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Sport-Strategie für ÖsterreichDie Jugendlichen verfetten zusehends - und nicht nur sie

Warum eine Sport-Strategie für Österreich so wichtig ist und weshalb man schleunigst darangehen muss, den Sport auch in der Kultur des Landes besser zu verankern.

TRKULJA
© AP
 

Es soll nur der erste Schritt gewesen sein, Österreich zu einer Sportnation zu machen, oder gar die „Sportnation 4.0“ zu erfinden: die Vorstellung der neuen Sport-Strategie von Sportminister Heinz-Christian Strache. Dabei meinen manche, dass es gar nicht möglich sei, dem Volk per Gesetz den Sport zu verschreiben. Das mag stimmen. Tatsache ist: Österreich braucht den Sport nicht als Hilfe zu Selbstdefinition. Das war in der Nachkriegszeit wichtig, als es Sporterfolge waren, die halfen, Identität zu stiften, aber das ist in der Zwischenzeit kein Thema mehr.

Österreich ist keine Weltmacht, die ihre Überlegenheit gerne mit Spitzenplätzen in Medaillenwertungen untermauert. Dieses Land und seine Bewohner koppeln die öffentliche Befindlichkeit nicht an Siege, wie etwa manche (vor allem südliche) Länder an Erfolge im Fußball. Das mag nichts Schlechtes sein, denn Medaillen in ihrer Bedeutung zu überhöhen oder Sporterfolge gar als Triebwerk für ideologische Ziele zu verwenden, wäre noch schlimmer als der Ist-Zustand.

In diesem werden sportliche Erfolge wohlwollend aufgenommen und beklatscht, Misserfolge scheinen aber samt Pflege des „typisch österreichischen (Verlierer-)Schicksals“ noch willkommener.

Und das spiegelt wohl das größte Problem wider, das der Sport in diesem Land hat: Er ist nicht Teil unserer Kultur. Weder genießen Spitzensportler jenes Ansehen, das ihnen in anderen Ländern widerfährt, noch ist die Bewegung an sich fixer Bestandteil unserer DNA, im Gegensatz zu den skandinavischen Ländern etwa.

ie Folgen dieser Einstellung sind schleichend, aber spürbar. Die Jugendlichen (und nicht nur sie) verfetten zusehends und verlieren motorische Grundfähigkeiten. In der Zwischenzeit reden wir gar nicht mehr vom Purzelbaum, sondern vom richtigen Gehen oder Stiegensteigen. Die Folgen – z. B. Bandscheibenvorfälle im Teenageralter – sind verheerend.

Aber noch, so scheint es, ist der Leidensdruck zu gering, um auch die Wirtschaft noch mehr anzutreiben, sich aktiv an der Bewegungsförderung zu beteiligen. Noch ist „Sport“ so negativ behaftet, dass selbst der Ruf nach der täglichen Turnstunde – besser wäre es, sie tägliche Bewegungsschule zu nennen – ungehört verhallt. Es erinnert frappant an die Klimaproblematik: Reagiert wird erst, wenn es schon fast zu spät ist.

Eines lässt sich nicht wegdiskutieren: Sport kann in vielen gesellschaftlichen Bereichen heilsam und fördernd sein – Integration, Inklusion, (Volks-)Gesundheit oder gar die nachgewiesen bessere Hirnentwicklung bei bewegten Kindern sind hier nicht nur leere Schlagworte, sondern Fakten. Alleine deshalb wäre es so wünschenswert, dass die Vorstellung der „Sport.Strategie.Austria“ wirklich nur der erste Schritt war – und dass auf diesen ein wahrer Marathon an Schritten und Maßnahmen folgt. Zum Wohle und zur Gesundheit einer ganzen Nation – und nicht (nur) für Medaillen und Titel.

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