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Coronaringerl

Ich versteh ja immer nicht, warum so viele Leute so ungern in den Supermarkt gehen. Man erlebt doch ausnehmend viel Schönes.
Letztens an der Fleischtheke zum Beispiel, vor dem Feiertag: das übliche Gedränge, in der Menge verliert die Wurstfachverkäuferin den Blickkontakt zu ihrem Kunden, reckt mit suchendem Blick das frisch aufs Papier geschlichtete Schnittgut empor. Bis sich hinter mir eine sonore Stimme mit dem außerordentlich wohlgestalten Satz „Die Bauernpresswurst bin ich!“ erhebt. Das Gefühl kenne ich.

„Im Lockdown war Einkaufen mein Wochenhöhepunkt“, berichtet Käti, „endlich wieder einmal unter Leuten sein.“ Seh ich auch so. Im Supermarkt war es wie immer, während alle anderen Gewissheiten auseinanderfielen. Egal, ob man sich vor den Amerikanern fürchtet oder für sie; Chips, Limo, Toastbrotscheiben gibt’s verlässlich „American Style“. Kohlrabi, Erdbeerjoghurt, Apfelessig, Haarshampoo im Angebot, an den Kassen Manja und Swedy wie vor 20, 30, 40 Jahren.

„Hast du“, fragt Käti, „in den letzten Wochen auch so viel mehr eingekauft als sonst?“ Ja klar. War ja eine Art Massenphänomen, wie sich jetzt, wo man wieder aus dem Haus und unter die Leute kommt, reihum feststellen lässt: überspannte Gummibünde, absprungbereite Knöpfe, wohin man schaut. Coronaringerl für alle. Wir sind die Bauernpresswurst.

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