforschung einer brasilianischen Website: 43 österreichische Konsumenten werden identifiziert, 31 Verdächtigen kann der Besitz oder die Weitergabe von Kinderpornos nachgewiesen werden. Am 23. September 2009 gibt das Bundeskriminalamt in Wien den Fall bekannt.

Operation "Sledgehammer": Im Zuge der Ausforschung einer kroatischen Internetseite wird 189 Männern in Österreich der Besitz oder die Weitergabe von obszönen Aufnahmen nachgewiesen. Insgesamt werden 935 Verdächtige identifiziert, gegen 624 muss das Verfahren eingestellt werden, da sie das Material nur angesehen und nicht heruntergeladen haben. Bekannt wird der Fall am 13. März 2009.

Operation "Sinon": In Bayern werden zwei Internetdateien entdeckt, die schweren sexuellen Missbrauch an einer etwa zehnjährigen Asiatin und einem etwa zwölfjährigen blonden Mädchen zeigen. 125 österreichische User-Adressen sind betroffen, 80 Verdächtige werden ausgeforscht. Darunter befindet sich ein 44-jähriger Wiener, dessen PC-Bildschirmschoner den Mann während des Missbrauchs seiner zehnjährigen Stieftochter zeigt. Der Fall wurde am 2. Jänner 2008 bekannt.

Operation "Flo": Die Polizei deckt eine Kinderporno-Verteilung über den Server einer Wiener Internetfirma auf. 2.361 Usern aus 77 Ländern kann der Zugriff auf acht Videos nachgewiesen werden, 23 Verdächtige stammen aus Österreich. Aufgedeckt wird der Fall nach einem Hinweis der Internetfirma, dessen File-Sharing-Dienstleistung von den Pornogeschäftemachern missbraucht wurde. Bekannt wird der Fall am 7. Februar 2007.

Schwerster sexueller Missbrauch

Zu dem Bild- und Videomaterial, das die Mitglieder dort austauschten, gehörten den Behörden zufolge auch Aufnahmen von schwerstem sexuellen Missbrauch von Kindern. Auch Kleinstkinder seien unter den Opfern. Außerdem habe es Darstellungen sexueller Gewalthandlungen an Kindern gegeben.

Den Verdächtigen wird neben der Verbreitung von Kinderpornografie zum Teil auch schwerer sexueller Missbrauch von Kindern vorgeworfen. Weitere Details wollen das deutsche BKA in Wiesbaden sowie das Bundeskriminalamt (BK) in Wien am Freitag zeitgleich auf zwei Pressekonferenzen bekanntgeben. In Wien soll es dabei vor allem um sexuelle Missbrauchsfälle gehen.