Guten Morgen, liebe Leserinnen, liebe Leser!
 
Heute ist ein guter Tag für Sie! Vielleicht auf längere Sicht gesehen aber ein doch nicht so guter! In der heutigen Sondersitzung des Parlaments wird das milliardenschwere Anti-Teuerungspaket beschlossen. Darunter fällt neben der künftigen automatisierten Wertanpassung von Sozial- und Familienleistungen auch jenes Helikopter-Geld, das über Sie – also nahezu über alle Österreicherinnen und Österreicher - als Klimabonus und Teuerungsbonus in Höhe von 500 Euro abgeworfen wird. Womit der Beschluss für gute Stimmung am heutigen Tag sorgen könnte. Jene, die die Frage wagen, wer diese Gießkannen-Wohltat bezahlen wird oder wie lange die Teuerung noch anhalten wird, welche Kostenexplosionen bei Heizung und Strom in Zukunft noch möglich sind, welche Unterstützungsmaßnahmen für sozial vulnerable Gruppen somit noch nötig sind, werden sich über dieses 500-Euro-Geldgeschenk weniger freuen. Oder zu dem Schluss kommen, dass dieses Geld kein Geschenk sein wird und es ehrlicher, realistischer und klüger wäre, wenn die Regierung den Mut hätte, zu sagen, was Sache ist: dass Wohlstandsverluste durch die Teuerung nicht zu verhindern sind und es jeden Staat überfordern würde, diese in mittleren oder sogar höheren Einkommensgruppen auszugleichen.   
 
Über Verlust und Verzicht mag aber keiner sprechen. Eine Psychologin hat in einem Interview über Verzicht und politisches Verlustmanagement gemeint, wir würden angesichts der vielen Krisen und der Teuerung erkennen, dass unser Glaube, es müsse immer aufwärts gehen, auch etwas Pubertäres hatte und viele nun erst ökonomisch erwachsen werden. Warum sie das glaubt? Weil dazu der Verzicht und das Akzeptieren von Grenzen gehöre.
 
Bleibt die Frage, ob sie nur eine Optimistin ist oder recht hat. Und es stellt sich die Frage, wie viele ökonomisch Erwachsene es in der aktuellen Regierung gibt. Die Antwort auf diese Frage überlasse ich Ihnen, geschätzte Leserinnen und Leser.
 
Mit einer eindeutigen Antwort hat Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner auf seinen Gesundheitszustand reagiert. Manche, die noch vor Wochen wegen der Korruptionsvorwürfe seinen Rücktritt forderten, hatten gestern zumindest den Anstand, ihm gute Besserung zu wünschen. Andere reagierten auf seinen Krankenstand mit Häme. Auch hier: Erwachsene, denen einiges fehlt, um erwachsen zu sein. 
  
Einen Tag ohne Tankstellenbesuch wünscht Ihnen
Carina Kerschbaumer