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Konflikt um Gesundheitsreform

Eine Fehlbesetzung

Die Ärztekammer wird entmachtet. Darüber kann man diskutieren. Die Krankenkassen sind die neuen Taktgeber in unserer Gesundheitsversorgung – das darf die Politik nicht zulassen.

 

Im Konflikt um die Gesundheitsreform ist bisher nur eines klar: Die Ärztekammer soll entmachtet werden, die Krankenkassen erhalten im Gegenzug noch mehr Machtfülle.

In wesentlichen Strukturfragen in der Patientenversorgung wird die Ärztekammer dann nicht einmal Zaungast sein. Darüber kann man diskutieren, auch wenn einige Ärztefunktionäre heute verantwortungsvoller als früher agieren: Zu lange war die Ärztekammer eine destruktive Kraft. Sie hat von sich hören lassen, wenn es um Ärzteverträge ging. Sie vertritt eben die eigene Klientel, das ist legitim – aber nicht mehr.

Paradoxerweise kann man der Ärztekammer ausgerechnet jetzt die Sorge um Patienten abkaufen, da sich ihre Ära dem Ende zuneigt. Denn das, was Bund, Länder und Kassen geplant haben, hebt nicht nur die bisherige Machtkonstruktion mit der Ärztekammer aus den Angeln. Bund und Länder liefern sich Krankenkassen aus. Eine Institution, auf die sie keinen Zugriff oder Einfluss haben. Die Krankenkassen sind ein Machtblock, oft undurchsichtig und überbürokratisiert, ein Staat im Staat. Demokratiepolitisch ist das genauso bedenklich wie versorgungspolitisch.

Niemand bezweifelt, dass im Gesundheitssystem Handlungsbedarf besteht. Diskussionen, wie und ob man teure Medikamente in Spitälern einsetzt, sind genauso im Gange, wie den Patienten lange Wartezeiten bei Kassenfachärzten bekannt sind.

Und jetzt sollen Krankenkassen alles besser machen?
Jenes Geflecht von Organisationen, das es in seiner Überbürokratisierung zugelassen hat, dass es oft für ein und dieselbe Behandlung unterschiedliche Tarife je nach Bundesland gibt?

Oder wie kann es sein, dass Forderungen nach Kassenärzten für notwendige Kinder-/Jugendpsychiatrie-Ärzte von einer Kasse negiert werden, bis ein Volksanwalt das anprangert?


Und dann sind Krankenkassen auch noch froh, wenn Patienten statt zu niedergelassenen Ärzten in Spitalsambulanzen gehen, weil sie dort nur gedeckelte Beiträge zahlen. Das kommt die Kassen billiger. Sie profitieren dabei von einer Versorgungssituation, die sie selbst erschaffen haben: weil sie Kassenstellen entweder trotz Bedarf nicht vergeben oder wenigstens an strengere zeitliche Ärzterahmenbedingungen knüpfen, damit die Wartezeiten kürzer werden. Aber alle haben es sich in dem System bequem gemacht. Das entlarvt die Rolle der Kassen in der Versorgungsentwicklung als Fehlbesetzung.

Die Lösung wäre einfach: Alle Kassen zusammenführen, die Finanzierung erfolgt aus einer Hand, Tarife werden harmonisiert, was weniger Verwaltung bedeutet. Die Kassen werden zu Vollzugsorganen ohne Eigenleben – und zu Vollstreckern von Plänen, die Fachleute entwerfen und keine Gewerkschafter oder Kammern in den Kassen. Sollte die Politik trotzdem an ihren Reformen festhalten: Viel Glück! Mit dieser Entscheidung wird dann klar, wer im Land das Sagen hat. Es sind wohl nicht die zuständigen Minister oder Landesräte.

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Danke für Ihr Verständnis.

helmutmayr
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Ein System,

in welches die Ärzte nicht eingebunden sind wird nicht funktionieren.
Genauso wie heute immer weniger Mediziner Kassenverträge wollen und das Wahlarztsystem vorziehen, genauso werden sich dann keine Ärzte finden die in den PHC s arbeiten wollen wenn dort die Rahmenbedingungen nicht passen. Sie werden andere Fornen der Arbeit vorziehen oder ins Ausland gehen.
Grundsätzlich machen Gesundheitszentren einen Sinn und man bräuchte den Ärzten nur zugestehen andere Ärzte und Berufsgruppen anzustellen oder Gesellschaften zu gründen. Die Zentren würden aus dem Boden schießen. Die Jungen von heute sind keine Einzelkämpfer mehr. Sie wurden zur Teamarbeit ausgebildet.
Und es fänden sich Geldgeber, die das gemeinsam mit Ärzten hochziehen und sicher erfolgreicher führen als die Kassen selber.

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aabdc6c8dfd81213e0497f52fe379c6a
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Ihrer Meinung nach sollte die Wirtschaft die Kassen verwalten.

Das würde denen so passen.
Schon jetzt hat die Wirtschaft Zuviel zu mitreden.
Wenn es um die Bezahlung der Ambulanz kosten geht,sollten die Verträge neu verhandelt werden.
Auch mehr Tagesampulanzen sind erforderlich.
Auch das verhindern die Ärzte Mafia ( Ärztekammer).

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docholliday
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bravo

jetzt haben sies verstanden und jetzt sehen sie die große Gefahr. die krankenKassen sind ein undemokratischer monolith, beratungsresistent und vorvorgestrig, dem es nur um Macht geht und der die Beiträge der Versicherten falsch verwaltet. da gibt es keinen Versorgungsauftrag, nur feindschaft gegen alle in einer schon neurotisch zu nennen art und Weise die Angst vorm betrogenwerden auslebend. für mich sind diese Kolosse.. ein poststalinistisches Wesen, dem man jetzt die Macht des KGB zuschanzen will. mir graut.

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