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Notizen eines VatersSprechen Sie Serwasztny?

 

In vielen Familien gibt es eine ganz eigene Sprechweise und Ausdrücke, die nur der engste Kreis zu verstehen vermag. Meine Frau und ich haben mit unseren Kindern seit jeher ausschließlich Deutsch gesprochen. Trotzdem wurde vor vielen Jahren eine weitere Sprache in unsere Familie eingeführt.

Sophie und Anna teilten sich während ihrer Kindheit ein Zimmer. Im Laufe der vielen gemeinsamen Stunden entwickelten sie eine Sprache namens „Serwasztny“. Obwohl sie im Grunde nur eine Abwandlung der deutschen Sprache ist, versteht man als Außenstehender bei Weitem nicht alles und selbst ich als „Insider“ komme meist schon deshalb nicht mit, weil die Mädchen in geradezu halsbrecherischer Geschwindigkeit miteinander kommunizieren.

In der Anfangsphase hätte ich niemals gedacht, dass sie „Serwasztny“ auch Jahre später noch sprechen würden. Heute sind sie 25 und 20 Jahre alt und unterhalten sich weiterhin quasi durchgehend auf „Serwasztny“, vor allem am Telefon. Für sie ist es ein Stück gemeinsame Kindheit. Dabei macht es keinen Unterschied, ob sie zu Hause sind oder unterwegs. „Serwasztny“ wird überall gesprochen, ungeachtet aller Irritationen Außenstehender.

Walter Titz Walter Titz
© Walter Titz


Da sich die Sprache peu à peu entwickelt hat, fällt es den beiden schwer, Regeln zu definieren beziehungsweise die Sprache jemandem beizubringen. Ich habe einige der ominösesten Übersetzungen gesammelt: Akkuladegerät – Otzilod, nicht- gollala, sei ruhig – holt die Gollala, fffffffffffffft (Ausdruck inniger Zuneigung), Entschuldigung – Wullila, Hass – Hotzenplotz.

Auch für einzelne Familienmitglieder gibt es eigene Namen: Papa – Puwila, Mama – Muddilove/Muddst, Dominik – Domenak, Donatien – Doninski, Benedikt – Benedakt, Nikolaus – Kecki, Antonia – Bay Rutila, Klemens – Baymani, Anna – I/Illeleili, Jakob – Sharpay, Sophie – Wuzzalspeck / Wuzzi.

Eine Zeit lang war es ihren Brüdern lästig, die Sprache zu hören, jetzt aber haben sie sich daran gewöhnt, und Bitten oder Begrüßungen werden fast ausnahmslos in „Serwasztny“ geäußert. Möglicherweise werden also unsere Enkelkinder zweisprachig aufwachsen.

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