"Die ganze Tanzwelt kommt nach Graz – es ist wahnsinnig cool!" Die 14-jährige Maya Bosancic freut sich sichtlich über die Hip-Hop-Weltmeisterschaft, die dieser Tage in der Grazer Stadthalle stattfindet. Sie ist eine von 120 österreichischen Teilnehmerinnen und tritt in sechs verschiedenen Disziplinen an, vom Hip-Hop-Solo bis zum Breakdance. Gestern ist sie schon im Duo mit ihrer Partnerin eine Runde weitergekommen: "Das war ein großer Erfolg, weil ich für die Altersklasse eigentlich noch zu jung bin." In der Kategorie "Formation" erreichte ihr Team sogar die beste Platzierung aller österreichischen Teams.

Bosancic über die Stimmung in der Stadthalle: "Es ist unbeschreiblich, alle feuern einander an, alle unterstützen einander, egal woher man kommt, es gibt zwar einen Konkurrenzkampf, aber einen liebevollen Kampf", berichtet die 14-Jährige strahlend.

Und tatsächlich: Wenn über die Lautsprecher der nächste Durchgang angesagt wird, schreien und kreischen schon aus allen Ecken der Stadthalle die 2500 Fans, um ihre Favoriten anzufeuern. Die Musik beginnt, die Tänzerinnen und Tänzer versinken in ihr Element, bewegen sich im "Freestyle", wie es sich gerade richtig anfühlt, machen Dinge mit ihrem Körper, die bei jedem anderen nach Bandscheibenvorfall aussehen. Nach einer Minute ist der erste Durchgang schon vorbei, tosender Applaus und glückselige Gesichter auf der Bühne.

Maya Bosancic, 14, freut sich über die Hip-Hop-Weltmeisterschaft
Maya Bosancic, 14, freut sich über die Hip-Hop-Weltmeisterschaft
© Philipp Axmann

Graz schreibt Geschichte

Organisator Klaus Höllbacher stimmt Bosancic zu: "Es ist ein Miteinander aller Kulturen, Religionen und Hautfarben, alle sind im Tanz vereint, da entstehen viele Freundschaften über Ländergrenzen hinweg." Höllbacher ist Vizepräsident des internationalen Dachverbandes IDO und organisierte schon 2011 und 2016 die Hip-Hop-WM in Graz. Dass er das Event wieder in die Stadt holen konnte, freut ihn sehr: "Es ist auch eine super Werbung für Graz."

Organisator Klaus Höllbacher: "Es entstehen viele Freundschaften über Ländergrenzen hinweg"
© Philipp Axmann

Das kann Craig Bullock bestätigen: Er ist der Teamchef der südafrikanischen Fraktion und hat 39 Athletinnen und Athleten mitgebracht. "Graz ist wunderschön und wir freuen uns, wieder hier zu sein." Den Organisatoren streut er Rosen: "Sie machen wirklichen einen sehr guten Job, sie schreiben Geschichte mit dieser Veranstaltung." Bullock spielt auf die Teilnehmerzahl an: Über 4300 Tänzerinnen und Tänzer aus 26 Nationen treten an – mehr als bei jeder bisherigen WM.

Craig Bullock ist der Teamchef der südafrikanischen Fraktion und hat 39 Athletinnen und Athleten mitgebracht
Craig Bullock ist der Teamchef der südafrikanischen Fraktion und hat 39 Athletinnen und Athleten mitgebracht
© Philipp Axmann

Tanzen versöhnt

"Es ist so schön, wie alle Nationen einander anfeuern – die Welt braucht mehr dieser Einheit", meint Bullock. Klaus Höllbacher erinnert an die Anfänge des "Breaking": "Gangs in der New Yorker Bronx wollten ihre Konflikte gewaltfreier lösen, statt mit Waffen wurden die Duelle dann durch Tanz entschieden – vielleicht sollten wir auch mehr Konflikte auf diese Weise lösen."

Ein besonderes Anliegen der Veranstalter: "Wir gehen bei der Inklusion einen Schritt weiter als die meisten Organisatoren, bei uns tanzen geistig und körperlich Beeinträchtige miteinander – nicht in verschiedenen Kategorien." Maya Bosancic dazu: "Es ist so schön, dass niemand ausgeschlossen wird!"

Bis Sonntag gibt es in der Grazer Stadthalle noch "Stimmung wie bei einer Jugendparty". Tickets für die letzten Restplätze gibt es unter anderem auf oeticket.com (siehe Info). Am Samstag und Sonntag geht es ab 8.30 Uhr um die heiß umkämpften ersten Plätze. Für Craig Bullock und sein Team aus Südafrika gibt es neben dem sportlichen aber noch ein anderes Ziel: "Ich will unbedingt ein Wiener Schnitzel und eine Sachertorte kosten!"