MorgenpostMit ihrer Wortakrobatik erinnert Beate Hartinger-Klein an Satire-Formate

 

Geschätzte Leserin, geschätzter Leser!

Warum überrascht es einen nicht, von Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein keine konkreten Antworten zu bekommen? Weil es die FPÖ-Politikerin seit ihrem Amtsantritt so hält und mit ihren wortakrobatischen Fernsehauftritten an Satire-Formate erinnert. Bei der ZiB2 gestern Abend war es wieder einmal so weit. Berechnungen, wie die durch die Zusammenlegung der Sozialversicherungen einzusparende Milliarde zusammenkommen soll? Brauchen wir nicht, es liegen schon genug Berechnungen in und auf den Schreibtischen. Fusionen kosten zuerst einmal viel Geld, weiß man wie viel? Das entscheidet die Selbstverwaltung. Auf Bundesebene sollen künftig die Verträge mit der Ärztekammer ausgehandelt werden, die Landeskassen sollen aber auch verhandeln, was denn? Die Entscheidungen, was vor Ort wichtig ist. Selbst aus der Wirtschaftskammer kommt Kritik daran, dass der Vorsitz im künftigen Dachverband der Sozialversicherungsträger jährlich rotieren soll, ist das effizient und klug? Ja natürlich, hat nur Vorteile. Alexander Biach, der derzeitige Chef des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger verweist auf Unternehmen mit einem ähnlichen Budgetvolumen. Rotierende Vorstände? Unvorstellbar.

Beim früheren Hauptverbandschef und späteren Finanzminister Hans-Jörg Schelling hat man gewiss nicht nachgefragt. Er hat in seiner Amtszeit maßgebliche Reformen eingeleitet und umgesetzt. Gehört hat die türkis-schwarz-blaue Bundesregierung jedenfalls auf Politik-Berater. Sie haben die Kommunikation bzw. das Wording bei der Arbeitszeitreform (12-Stunden-Tag und 60-Stunden-Woche) als fatal, weil negativ besetzt bezeichnet. Deshalb redet man jetzt von Gesundheitsreform, Gesundheitskassen und der Gesundheitsmilliarde. Ob diese Milliarde am Ende der Legislaturperiode im Jahr 2023 eingespart sein und den Patienten zugute gekommen sein wird, bleibt abzuwarten. Nicht nur Biach, den man entfernt, ist skeptisch. Auch Gesundheitsökonom Ernest Pichlbauer, üblicherweise ein gefragter Ratgeber spricht von "Fake-Rechnung" und "Zahlen-Mystik", mit der die Bundesregierung seiner Meinung nach dann eben auch im Jahr 2023 zur Stelle sein werde.

Warten wir es ab. Die Regierung beweist zumindest Handlungswillen und hat die Ansage, die Kassenreform in ihrem ersten Amtsjahr aufzusetzen, eingelöst. Und wir halten Sie auf dem Laufenden.

Ein besonderes Gesundheitsthema hat Kollegin Sonja Krause für die heutige Beilage aufbereitet: das Locked-in-Syndrom, die Gefangenschaft im eigenen Körper. Berührende, bemerkenswerte Geschichte über Universitätsprofessorin Katarina Posch, die seit 2015 Locked-in-Patientin ist. Ihre positive Einstellung zum Leben ist ungebrochen, sagt Katarina Posch in dem Interview, das mittels Computer geführt wurde. In jeder Hinsicht eine bemerkenswerte Frau und eine bemerkenswerte Geschichte, der wir heute unseren Print-Aufmacher gewidmet haben.

Angenehmes Wochenende

Antonia Gössinger

Zwischen 0 Uhr und 6 Uhr ist das Erstellen von Kommentaren nicht möglich.
Danke für Ihr Verständnis.

scionescio
0
0
Lesenswert?

So ein Armutszeugnis als Ministerin hat es in diesem Land schon lange nicht mehr gegeben ...

... und ich kann mich lange zurückerinnern …

Antworten