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Zusatz-KrankenversicherungEs ist der Faktor Mensch, der zählt und für den man löhnt

Private Krankenversicherungen sind für alle ein gutes Geschäft. In der Debatte, wofür es sich lohnt, ist nicht das Essen sondern der Faktor Mensch das entscheidende Argument.

 

Der neue Streit um Sonderklasse-Gebühren für ambulante Operationen hat alte Gräben wieder aufgerissen. Die Frage „Was ist die Leistung“ stellt sich jedem, der eine Zusatzkrankenkasse abschließt und monatlich – je nach Alter und Geschlecht – 200 bis 300 Euro dafür zahlt.

Die ehrliche Antwort: Selbstverständlich erwarten sich die Versicherten auch eine bessere Behandlung. Die korrekte: Nur in der Hotelkomponente darf diese Besserstellung bestehen. Denn in Österreich gilt nach wie vor der Grundsatz: Gleiche Standards in der medizinischen Behandlung für alle.

Die gelebte Praxis ist ein Mittelweg, die Währung in der gelebten Praxis ist die Aufmerksamkeit: Jeder, dem es nicht gut geht, wünscht sich, dass man sich um ihn kümmert. Sei es, dass sich die Schwestern mehr Zeit nehmen, dass sich die Ärzte intensiver kümmern, dass man sich Arzt und Sanatorium aussuchen kann, wenn eine Operation vorgenommen wird.

Mit der Zusatzversicherung kaufen sich die Patienten, die es sich leisten können, ein Mehr an Aufmerksamkeit. Und dieses Mehr an Aufmerksamkeit wird ihnen tatsächlich zuteil. Denn die Wahrheit ist: Ohne die Sondergebühren der Versicherungen täte sich in den Spitälern ein riesiges Loch auf. Um hunderttausende Euros wird jetzt gefeilscht, aber insgesamt lukrieren dieKrankenanstalten Millionen. Geld, das von Privaten aufgebracht wird, das jedoch das öffentliche System – das allen zur Verfügung steht – ganz wesentlich stützt.

Für die öffentliche Hand ist die private Krankenversicherung also ein Geschäft. Für die Ärzte auch, denn sie bekommen Sonderhonorare. Nicht für bessere Leistung, sondern um sie an den öffentlichen Kliniken zu halten, wie betont wird.

Für die Versicherungen ist die Zusatz-Krankenversicherung ebenfalls ein Geschäft. Und so lange es Menschen gibt, die eine abschließen, zahlt sich die Versicherung auch in ihren Augen aus. Die Gretchenfrage, welche Leistung genau den Beiträgen gegenübersteht ist nicht neu, aber die Debatte darüber wird neu belebt. Im Falle der Spitalsambulanzen hat Bundeskanzler Sebastian Kurz jetzt die Reißleine gezogen. Eine Diskussion darüber, ob die Mehrheit der Österreicher künftig länger warten muss oder bestimmte Behandlungen gar nicht bekommt, kann und will sich die Regierung nicht leisten.

Im Zuge der Reform der Sozialversicherung wurde ohnehin der Verdacht in den Raum gestellt, dass Türkis und Blau das Gesundheitssystem teilprivatisieren, prosperierende Bereiche in die Hände Privater legen und defizitäre Anstalten kaputt sparen wollen.
Die Frage, wofür sich die Zusatzversicherung lohnt, bleibt. Und die Zuwendung ist der Schlüssel, auch in Zukunft. In Zeiten, in denen das Personal knapp bleibt, zunehmend sogar Roboter in der Pflege eingesetzt werden, ist es erst recht der Faktor Mensch, der zählt und für den man löhnt Auch das ist eine Zweiklassengesellschaft – so ehrlich muss man sein.

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