AccessControl ac = AccessControl.getAccessControl(request);

Notizen eines VatersSeine Nachbarn kann man sich nicht aussuchen...

 

Seine Nachbarn kann man sich nicht aussuchen. Wer Glück hat, gewinnt Freunde fürs Leben, wer Pech hat, macht die Erfahrung, dass mit manchen Menschen einfach nicht auszukommen ist, egal, was man tut.

Wir hatten zweimal Glück und nur einmal Pech. Das war, als unsere Kinder noch klein und die Söhne begeisterte Fußballer waren. Der Nachbar, ein griesgrämiger Hagestolz, mochte weder Kinder und noch viel weniger Kicker. Immer wenn ein Ball über seinen Zaun flog, legte er ihn in eine riesige Schachtel. Zuletzt waren es 73. Alle Versuche, sich mit ihm zu arrangieren, scheiterten. Mein Magengeschwür schwand erst, als neue Nachbarn, ein sehr sympathisches Lehrerehepaar mit zwei Kindern, neben uns einzogen.

Seit mehr als einem Jahr leben wir in Straßengel in einem alten Haus mit großem Garten. Unsere Nachbarn, beide schon pensioniert, sind ein wahrer Glücksfall: immer freundlich, hilfsbereit und großzügig. Trude und Josef halten ihre Liegenschaft großartig in Schuss. Vor allem den Rasen. Gäbe es einen Wettbewerb „Wer hat den akkuratest geschnittenen Rasen?“, sie hätten Siegeschancen.

Walter Titz
© Walter Titz


Einmal pro Woche fährt Josef mit extrem nieder liegendem Gerät über seine Wiese. Kein Steinchen, kein Zweiglein stört das Geräusch. Routiniert umfährt er Gemüsegarten und Blumenbeete, seine natürlichen Feinde. Am liebsten sähe er seinen Garten als eine einzige grüne Fläche von Hunderttausenden 7 mm hohen Grashalmen.

Immer, wenn er sein Gerät in Betrieb nimmt, setzt er mich unter Druck. Dann sehe ich in unseren Garten und denke: Nie werden wir einen so gleichmäßig geschorenen Rasen haben wie unsere lieben Nachbarn, aber mir gefällt unsere Wiese so ganz gut. Einmal im Monat starte ich unseren Mäher, ein Uraltmodell, aber nicht umzubringen. Hässliche Kreischtöne lassen mich zusammenzucken, wenn ich wieder eine Wurzel oder einen Stein erwischt habe.

Unlängst begann ich früh am Morgen, als ich Trudes Stimme von nebenan hörte: „Josef, der Gottfried mäht schon seinen Rasen!!!“ Mir war es tatsächlich gelungen, meinen freundlichen Nachbarn auszutricksen. Aber keine Angst, Sepp, das kommt nie wieder vor.

Diskutieren Sie mit - posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung! Kommentieren