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MorgenpostDie deutsche CDU fand sich plötzlich wieder als eine schwammig-diffuse Wohlfühlpartei

Der Morgenpost-Kommentar aus der Chefredaktion.

 

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Sie sei „gespannt“ auf die Wahl ihres Nachfolgers, gab Deutschlands Langzeit-CDU-Parteichefin Angela Merkel gestern in Hamburg zu Protokoll. Ja, was auch sonst? Schließlich könnte sie schwerlich anmerken, es sei ihr im Grunde wurscht, wer hinter ihr die nach wie vor stärkste Partei Deutschlands übernimmt.

Seit mehr als 18 Jahren hat Merkel die CDU geführt, eine bemerkenswerte Spanne. Sie lenkte Partei und Land auf die ihr eigene Art: uneitel, pragmatisch, manchmal schleppend, aber jedenfalls immer mit Blick auf die Mehrheitsmeinung. Anfangs habe sie ihre Macht „wie eine zerbrechliche Vase“ gehütet, schrieb dieser Tage der „Spiegel“. Erst 2015, in der Flüchtlingskrise, riskierte Merkel ganz un-merkelisch eine klare Kante. Prompt erhob sich Gegenwind, der bis heute kräftig bläst.

Die CDU profitierte von Merkels Pragmatik, litt aber unter der von ihr bewirkten inhaltlichen Transformation. Die Union fand sich plötzlich wieder als eine schwammig-diffuse Wohlfühlpartei, die keine „Ausschaltimpulse“ mehr sandte. Merkel führte ihre Fraktion fast bis zur Konturlosigkeit in die politische Mitte und grub so den auch von links bedrängten Sozialdemokraten in Deutschland das Wasser ab. Der Preis dafür war das Freiwerden von Spielräumen am rechten Rand – also dort, wo es gemäß einer einst von Franz-Josef-Strauß auf die bayerische Schwesterpartei CSU gemünzten Doktrin keinen Platz für andere Parteien geben dürfe. Dort hat sich jetzt die AfD festgesetzt.

Mit Friedrich Merz und Jens Spahn fischen zwei der drei Nachfolgekandidaten in jenem Teich, der gespeist wird von der CDU-intern verbreiteten Sehnsucht nach Restauration des konservativen Profils. Die geschmeidigere Annegret Kramp-Karrenbauer hingegen verspricht Kontinuität ohne scharfe Konturen. Heute wird sich's am CDU-Parteitag in Hamburg entscheiden. Als Vorbereitung lesen Sie bitte die kenntnisreiche Analyse von Ingo Hasewend im heutigen Blatt.

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