Appell des PräsidentenAnachronistisch, aber sympathisch

 

Ein Seitenhieb auf die „zeitlosen“ Wahlplakate der ÖVP? Eine verbale Spitze gegen die Videostrategen der SPÖ? Oder eine Breitseite auf die europakritische FPÖ? Den Ohren der Zuhörer blieb es überlassen, welche Botschaft von Bundespräsident Alexander Van der Bellen sie am Dienstag vernahmen. Jedenfalls keine Wahlempfehlung für seine Ex-Partei, die Grünen, oder Peter Pilz, der ihn einst in die Politik holte.

Der Auftritt Van der Bellens zeigt die Widersprüchlichkeit, die das Amt des Bundespräsidenten ausmacht: Der oberste Moralhüter der Nation, der ein Plädoyer für Fairness, langfristige Politik und das Friedensprojekt Europa abgibt. Das mag anachronistisch sein – trotzdem ist es erfreulich, dass sich unsere Demokratie diese Rolle leistet.

Zu befürchten ist freilich, dass die Parteien diesen Aufruf zur Mäßigung schon bald wieder verdrängt haben werden; und die Hackeln bis zum Wahltag noch viel tiefer fliegen werden als zuvor.

Kommentare (1)

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beky
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Unanbhängiger Präsident

Und seine Frau, die sog. "First Lady" ist in der Vorwahlzeit laut Presseberichten und Fotos mit den Grünen unterwegs. Da gerät auch die Unabhängigkeit des Präsidenten ziemlich in Schieflage.

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